Schriften zu Bildung und Kultur, Band 5

Die China-Berichterstattung in den deutschen Medien

11. Juni 2010
Eine Studie von Carola Richter und Sebastian Gebauer

 

Wie Medien über ein Land berichten, das prägt unsere Wahrnehmung von diesem Land ganz entscheidend. Welches Thema wird für die Berichterstattung ausgewählt, was wird weggelassen, welche Stereotypen werden transportiert? China ist durch seinen wirtschaftlichen Aufstieg, seinen Umgang mit ethnischen Minderheiten, die Olympischen Spiele in Peking und den Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse seit einigen Jahren ein Topthema in den deutschen Medien. Nun ist diese Berichterstattung in China selbst ein Thema geworden. Das Land fühlt sich missverstanden, falsch dargestellt, teilweise gar verunglimpft. Ist diese Kritik berechtigt? Geben die deutschen Medien ein verzerrtes Bild von China? Oder ist das Land wegen seiner rigiden Pressepolitik nicht vielmehr selbst schuld an einer vermeintlich undifferenzierten Darstellung durch westliche Medien? Die vorliegende umfangreiche Studie von Carola Richter und Sebastian Gebauer liefert anhand von sieben Leitmedien eine Bestandsaufnahme und eine Analyse der China-Berichterstattung in Deutschland. Entstanden ist eine Aufnahme publizistischer Vielfalt, in der Präferenzen und Diskursmuster deutlich werden.

Schriften zu Bildung und Kultur, Band 5
Die China-Berichterstattung in den deutschen Medien

Eine Studie von Carola Richter und Sebastian Gebauer
Mit Beiträgen von Kai Hafez und Thomas Heberer
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin,
Juni 2010, 304 Seiten, zahlreiche Tabellen und Abbildungen
ISBN 978-3-86928-036-3

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Pressestimmen

 


Die China-Berichterstattung in den deutschen Medien
   
Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort Berlin
Erscheinungsdatum Juni 2010
Seiten 304
ISBN 978-3-86928-036-3
Bereitstellungs-
pauschale
kostenlos


Vorwort

Wie Medien über andere Länder berichten, das prägt unsere Wahrnehmung von ihnen entscheidend. Was wird für die Berichterstattung ausgewählt, was wird weggelassen, welche Stereotypen werden stetig transportiert? All das sind Fragen, die uns überall dort beschäftigen, wo wir mit unserer politischen Arbeit vor Ort sind.
Für China wollten wir die Berichterstattung in Deutschland genauer untersuchen.
Während man in Deutschland kaum wahrnimmt, wie das eigene Land in den chinesischen Medien porträtiert wird, rückte die deutsche China-Berichterstattung in den letzten Jahren zunehmend ins Blickfeld der chinesischen Öffentlichkeit.

Redaktionen in Deutschland hatten auf das große Interesse an China reagiert und ihre Berichterstattung über das Land deutlich verstärkt. Deutsche Medienanstalten haben heute mehr als 30 Korrespondenten in Peking und Shanghai und täglich finden sich Berichte über China in der deutschen Presse.
Seit einigen Jahren artikulieren chinesische Beobachter Kritik an der westlichen Berichterstattung über China. Auch die deutsche Berichterstattung ist in die Schusslinie geraten. Vorwürfe kommen aus Regierungskreisen, aus den chinesischen Medien, insbesondere aber von einer Öffentlichkeit, die sich im Internet artikuliert. Wortführer sind vor allem Chinesen in Deutschland und bisher deutschfreundliche Eliten, die die Berichterstattung in den deutschen Medien verfolgen. Sie sprechen von einseitig negativer Berichterstattung und werfen deutschen Medien vor, China systematisch zu verunglimpfen.

Laut der aktuellen GlobeScan-Studie, die im Auftrag des BBC Worldservice erstellt wurde, glauben nur 20 Prozent der Deutschen, dass China eine «eher positive Rolle» in der Welt spielt, rund 71 Prozent sehen den Einfluss Chinas sogar «eher negativ». Damit gehören die Deutschen weltweit zu den größten China-Skeptikern. Noch 2005 hielten sich positive und negative Wahrnehmung Chinas in Deutschland fast die Waage. Was ist seitdem geschehen?
Chinas beispielloser wirtschaftlicher Erfolg erregt seit Jahren die Aufmerksamkeit auch einer breiteren Bevölkerung im Westen. Die zunehmende Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft und -politik erzeugt Unbehagen und ist vielen Beobachtern Anlass zur Besorgnis. Auch wenn es heute auf allen Ebenen einen regen Austausch zwischen Deutschland und China gibt – das Wissen über das jeweils andere Land bezieht die große Mehrheit der Menschen in Deutschland wie in China aus den eigenen Medien.
Im Olympiajahr 2008 eskalierten die Spannungen zu einem regelrechten Medienkrieg. Er entzündete sich an der Berichterstattung über die politischen Unruhen in Tibet und den olympischen Fackellauf.

Chinesische Staatsmedien sprachen von «Volksverhetzung» und «Nazigeist». Im Internet und den Leserbriefseiten der Medien formierte sich eine wütende Öffentlichkeit, die die deutschen Medienberichte als Angriff gegen alle Chinesen empfindet.
Noch im selben Jahr wurden daraufhin die ersten Dialogforen und runden Tische organisiert: Medienvertreter, Politiker und Studenten aus China und Deutschland diskutierten. Doch es kam zu keiner Annäherung. Eher wurde deutlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen, wie verhärtet die Fronten sind. Eine rationale Debatte schien nicht möglich.

Da es bislang keine umfangreiche empirische Bestandsaufnahme und analytische Bewertung der aktuellen China-Berichterstattung in Deutschland gab, haben wir uns dazu entschlossen, vor allem die Inhalte der China-Berichterstattung in deutschen Medien transparent zu machen und zu analysieren. In der nun vorliegenden Studie wurde die Berichterstattung von sieben deutschen Leitmedien im Jahr 2008 untersucht. Es ist die erste Studie, die eine so umfangreiche Materialanalyse vornimmt. Selbstverständlich zeigt selbst eine so umfangreiche Studie nur einen Ausschnitt der gesamten Berichterstattung deutscher Medien.
Und manche Schlussfolgerung ist nicht ganz frei von politischen Interpretationen, die wir nicht in jedem Detail teilen und über die sich streiten lässt. Auch zu dieser Auseinandersetzung wollen wir mit der Studie einladen.

Dennoch hoffen wir, damit einen wichtigen Beitrag für eine konstruktive Befassung mit dem noch immer hochbrisanten Thema zu leisten und die Verständigung zwischen Medienschaffenden und Medienkritikern in China und Deutschland fördern zu können.
Wir danken den beiden Autoren Carola Richter (Universität Erfurt) und Sebastian Gebauer (Universität Essen-Duisburg) für ihr großes Engagement, mit dem sie sich auf die Fülle des Materials eingelassen haben, und die hervorragende wissenschaftliche Arbeit. Unser ausdrücklicher Dank geht auch an die Professoren Thomas Heberer (Universität Essen-Duisburg) und Kai Hafez (Universität Erfurt) für die Konzeption und die wissenschaftliche Betreuung.

Außerdem sind wir vielen Expertinnen und Experten zum Dank verpflichtet für ihr wertvolles Feedback während des Entstehungsprozesses der Studie, nämlich Bernt Berger, Doris Fischer, Karsten Giese, Matthias von Hein, Anja Senz, Shi Ming und Gudrun Wacker. Unser Dank gilt zuletzt den Journalistinnen und Journalisten, die sich bereit erklärt haben, Einblick in ihre Arbeitsprozesse zu geben, und die damit das Zustandekommen dieser Arbeit unterstützt haben.

Berlin und Peking, im Mai 2010

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung
Katrin Altmeyer, Leiterin des Pekinger Büros der Heinrich-Böll-Stiftung

Dossier

Hintergrund Tibet

Die Proteste im Vorfeld der Olympischen Spiele haben die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erneut auf die Konflikte um dieses Tibet gelenkt. Mit dem Ziel der Förderung einer öffentlich-politischen Meinungsbildung bietet die Heinrich-Böll-Stiftung jetzt ein überarbeitetes, aktualisiertes Tibet Dossier, das die Komplexität des Themas aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.

Reaktionen (2)

1_ Burk
16. Mai 2012, 05:53 Uhr

Die - vor allem deutschen Medien - sind die groessten und zugleich gedankenlostesten Unglueckstreiber zwischen China und Deutschland.Sie sollten jurtistisch besser zur Rechenschaft herangezogen werden koennen.Dies ist keine "Pressefreiheit" mehr. Dies ist Intsrumentalisierung einer Pressefreiheit zu Gunsten lobbyistischer Interessen und Strukturen.Sie sind, schlichtweg: gefaehrlich.
2_ Jürgen Smolinski
24. Januar 2013, 05:30 Uhr

Medienzensur in PR China
Erst kürzlich habe ich miterlebt, wie die Medien in dem Fall CCTV 1
auf dem Flughafen Kunming mit einem Team erschien und aufgebrachte Fluggäste über die Gründe befragte, warum Sie drei Tage auf dem Flughafen verbringen mussten. Die nebelige Wetterlage hatte am ersten Tag verhindert, dass die Maschinen starten konnten. Es gab von den Fluggesellschaften keinerlei Informationen, was nun weiter geschehen soll. Im Flughafengebäude gibt es keine Heizung, was in Anbetracht der Wetterlage (7°c) von Vorteil gewesen wäre. Ohne in der Lage zu sein, Decken oder warme Getränke zu verteilen, verbrachten tausende Fluggäste die Nacht auf dem Flughafen. Am Tag 2 war Fliegen wieder möglich, jedoch die gestrichenen Flüge vom Vortag haben den Flughafenbetreiber komplett überfordert, so das wir an diesem Tag ebenfalls auf dem Flughafen festsaßen. Auch an diesem Tag gab es keinerlei Information, wann die gestrichenen Flüge nachgeholt werden. Inzwischen gingen die Vorräte an Trinkwasser zu ende und die Verkaufshops haben den Nachschub zum 4 fachen vom Normalpreis verkauft! Am Tag 3 gab es dann teilweise Ausschreitungen, was für mich nachvollziehbar war. Weder die Fluggesellschafen, noch der Flughafenbetreiber konnten diese Situation entschärfen. Es wurden Hundertschafen von Polizei und Sicherheitskräften, teilweise bewaffnet, in Flughafen geschickt um die aufgebrachten Menschenmassen zu kontrollieren. Als ich von CCTV 1 befragt wurde, habe ich den Sachverhalt vor der Kamera geschildert und mich über die Fluggesellschafen und den Flughafenbetreiber beschwert. Nach 72 Stunden Verspätung konnten wir endlich den Flug nach Hainan antreten. Am gleichen Tag habe ich die Nachrichten im Fernsehen verfolgt und war überrascht, wie die Medien diese Sachlage heruntergespielt hatten. Weder mein Statement, was der Wahrheit entsprach, noch der richtige Sachverhalt wurden von den Medien wiedergegeben. Hier kann man nicht von Pressefreiheit sprechen, weil sämtliche Medien einer Zensur unterliegen. Im Internet sind ebenfalls Brisante Videoaufnahmen von diesem Zwischenfall gesperrt, oder gelöscht worden, so das eine wahrheitsgemäße Schilderung kaum noch nachvollziehbar ist. Als wir mit ca. 140 Fluggästen nach Hainan geflogen sind, haben wir eine Solidargemeinschaft gebildet und haben nach der Landung nicht das Flugzeug verlassen, um eine Entschädigung zu erwirken. Nach 45 Minuten hat dann die Fluggesellschaft unseren Forderungen zugestimmt und wir habe eine kleine Entschädigung bekommen, die jedoch nicht das wieder gut macht, was allen an den 3 Tagen wiederfahren ist. Ich hoffe das ist eine Bestätigung dafür, dass die Medien in China zu 100% der Zensur unterliegen. MfG. Jürgen Smolinski

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