Schriften zu Bildung und Kultur, Band 10

Konzeptgedanken zur Errichtung eines Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit

1. Februar 2012

Vorwort

Das vorliegende Konzept zur Errichtung eines Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit ist nicht neu. Es lag in erster Fassung bereits Ende 2007 auf dem Tisch, wurde aber bisher nicht veröffentlicht. Sein Entstehen ist auf das Engste verknüpft mit der Suche nach Geldgebern für die Ausstellung zur nachahmung empfohlen – expeditionen in ästhetik und nachhaltigkeit. Nach drei Jahren eines mühevollen Werbens für die Verbindung von Ästhetik und Nachhaltigkeit ist die Ausstellung im Herbst 2010 in Berlin eröffnet worden. Seitdem wandert sie durch Deutschland, Europa und die Welt: www.z-n-e.info/.

Seit dem Entstehen der Fondsidee hat sich einiges geändert. Im Sommer 2011 fand im Haus der Kulturen der Welt das Überlebenskunstfestival statt (ueberlebenskunst.org), dessen Vor- und Nachbereitung im Verbund mit einer Reihe lebendiger Überlebenskunstprojekte mit großer Unterstützung der Bundeskulturstiftung möglich wurde. Das Projekt SurVIVart –Arts for the Right to a Good Life der Heinrich-Böll-Stiftung (survivart.boellblog.org) ist durch dieses Vorhaben inspiriert worden. Bücher wie Wachsen – über das Geistige in der Nachhaltigkeit von Hildegard Kurt und Art and Sustainability von Sacha Kagan wurden geschrieben und finden eine wachsende Leserschaft.

Die Heinrich-Böll-Stiftung lädt gemeinsam mit vielen Partnern am 8. und 9. Februar 2012 zur Konferenz radius of art. Kreative Politisierung des öffentlichen Raums – Kulturelle Potenziale für soziale Transformation  ins Berliner Stiftungshaus ein.

Das ist uns Anlass, Konzeptgedanken für die Errichtung eines Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit in deutscher und englischer Fassung vorzulegen und mit einem internationalen Publikum darüber zu diskutieren. Diese Idee ist eingebettet in die Suche nach breiten Allianzen für Ästhetik und Nachhaltigkeit, die notwendig sind für innovative Lösungswege jenseits vorhandener Entscheidungs- und Förderstrukturen.

Zehn Imperative fassen die vor uns liegenden Herausforderungen zusammen, ein grundlegendes Verständnis für die Notwendigkeit eines solchen Fonds zu entwickeln und den Nährboden für weitere zu bereiten:
  • Demokratisieren: Die anhaltenden Krisen machen deutlich, dass wir die Welt und ihren Zustand nicht den Experten überlassen dürfen. Wir müssen selbst ran, jeder einzelne von uns!
  • Denken und Handeln: in neuen Zusammenhängen und mit erweiterten Zielhorizonten für gesellschaftliche Transformation und Paradigmenwechsel!
  • Entfesseln: unsere Fantasie, auf allen Ebenen!
  • Ausschwärmen: in neue Organisations- und Bewegungsformen!
  • Verflüssigen: Künstler/innen sollten eine Art Vorbildfunktion als Avantgarde und Anti-Expert/innen der «flüssigen Moderne» entwickeln, in der es keine Gewissheiten mehr gibt, sondern Positionen immer wieder neu überdacht werden müssen!
  • Zuhören, Beobachten, Veröffentlichen: Das Unsichtbare sichtbar machen!
  • Aufladen: Der im Politik- und Wissenschaftsbetrieb zerriebene Begriff Nachhaltigkeit muss mit neuer Kraft versehen werden; das gelingt nur, wenn wir Ästhetik und Nachhaltigkeit wechselseitig miteinander verknüpfen!
  • Wahrnehmen: Ästhetik ist die Summe aller unserer Wahrnehmungen zur Erschließung komplexer Systeme. Sie ist kein Exklusivrecht der Kunst, sondern sollte von jedem Einzelnen von uns (zurück)erobert werden!
  • Zusammenführen und Bündeln: Wir müssen die Silos unseres Denkens und die Trennung von Zusammenhängen durch Ressortorganisationen überwinden und unterschiedliche Handlungsfelder und Perspektiven bündeln. Die meisten wichtigen Fragestellungen
  • fallen ansonsten durch die herkömmlichen Raster oder Profile unserer institutionellen und mentalen Selbstorganisation und würden deshalb nicht gefördert werden!
  • Einsehen: Obwohl erkannt wurde, dass neben dem Sozialen, Ökonomischen und Ökologischen das Kulturelle die vierte Dimension zur Entstehung von Kulturen der Nachhaltigkeit ist, folgte daraus bisher kaum die Einsicht für praktisches Handeln!

Fazit: Kunst ist nicht mehr nur Mittel oder Medium, sondern selbst Abbild des Suchens nach Wegen in ein postfossiles Zeitalter, in eine neue Ära menschlicher Entwicklung, die auf einer Ästhetik der Nachhaltigkeit basiert.


Konzeptgedanken zur Errichtung eines Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit
   
Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort Berlin
Erscheinungsdatum Februar 2012
Seiten 60
ISBN 978-3-86928-074-5
Bereitstellungs-
pauschale
kostenlos


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