Schriften zur Ökologie, Band 19

Going Green: Chemie - Handlungsfelder für eine ressourceneffiziente Chemieindustrie

23. November 2011
Uwe Lahl und Barbara Zeschmar-Lahl

Die chemische Industrie hat eine sehr große Bedeutung für Deutschland. Sie gibt über 400.000 Menschen Arbeit und gehört zudem zu den größten Chemieproduzenten in der Welt. Sie steht aber auch für Umweltverschmutzung, hohe Risiken und Treibhausgasemissionen. Zugleich brauchen wir die Innovationskraft der Chemiebranche, um die großen Probleme unserer Zeit wie den Klimawandel und die Ressourcenkrise zu lösen. Chemische Erzeugnisse können z.B. helfen, Gebäude zu dämmen, Solarstrom zu erzeugen und saubere Autos zu bauen.

Die Studie „Going Green: Chemie – Handlungsfelder für eine ressourceneffiziente Chemieindustrie“ beschreibt dezidiert, welche Veränderungen die Chemiebranche in Deutschland bzw. in der Europäischen Union durchlaufen muss, um den Umwelt- und Klimaschutzzielen gerecht zu werden und gleichzeitig die Produktion wettbewerbsfähig zu halten.


Going Green: Chemie - Handlungsfelder für eine ressourceneffiziente Chemieindustrie
   
Herausgeber/in Heinrich-Böll-Stiftung
Erscheinungsort Berlin
Erscheinungsdatum November 2011
Seiten 100
ISBN 978-3-86928-065-3
Bereitstellungs-
pauschale
kostenlos


Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

Kurzfassung der Studie

1 Einleitung

2 Going Green – neue Herausforderungen für Ökologie und Ökonomie

3 Die Chemische Industrie in Deutschland – Status quo und Entwicklungen

3.1 Was macht die Branche?
3.2 Ökonomische Bedeutung
3.3 Ressourceneffizienz in der Chemischen Industrie
3.4 Produktqualität und Chemikaliensicherheit
3.5 Abfallwirtschaft
3.6 Carbon Leakage – Status quo der Diskussion
3.7 Fazit Status quo der Chemischen Industrie

4 Sieben Handlungsfelder für eine ressourceneffiziente Entwicklung

4.1 Der Handlungsrahmen
4.2 Das Handlungsfeld Ressourceneffizienz als umfassender Maßstab für «going green»
4.3 Das Handlungsfeld Chemikaliensicherheit
4.4 Das Handlungsfeld Rohstoffversorgung
4.5 Das Handlungsfeld Klimaschutz
4.6 Das Handlungsfeld Wirtschaftsförderung
4.7 Das Handlungsfeld Forschung und Entwicklung
4.8 Das Handlungsfeld Neue Kunststoffe – chemische Lösungen für den Schutz der Meere

5 Handlungsfelder einer ressourceneffizienten Entwicklung – Fazit

6 Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Anhang 

Einleitung

Die Chemische Industrie: Schlüsselbranche für den Standort Deutschland und die Umwelt!

Ralf Fücks und Dorothee Landgrebe

Das Verhältnis zwischen der Chemiebranche und den Grünen bzw. der Umweltbewegung war nie konfliktfrei. Das ist noch milde ausgedrückt. Die katastrophalen Chemieunfalle der 1970er-Jahre – Bhopal, Sandoz, Seveso – haben die Entstehung der grünen Bewegung befördert; die Auseinandersetzungen um die grüne Gentechnik, um die europäische Chemikalienverordnung REACH, um Klimaschutz und Energiepolitik haben das gespannte Verhältnis zueinander geprägt. Aber auf beiden Seiten hat es Bewegung gegeben.

Die Grünen von heute bekennen sich aus guten Gründen ausdrücklich zum „Chemiestandort Deutschland“. Die Chemieindustrie ist in Deutschland ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Sie gibt über 290.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (ohne pharmazeutische Chemie) Lohn und Brot. Aber nicht nur deswegen wollen die Grünen eine leistungsfähige Chemieindustrie in Deutschland halten und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die Innovationskraft der Chemiebranche ist wichtig, um die großen Probleme unserer Zeit wie den Klimawandel und die Ressourcenkrise zu lösen. Chemie kann z.B. helfen, Gebäude zu dämmen, Solarstrom zu erzeugen, saubere Autos zu bauen und die Materialeffizienz zu steigern.

Umgekehrt haben die meisten Chemieunternehmen verstanden, dass Ökologie und Ökonomie unter einen Hut gebracht werden müssen, wenn die Branche eine Zukunft haben will. Ökologie ist keine Konzession an den Zeitgeist, sondern ein hartes betriebs- und volkswirtschaftliches Thema: es geht um Kosten, Risikomanagement, die künftige Ressourcenbasis und Zukunftsmarkte.

Ein grüner Strukturwandel eröffnet neue Geschäftsfelder, die die Wettbewerbsfähigkeit von morgen sichern: Biokraftstoffe der zweiten Generation (aus Abfallstoffen, Stroh, Zellulose etc.), intelligente Fassaden (Wärmedämmung, Kühlung, integrierte Solarzellen), neue Werkstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe (bspw. Verpackungsmaterialien, Biokunststoffe) oder Batterietechnik für Elektroantriebe sind nur einige der vielen Beispiele, die zeigen, dass Klima und Ressourcenschutz neue Marktchancen für die Chemiebranche geben. Auch betriebswirtschaftlich ist die Senkung des Energieumsatzes und Materialverbrauchs in der Chemieindustrie angesichts der Verknappung und Verteuerung vieler Ressourcen zwingend. Besonders interessant erscheinen uns die Potenziale der Biochemie, die mit bakteriellen und enzymatischen Verfahren arbeitet, die bei geringem Energieeinsatz ablaufen können.

Das heißt nicht, dass zwischen Chemieindustrie und grüner Bewegung jetzt die große Harmonie ausgebrochen wäre. Ob es um Zulassungsverfahren für neue Chemikalien und Arzneistoffe geht oder um die Energiepolitik, die Ausgestaltung des CO2-Zertifikatesystems oder die grüne Gentechnik – Differenzen gibt es trotz der Annäherungen der letzten Jahre immer noch genug.

Vor diesem Hintergrund hat die Heinrich-Böll-Stiftung eine Studie in Auftrag gegeben, die aufzeigen soll, welche Veränderungen die Chemiebranche in der Bundesrepublik vollziehen muss, um den Umwelt- und Klimaschutzzielen gerecht zu werden und gleichzeitig ihre Produktion wettbewerbsfähig zu halten.

Die Studie „Going Green: Chemie – Handlungsfelder für eine ressourceneffiziente Chemieindustrie“ unterbreitet zahlreiche Vorschlage, wie die Transformation zu einer nachhaltigen Chemie gelingen kann. Dabei haben wir uns auf die Grundstoffchemie beschränkt. Zudem erheben die vorgestellten Handlungsfelder nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Wir wollten mit den Handlungsempfehlungen jedoch politische Initiativen in Gang setzen, die zentrale Transformationsprozesse anstoßen können.

So wollen wir z.B. durch die Einrichtung einer europäischen Negativ- und Positivliste von gefährlichen bzw. weniger gefährlichen Stoffen dazu beitragen, weniger riskante Chemikalien nachzufragen – und so einen stofflichen Substitutionsprozess in Richtung einer „gesundheits- und umweltvertraglichen Chemie“ anstoßen.

Angesichts von Klimawandel und schrumpfenden Erdölreserven müssen jetzt die politischen Weichen gestellt werden, um einen Wechsel der chemischen Rohstoffbasis von Erdöl zu Biomasse, den sogenannten „feedstock change“, zu realisieren. Die stoffliche Nutzung der Biomasse ist die effizienteste Nutzung dieses knappen Gutes. Dabei dürfen die Fehler aus dem Bereich „Biotreibstoffe“ nicht wiederholt werden: Lebensmittel gehören zuallererst auf den Teller, eine Kaskadennutzung der Biomasse muss vorrangig sein, und Nachhaltigkeitsanforderungen müssen auch für die stofflich genutzte Biomasse gelten.

Substanzielle Fortschritte bei der Chemikaliensicherheit und beim Klimaschutz werden wir nur über Neuentwicklungen, insbesondere durch Sprunginnovationen, erreichen. Daher schlagen wir „Innovationsräume“ für solche Technologien vor, die große Potenziale im Bereich Ressourcen- und Klimaschutz aufweisen (z.B. weiße Biotechnologie, effizientere Synthesewege, Speichertechnologien).

Wir hoffen, wir konnten mit dieser Auswahl an Vorschlagen Ihr Interesse für unsere Studie wecken. Wir haben sie schon im Vorfeld mit Vertreterinnen und Vertretern der Industrie, den Umweltverbanden und der Politik diskutiert und wünschen uns auch mit der fertigen Studie eine konstruktive Auseinandersetzung über eine „grüne Chemie der Zukunft“. 

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