Schriften zu Wirtschaft & Soziales, Band 10
Selbstbestimmung am Lebensende: Nachdenken über assistierten Suizid und aktive Sterbehilfe
Vorwort
Sterben und Tod gehören zum Leben. Das gilt nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für unsere Gesellschaft. Auch sie muss immer wieder prüfen, wie sie mit den Sterbenden und dem Sterben umgeht. Gestorben wird nicht im rechtsfreien Raum. Gesetze können menschliche Zuwendung weder verordnen noch sie ersetzen. Aber jeder, der Angehörige oder Freunde beim Sterben begleiten oder ihnen beim Sterben helfen will, sollte vorab wissen (können), wie weit seine Hilfe gehen darf und an welche Regeln er sich zu halten hat. In einer demokratischen Gesellschaft sind das vor allem die Selbstbestimmung des Sterbenden und dessen Würde – eingebettet in ein mehr oder weniger gutes Vertrauensverhältnis zu Angehörigen sowie Pfleger/innen und Ärzt/innen. Wie weit sterbende Menschen ihr Lebensende selbstbestimmt gestalten können, ist auch ein bürgerrechtliches Anliegen, das offenkundig immer deutlicher artikuliert wird.
Denn Sterben wird heute nicht tabuisiert, es ist kein Schicksal mehr, dem Männer und Frauen sich einfach zu unterwerfen hätten. Viele Menschen machen für ihr Sterben selbstbewusst Freiheits- und Selbst-bestimmungsrechte geltend, die sich zunehmend auch auf die Umstände und den Zeitpunkt des Todes und das Bild erstrecken, das sie in der Erinnerung ihrer Angehörigen hinterlassen möchten. Sie wollen das Bild eines würdevollen Menschen hinterlassen und nicht das einer Mensch/Maschine-Chimäre. Dabei ist zu bedenken, dass die meisten Todesfälle heute nicht unversehens, sondern absehbar und erwartet auftreten. Viele von ihnen setzen die bewusste Entscheidung voraus, das Leben eines Menschen enden, ihn sterben zu lassen. In dieser Publikation wird nach den rechtlichen Rahmenbedingungen des Sterbens und nach sinnvollen Zielen rechtlicher Regelungen für ein Sterben in Würde gefragt.
| Selbstbestimmung am Lebensende: Nachdenken über assistierten Suizid und aktive Sterbehilfe | |
| Herausgeber/in | Heinrich-Böll-Stiftung |
| Erscheinungsort | Berlin |
| Erscheinungsdatum | März 2012 |
| Seiten | 154 |
| ISBN | 978-3-86928-079-0 |
| Bereitstellungs- pauschale |
kostenlos |
Inhalt
- Vorwort
- Rosemarie Will
Der Gesetzesentwurf der Humanistischen Union zum Thema Sterbehilfe
- Elke Baezner
Selbstbestimmung in Eigenverantwortung
Position der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) - Jörg Antoine
Der verfassungsrechtliche Rahmen für die Regelung aktiver, passiver sowie indirekter Sterbehilfe
- Reinhard Merkel
Aktive Sterbehilfe – Grundlagen und Grenzen der Legitimation
- Jerzy Montag und Nikola Denzin
Zur Problematik des assistierten Suizids in Deutschland
Die gesellschaftliche Bedeutung des Suizids in einer freiheitlichen Rechtsordnung - Karl-Ludwig Kunz
Der Rechtsrahmen des begleiteten Sterbens in der Schweiz und das Wirken der Schweizer Sterbehilfeorganisationen
- Michael de Ridder
Jenseits der Palliativmedizin?
Ein Plädoyer für die ärztliche Beihilfe zum Suizid, die zum ethischen Gebot am Lebensende werden kann - Andreas Poltermann
Ärztlicher Beistand beim Sterben in Würde
- Liesbeth Feikema
Die niederländische Euthanasiepolitik
Die Entwicklung in Gesetzgebung und Rechtsprechung und aktuelle Diskussionen - Torsten Verrel
Sterbehilfe in den Niederlanden
Beurteilung nach geltender deutscher Rechtslage - Sterbehilfe in den Niederlanden
Ein Interview mit Erhard Blankenburg - Ralf Grötker und Jan Linhart
Die Website sterbehilfe.fuerundwider.org
- Die Autorinnen und Autoren