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Preis für Verwirklichung von Geschlechterdemokratie: Anne-Klein-Frauenpreis

Frau an Rednerpult, Schwarz-Weiss
Anne Klein bei einer Sitzung des Bundesrates in Bonn zur Wiedervereinigung, 27. September 1990.
Bild: Engelbert Reineke, Deutsches Bundesarchiv. Lizenz: Creative Commons BY-SA 3.0. Original: Wikimedia Commons.

Zu Ehren Anne Kleins vergibt die Heinrich-Böll-Stiftung den Anne-Klein-Frauenpreis. Anne Klein hat als kämpferische Juristin und offen lesbisch lebende Politikerin feministische Pionierarbeit geleistet. Sie war die erste feministische Frauensenatorin in Berlin. Mit dem Preis fördern wir jährlich Frauen, die sich durch herausragendes Engagement für die Verwirklichung von Geschlechterdemokratie auszeichnen.

Der Preis ist mit 10.000 € dotiert.

Mit dem Anne-Klein-Frauenpreis würdigen wir das Lebenswerk Anne Kleins (1950 – 2011) und ihren Kampf für die Durchsetzung von Frauen- und Freiheitsrechten. Anne Klein war Feministin. Sie war Anwältin und Notarin, Senatorin im ersten rot-grünen Senat Berlins und in all diesen Tätigkeiten immer Kämpferin für Geschlechterdemokratie, Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung und Gewalt. Sie hat sich als Pionierin für feministische und frauenbewegte Angelegenheiten engagiert, Jahre bevor diese Themen im Mainstream angekommen waren. So hat Anne Klein als erste Frauensenatorin im Berliner Senat mit der Einrichtung des Referats für gleichgeschlechtliche Lebensweisen ebenso Meilensteine gesetzt wie mit ihrem Engagement für Frauenhäuser und gegen die Bagatellisierung von sexueller Gewalt in der Ehe.

Der Preis wird an Frauen aus dem In- und Ausland verliehen, die sich herausragend für die Verwirklichung von Geschlechterdemokratie, gegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes oder der geschlechtlichen Identität engagiert haben. Die Preisträgerinnen sollen sich vor allem durch Zivilcourage, Mut und Widerstand auszeichnen und sich im Rahmen ihrer Aktivitäten für Frauen und Mädchen engagiert haben.

Anne Kleins großzügige und dankenswerte Schenkung ermöglicht es der Heinrich-Böll-Stiftung, das Engagement von Frauen für Menschenrechte, Gleichberechtigung und sexuelle Selbstbestimmung mit diesem Preis zu unterstützen.

Vergabekriterien

Vorschlagsberechtigt sind Personen und Initiativen. Eigenbewerbungen sind nicht möglich. Mitglieder der Jury können nicht nominiert werden. Aus den Vorschlägen wählt die fünfköpfige Jury die Preisträgerin aus.

Wir möchten Sie hiermit herzlich einladen, in Anne Kleins Sinne würdige Kandidatinnen zu benennen und freuen uns auf Ihre Vorschläge.

Wenn Sie eine Person für den Anne-Klein-Frauenpreis vorschlagen möchten, können Sie uns per Post oder E-Mail anschreiben. Stellen Sie uns bitte auf maximal drei DIN A4-Seiten die vorgeschlagene Person vor und begründen Sie, warum diese den Anne-Klein-Frauenpreis bekommen sollte.

Beachten Sie dabei die aufgeführten Kriterien. Einsendeschluss ist am 15. Oktober 2011.

Nominierungskriterien

Kandidatinnen für den Anne-Klein-Frauenpreis der Heinrich-Böll-Stiftung sollen politisch engagiert und zivilgesellschaftlich vernetzt sein sowie als Vorbilder andere Frauen und Mädchen zu geschlechterdemokratischem Handeln ermutigen. Sie sollen sich durch herausragende Aktivitäten und Engagement nachweislich für Frauen und Mädchen ausgezeichnet haben, insbesondere durch

  • Verwirklichung der Geschlechterdemokratie
  • Beseitigung von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der geschlechtlichen Identität
  • politisches Engagement zur Verwirklichung von Frauen-, Menschen- und Freiheitsrechten
  • Förderung von Frauen und Mädchen in Wissenschaft und Forschung

Nominierungswürdig sind Frauen, die als Pionierinnen mutig und hartnäckig ihr Anliegen verfolgen, gesellschaftliche Veränderungen bewirken und sich so auch durch Zivilcourage und Widerstand auszeichnen. Das politische Engagement der Kandidatinnen sollte strategische Relevanz besitzen. Der Preis wird an Frauen im In- und Ausland vergeben.

Die Heinrich-Böll-Stiftung versteht die Vergabe des Preises als eine politische Stellungnahme. Der Preis soll durch die mit ihm verbundene öffentliche Aufmerksamkeit, finanzielle Unterstützung und politische Anerkennung helfen, die feministischen und frauenpolitischen Anliegen der ausgezeichneten Frauen voranzubringen.

Die Jury

  • Renate Künast, MdB – Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
  • Prof. Dr. Michaele Schreyer – Vize-Präsidentin des Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland, Vorsitzende des Stiftungsrats der Europa-Universität Viadrina
  • Barbara Unmüßig – Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung
  • Jutta Wagner – Rechtsanwältin, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes
  • Thomas Herrendorf – Inneneinrichter

» Flyer: Anne-Klein-Frauenpreis

Wenn Sie das Anliegen des Anne-Klein-Frauenpreises teilen, freuen wir uns über weitere Spenden:
Stichwort „Anne Klein“
Konto 307 67 02
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 100 200 500

Kontakt:
Ulrike Cichon
cichon@boell.de
(030) 285 34-112

Anne Klein

* 2. März 1950 in Körprich im Saarland
† 23. April 2011 in Berlin

Anne Klein hat sich als Juristin und Politikerin mit ganzer Kraft für feministische und frauenbewegte Anliegen und Forderungen engagiert. Nach ihrem Abitur am Dillinger Realgymnasium hat Anne Klein in Saarbrücken zunächst Psychologie, dann Jura studiert. Zu ihrem Referendariat kam sie ab 1975 nach Berlin. Sie engagierte sich in der Berliner Frauenbewegung und rief mit ihren Mitstreiterinnen das erste Berliner Frauenhaus und das erste feministische Rechtsberatungszentrum im Berliner Stadtteil Kreuzberg ins Leben: Frauen brauchten die ganze Energie weiblicher Juristinnen! Nach ihrem Staatsexamen im Jahr 1978 gründete sie die erste auf Frauenrechte spezialisierte Anwaltskanzlei in Berlin.

Als 1983 die Grünen das erste Mal in den Bundestag gewählt wurden, engagierte sich Anne Klein auch in der parlamentarischen Arbeit – als Referentin der grünen Bundestagsfraktion für den
Arbeitskreis «Frauen, Antidiskriminierung, Soziales». Sie verfasste mit anderen Frauen den ersten Gesetzentwurf der grünen Bundestagsfraktion für ein «Antidiskriminierungsgesetz», das einige Jahre später – in veränderter Fassung – in den Deutschen Bundestag eingebracht wurde. Die Verankerung feministischer Politik bei den Grünen und die Stärkung von Frauen, die Politik machen, waren Anne Kleins wichtigste Ziele in dieser Arbeit.


In der ersten Berliner rot-grünen Koalition mit dem Regierenden Bürgermeister Walter Momper wurde sie am 15. März 1989 als parteilose Kandidatin für die Alternative Liste zur Senatorin für Jugend, Frauen und Familie gewählt und brachte eine Vielzahl von Innovationen zur Stärkung der Rechte von Frauen und gleichgeschlechtlichen Paaren in die Politik und Verwaltung ein. Sie schuf das damals völlig neuartige Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Sie sicherte das Projekt Wildwasser für von sexuellem Missbrauch betroffene Mädchen finanziell ab. Zufluchtsorte für Frauen und Mädchen in Krisensituationen und Frauen, die in die Prostitution geraten
waren, sind durch ihre Initiative entstanden. Zudem setzte sie durch, dass die in Frauenhäusern Schutz suchenden Frauen nicht mehr für die Zuflucht bezahlen müssen. Berlin verdankt Anne Klein das erste Landesantidiskriminierungsgesetz.

Nach dem Ende der rot-grünen Koalition in Berlin im November 1990 arbeitete  Anne Klein wieder als Rechtsanwältin. Sie engagierte sich in diversen berufsständischen Organisationen: So war sie Mitglied des Vorstandes der Rechtsanwaltskammer Berlin; von Juni 1999 bis Dezember 2006 bekleidete sie das Amt der Präsidentin des Versorgungswerkes der Rechtsanwälte in Berlin und erreichte den Versorgungsanspruch auch für gleichgeschlechtliche Hinterbliebene; viele Jahre war sie Mitglied der Strafrechtskommission des Deutschen Juristinnenbundes. Mitte 2006 wurde sie zur Vizepräsidentin der Anwaltsunion Deutschland gewählt. Sie war bis zuletzt als Fachanwältin für Familienrecht und Notarin in Berlin tätig.

Im April 2011 erlag sie einem Krebsleiden.

Reaktionen (6)

1_ Reinhard Wartenhorst
24. Oktober 2011, 00:12 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerade weil ich als Mitglied der Grünen mich für Geschlechtergerechtigkeit einsetze, halte ich es für bedenklich, dass der Preis ausschließlich für Frauen ausgelobt wird.

Hier wird aufgrund des Geschlechts präjudiziert. Dem Anschein nach bedient dieser Preis lediglich einen feministisch geprägten Chauvinismus.

Das ist schade und wird im Zweifel der Namensgeberin des Preises nicht gerecht.


Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Wartenhorst

2_ wiltrud Schenk
16. Dezember 2011, 09:57 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,
Frau Dr. Nivedita Prasad leistet auf dem Gebiet gegen Frauenhandel hervorragende Arbeit.Trotzdem bedaure ich es, dass wieder einmal jemand für ein Engagement geehrt wird, das zu ihren / seinen beruflichen Verpflichtungen gehört; schade, mit dem Preis hätte ehrenamtliches Engagement geehrt (und somit gefördert) werden können.
mit freundlichen Grüßen
Wiltrud Schenk

3_ Ulrike Cichon
16. Dezember 2011, 11:58 Uhr

Sehr geehrter Herr Wartenhorst,
vielen Dank für Ihren Einwurf. Wie Sie sicherlich wissen, ist Geschlechtergerechtigkeit eine Querschnittsaufgabe in der Stiftungsarbeit und liegt uns allen sehr am Herzen. Im Falle des Anne-Klein-Frauenpreises ist es aber so, dass der Preis und seine Ausgestaltung durch die Schenkung der namensgebenden Anne Klein an die Heinrich-Böll-Stiftung festgelegt wurden. Es war der ausdrücklicheWunsch Anne Kleins, den Preis ausschließlich an Frauen zu vergeben, die sich vorbildhaft für Frauen und Mädchen, Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit engagieren.
Mit herzlichen Grüßen
Ulrike Cichon

4_ Reinhard Wartenhorst
3. Januar 2012, 19:00 Uhr

Sehr geehrte Frau Cichon,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Wenn der Preis in dieser Weise ausschließlich Frauen gewidmet ist, hätte aus meiner Sicht die Schenkung durch die Böll-Stiftung nicht angenommen werden dürfen:

Eine Eingrenzung auf ausschließlich Frauen widerspricht dem Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit. Es geht um einen gleichberechtigten Zugang ungeachtet des Geschlechts!

Ich halte deshalb diesen Preis - bei aller Hochachtung vor den Preisträgerinnen - für einen Ausdruck einer chauvinistisch geprägten Anschauung und im Sinne einer Geschlechtergerechtigkeit für bigott.

Mit feundlichen Grüßen
Reinhard Wartenhorst

5_ H.-M. Helmerding
14. März 2012, 21:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Wartenhorst,
ich kann der von Ihnen geäußerten Kritik nur auf Schärfste widersprechen.
Die von ihnen geäußerte Kritik missachtet zum einen die historischen Fakten, die bestimmt auch Anne Klein zu dieser Eingrenzung der möglichen Preisträger bewegt haben und wird zudem der Person von Anne Klein in keiner Weise gerecht. Man kann doch nicht einfach die historischen Fakten über die Unterdrückung der Frauen, die bis in die jüngste Vergangenheit reichten und teilweise immer noch nicht überwunden sind, bei dieser Frage außer Acht lassen. Rein unter rechtlichen Gesichtspunkten hat sich die Ungleichbehandlung sogar noch bis Mitte des letzen Jahrhunderts hingezogen haben. Wenn man berücksichtigt, dass die juristische Gleichstellung der Frauen nicht einmal 50 Jahre alt ist, also eine Zeitspanne ausmacht, die, wenn man die Gesamtdauer der Existenz der menschlichen Koexistenz berücksichtig, fast zu vernachlässigen ist.
Der wesentliche juristische Schritt zur Durchsetzung der Gleichberechtigung von Mann und Frau vollzog sich, wie wohl viele nicht wissen oder bewusst verdrängen, erst am 3. Mai 1957 mit der Neuordnung der Gesetze, die im Widerspruch zum Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau standen. Erst an diesem Tag beschloss der Deutsche Bundestag das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts, wobei die Unionsparteien mit ihren Gegenstimmen gegen die Mehrheit nur äußerst knapp unterlagen. Erst seit 1977 darf die Frau ohne Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein und es gilt das Partnerschaftsprinzip, nach dem es keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung in der Ehe mehr gibt.
Wer dies, wie auch Sie dies leider tun, außer Acht lässt, negiert die historischen Fakten und schädigt das Andenken an eine herausragende Persönlichkeit wie Anne Klein sie war, die vielen ein Vorbild seien sollte. In unserer durch Unmoral und Gier geprägten Zeit, in der sogar Politiker - wie als bestes Beispiel unser ehemaliger Bundespräsident - sich trotz offensichtlicher Geldgier schamlos an unserem Volksvermögen bereichern und sogar eine „Ehrensold“ erhält, vermisse ich Anne. Wenn ich zudem daran denken, wie z. B. Thilo Sarazzin, der mit seinen rassistischen Äußerungen Millionen verdient hat, aber von diesem „schmutzigen“ Geld keinen Cent zumindest an die spendet, auf deren Rücken er diese Gelder eingenommen hat – die unterdrückten „Kopftuch-MÄDCHEN“ des türkischen Obsthändlers-, dann befremdet es mich doch sehr, dass Sie es sogar kritisieren, dass die Böll Stiftung diese Schenkung überhaupt angenommen hat. Ich kann mich nur schämen, ein Deutscher in dieser Republik zu sein, in der Amoral und Gewinnstreben geachtet und belohnt wird und vermisse solche aufrechten Personen, wie Anne Klein, die man leider nur noch sehr selten findet.
Ich hoffe, Sie denken noch einmal kritisch über Ihre Äußerungen nach und verbleibe
mit freundlichen Grüssen
H.-M. Helmerding

6_ Dr. Claudia Mayr
15. September 2012, 12:02 Uhr

Wenn bei allen Preisen, Veranstaltungen und Foren Frauen und Männer entsprechend ihres Bevölkerungsanteils vertreten sind, wird der Anne-Klein-Frauenpreis sicher auch für Männer geöffnet werden…
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