Heinrich Böll: Leben und Werk
Kapitel 2: Im Zweiten Weltkrieg
Heinrich Böll schrieb in der Kriegszeit nahezu täglich Briefe; zunächst an seine Eltern und Geschwister, später dann an seine Freundin und spätere Frau Annemarie Böll. 2001 wurden im Verlag Kiepenheuer und Witsch 878 seiner Briefe veröffentlicht. Die Briefe dienten dazu, neben der Mitteilung von Informationen und Alltäglichem, Verbindung zu halten und so etwas wie Familienleben und Gemeinsamkeit unter den Bedingungen des Krieges zu wahren.
Brief an die Eltern, 1940
Bromberg, den 14. 7. 40Liebe Eltern und Geschwister!
[...] Mein Überdruß am Kasernenleben hat nun seinen Höhepunkt erreicht; bei der nächsten Gelegenheit melde ich mich freiwillig weg, gleich wohin; ich bin bestimmt alles andere als ein Held oder ein Draufgänger, aber dauernd in der Urbrutstätte des Unteroffiziersgeistes, in der Kaserne, ist es nicht zu ertragen; ich halte es einfach nicht länger aus. Für das Mehr an Freiheit und Großzügigkeit, das draußen bestimmt herrscht, will ich gern das Leben riskieren. [...]
Gestern, vorgestern, morgen, übermorgen, bis in alle Ewigkeiten machen wir stundenlang rechtsum, linksum usw. Da werdet Ihr wohl Verständnis haben für meine Wünsche[...]
aus:
„Briefe aus dem Krieg 1939 – 1941“ von Heinrich Böll
Hrsg. von Jochen Schubert
© 2001 by Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln

