Heinrich Böll: Leben und Werke

Kapitel 3: Die Nachkriegszeit

Im Jahr 1949 erscheint die Erzählung Der Zug war pünktlich. Da die Honorare der Veröffentlichungen nicht zum Leben reichen, bewirbt sich Böll auf verschiedene Stellen: »Meiner Familie gegenüber kann ich jedenfalls eine andere Lebensweise nicht länger verantworten«, heißt es in einem Brief an seinen Lektor, »und obwohl ich manchmal glaube, eine Aufgabe zu haben, so ist mir die Literatur doch im Grunde genommen keine unglückliche Stunde meiner Frau oder meiner Kinder wert.«

Interview mit Al Wolff, 1974

Ja, ich hänge an diesem Buch immer noch, das ist meine erste Publikation auch gewesen. Ich weiß heute gar nicht mehr, was der Einstieg in dieses Buch war. Aber eines weiß ich, transportiert zu werden, ja, dahin, dorthin, wieder mal nach Hause zurück, Urlaub, wieder zurück, immer in Zügen sitzen, in Güterzügen oder normalen Zügen, in Wartesälen hocken, tagelang, stundenlang, nächtelang. Fliegeralarm. Wieder im Zug, wieder aus dem Zug, also transportiert werden, unfreiwillig, war auch ein spezielles Soldatenerlebnis. Ich glaube, das ist auch in allen Armeen der Welt ziemlich gleich, warten, wieder in einen Zug steigen, aussteigen, umsteigen, nicht wissen wohin, wie das meistens so ist, ich glaube, daß dieses, sagen wir Transportiert-werden-Erlebnis der Einstieg zu diesem Buch war. Wissen Sie, man fuhr durch fremde Länder, durch Polen, Sowjetunion, Tschechoslowakei, sah fast nichts, konnte nur ungefähr auf einer Karte - es war verboten, Landkarten zu besitzen als Soldat, das wissen Sie, weil man sich gar nicht so orientieren sollte, ich hatte natürlich eine - man konnte ungefähr ahnen, also jetzt sind wir irgendwo bei Budapest, oder in Südrumänien. Das, dieses Erlebnis, fast ein abstraktes Erlebnis, ja, geschleppt, transportiert werden, das war wohl der Einstieg zu diesem Buch, das ja hauptsächlich aus einer Zugfahrt besteht.
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