BEITRÄGE DER INTERNATIONALEN ENTWICKLUNGSPOLITIK ZUR TRANSFORMATION GLOBALER UNGLEICHHEIT
Nachhaltige Entwicklung - nachholende Gesellschaft?
Eröffnung des Symposiums zu Ehren von Claudia v. Braunmühl durch Ralf Fücks
Liebe Claudia!
Liebe Freundinnen und Freunde der Jubilarin und der hbs,
ich freue mich sehr, Sie im Namen der hbs zu dieser Synthese von Geburtstagsfeier und Symposium zu Ehren von Claudia von Braunmühl begrüßen zu können, und ich möchte gleich vorweg allen danken, die an der Vorbereitung dieses Ereignisses beteiligt waren – namentlich Birte Rodenberg, die der gute Geist hinter diesem Projekt war.
Dass diese Zusammenkunft zum Denken und Feiern hier stattfindet, hat seine guten Gründe: Claudia von Braunmühl ist der hbs vielfältig verbunden – als Gründungsmitglied der Grünen Akademie, als Gutachterin und als politische Intellektuelle, die unsere Stiftung als Denk-Raum nutzt (und ich glaube, auch schätzt).
Die Wertschätzung beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Es gibt etliche MitarbeiterInnen der Stiftung, die über die Jahre mit ihr zusammengearbeitet haben
und für die sie eine wichtige Beraterin geblieben ist. Das hat mit einer besonderen Qualität zu tun, die sie kennzeichnet: eine sehr spezifische Mischung aus fachlicher Kompetenz, Intellektualität, Wertorientierung und persönlicher Integrität.
Diese Verbindung zieht sich auch durch ihre Biografie: ein Webmuster aus wissenschaftlicher Arbeit, entwicklungspolitischer Expertise, ehrenamtlichem
Engagement (in der Vereinigung Deutscher WissenschaftlerInnen und in Stiftungen, in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, im Aufsichtsrat der Weiberwirtschaft und der taz) – eine Vita, die Theorie und Praxis, Aktivismus und Reflexion verknüpft.
Mir imponiert ihr Insistieren auf einer normativen Grundhaltung, auf Wert- Entscheidungen als Gerüst für politisches Handeln, die belastbarer sind als abstrakte Großtheorien – und ihre Skepsis gegenüber einem „allzu großen Kehret-um-Gestus“, gegenüber der Rhetorik der radikalen Umkehr der Verhältnisse, die ihr „ein wenig zu hoch angesetzt“ scheint (ich zitiere aus einem Vortrag, den sie noch im letzten
Jahrhundert vor Studierenden zu den „Umsetzungsmöglichkeiten von sustainable development“ gehalten hat).
In diesem Text bin ich auch zum ersten Mal seit langem wieder auf den Begriff der „politischen Berufspraxis“ gestoßen, der einmal hoch im Kurs stand und inzwischen etwas aus der Mode gekommen ist, und dachte, wie gut er auf die beruflich-politische Laufbahn der Autorin passt.
Ein Zentralwert, der sich durch Claudias Denken und Handeln zieht, ist und bleibt die „soziale Gerechtigkeit in Raum und Zeit“ – räumlich bezogen auf mehr Gerechtigkeit in den Nord-Süd-Beziehungen, zeitlich bezogen auf die Möglichkeit für kommende Generationen, ihr Leben nach ihren Bedürfnissen gestalten zu können, statt von den ökologischen und sozialen Hypotheken unserer Lebensweise erdrückt zu werden.
Nicht zu vergessen die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern – sie hat sich mit Geschlechterdemokratie im Kontext von Entwicklungspolitik auseinandergesetzt, lange bevor dieser Begriff Karriere machte.
Gegenüber der Verkürzung von Politik auf die Anpassung an die Sachzwänge der Weltwirtschaft beharrt sie auf der Freiheit und der Notwendigkeit, normative
Entscheidungen zu treffen, in welcher Welt wir leben und wie wir unsere gesellschaftlichen Beziehungen gestalten wollen.
Liebe Claudia, ich hoffe, ich trete Dir nicht zu nahe, wenn ich sage, dass mir die Kombination aus Bürgerlichkeit und Kritik der bürgerlichen Gesellschaft, die ich mit Dir verbinde, gut gefällt: die Parteinahme für diejenigen, die keine Stimme im Konzert der Reichen und Mächtigen haben und täglich für ihre Menschenwürde kämpfen müssen; die hartnäckige Bereitschaft, den Selbstlauf der Dinge in Frage zu stellen und für grundlegende Veränderungen einzutreten – und zugleich das Bürgerliche in Gestalt Deiner Weltläufigkeit und Bildung, der kommunikativen Verbindlichkeit, der Abneigung
gegenüber eschatologischen Heilslehren und dem Vertrauen auf die diskursive Vernunft.
Ich hoffe also, dass Du uns noch lange erhalten und verbunden bleibst. Für heute wünsche ich einen interessanten Nachmittag und einen schönen Abend. Vielen Dank!
Ralf Fücks war von 1991-95 für Bündnis 90/Die Grünen Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz in Bremen. Seit 1996 ist er Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung.
Liebe Freundinnen und Freunde der Jubilarin und der hbs,
ich freue mich sehr, Sie im Namen der hbs zu dieser Synthese von Geburtstagsfeier und Symposium zu Ehren von Claudia von Braunmühl begrüßen zu können, und ich möchte gleich vorweg allen danken, die an der Vorbereitung dieses Ereignisses beteiligt waren – namentlich Birte Rodenberg, die der gute Geist hinter diesem Projekt war.
Dass diese Zusammenkunft zum Denken und Feiern hier stattfindet, hat seine guten Gründe: Claudia von Braunmühl ist der hbs vielfältig verbunden – als Gründungsmitglied der Grünen Akademie, als Gutachterin und als politische Intellektuelle, die unsere Stiftung als Denk-Raum nutzt (und ich glaube, auch schätzt).
Die Wertschätzung beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Es gibt etliche MitarbeiterInnen der Stiftung, die über die Jahre mit ihr zusammengearbeitet haben
und für die sie eine wichtige Beraterin geblieben ist. Das hat mit einer besonderen Qualität zu tun, die sie kennzeichnet: eine sehr spezifische Mischung aus fachlicher Kompetenz, Intellektualität, Wertorientierung und persönlicher Integrität.
Diese Verbindung zieht sich auch durch ihre Biografie: ein Webmuster aus wissenschaftlicher Arbeit, entwicklungspolitischer Expertise, ehrenamtlichem
Engagement (in der Vereinigung Deutscher WissenschaftlerInnen und in Stiftungen, in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, im Aufsichtsrat der Weiberwirtschaft und der taz) – eine Vita, die Theorie und Praxis, Aktivismus und Reflexion verknüpft.
Mir imponiert ihr Insistieren auf einer normativen Grundhaltung, auf Wert- Entscheidungen als Gerüst für politisches Handeln, die belastbarer sind als abstrakte Großtheorien – und ihre Skepsis gegenüber einem „allzu großen Kehret-um-Gestus“, gegenüber der Rhetorik der radikalen Umkehr der Verhältnisse, die ihr „ein wenig zu hoch angesetzt“ scheint (ich zitiere aus einem Vortrag, den sie noch im letzten
Jahrhundert vor Studierenden zu den „Umsetzungsmöglichkeiten von sustainable development“ gehalten hat).
In diesem Text bin ich auch zum ersten Mal seit langem wieder auf den Begriff der „politischen Berufspraxis“ gestoßen, der einmal hoch im Kurs stand und inzwischen etwas aus der Mode gekommen ist, und dachte, wie gut er auf die beruflich-politische Laufbahn der Autorin passt.
Ein Zentralwert, der sich durch Claudias Denken und Handeln zieht, ist und bleibt die „soziale Gerechtigkeit in Raum und Zeit“ – räumlich bezogen auf mehr Gerechtigkeit in den Nord-Süd-Beziehungen, zeitlich bezogen auf die Möglichkeit für kommende Generationen, ihr Leben nach ihren Bedürfnissen gestalten zu können, statt von den ökologischen und sozialen Hypotheken unserer Lebensweise erdrückt zu werden.
Nicht zu vergessen die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern – sie hat sich mit Geschlechterdemokratie im Kontext von Entwicklungspolitik auseinandergesetzt, lange bevor dieser Begriff Karriere machte.
Gegenüber der Verkürzung von Politik auf die Anpassung an die Sachzwänge der Weltwirtschaft beharrt sie auf der Freiheit und der Notwendigkeit, normative
Entscheidungen zu treffen, in welcher Welt wir leben und wie wir unsere gesellschaftlichen Beziehungen gestalten wollen.
Liebe Claudia, ich hoffe, ich trete Dir nicht zu nahe, wenn ich sage, dass mir die Kombination aus Bürgerlichkeit und Kritik der bürgerlichen Gesellschaft, die ich mit Dir verbinde, gut gefällt: die Parteinahme für diejenigen, die keine Stimme im Konzert der Reichen und Mächtigen haben und täglich für ihre Menschenwürde kämpfen müssen; die hartnäckige Bereitschaft, den Selbstlauf der Dinge in Frage zu stellen und für grundlegende Veränderungen einzutreten – und zugleich das Bürgerliche in Gestalt Deiner Weltläufigkeit und Bildung, der kommunikativen Verbindlichkeit, der Abneigung
gegenüber eschatologischen Heilslehren und dem Vertrauen auf die diskursive Vernunft.
Ich hoffe also, dass Du uns noch lange erhalten und verbunden bleibst. Für heute wünsche ich einen interessanten Nachmittag und einen schönen Abend. Vielen Dank!
Ralf Fücks war von 1991-95 für Bündnis 90/Die Grünen Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz in Bremen. Seit 1996 ist er Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung.

