In drei Tagen zur gelungenen Reportage

6. Juli 2011
Von David Zajonz
Bei der taz-Reporterin Astrid Geisler lernen Stipendiat/innen, was man für eine gute Reportage braucht: vor allem Zeit und Geduld

Von David Zajonz

Gute Reportagen lesen sich leicht und locker. Und je leichter sie sich schließlich lesen, umso schwieriger war es oft, sie zu schreiben. Ausgiebige Recherche, Reise zu den verschiedenen Schauplätzen und das Feilen an der richtigen Formulierung – all das sind Aspekte, die dem Leser und der Leserin selten bewusst sind. Eine Reportage erfordert vor allem eines: Zeit. Das wurde den Stipendiat/innen, die am Seminar "Reportagen schreiben" teilgenommen haben, rasch bewusst.

Geleitet wurde das Seminar von einer Journalistin, bei deren Arbeitgeberin die Reportage einen festen Platz hat: Astrid Geisler von der taz. So findet sich in der Artikelsammlung, die den Teilnehmer/innen vor Beginn des Seminars zugeschickt wird, auch eine Reportage von der Seminarleiterin selbst.

Aber nur theoretisch über das Schreiben einer Reportage zu philosophieren, hilft wenig. So waren wir alle aufgefordert, uns schon vor dem Seminar ein Reportagethema zu suchen. Und so rückten wir nach einem theoretischen Input am Freitagnachmittag selbst aus. Je nach Thema und Biorhythmus in der Nacht zum Samstag oder an dem Samstag selbst, egal, Astrid Geisler erwartete am Samstagabend einen fertigen Text. Entsprechend knapp war die verfügbare Zeit, entsprechend groß die Simulation des Zeitdrucks im Reporteralltag.

Wer den Samstag ohne Nervenzusammenbruch und Lebenskrise überstand, erhielt am Sonntag ein ausführliches Feedback zum eigenen Artikel. Die jahrelange Praxiserfahrung der Seminarleiterin macht sich hier natürlich bezahlt. Neben handwerklichen Fragen des richtigen Schreibstils und geeigneter Ansatzpunkte für die Recherche, kamen auch Aspekte der journalistischen Ethik zur Sprache: Muss man sich bei der Recherche als Journalist zu erkennen geben? Darf man die Wahrheit ausschmücken?

Wie relevant das Erlernte für die angehenden Journalisten sein kann, wurde bereits wenige Tage nach Ende des Seminars eindrucksvoll bewiesen. Aufgrund einer erschwindelten Passage in einer Reportage wurde einem Journalisten des Nachrichtenmagazins Der Spiegel der Theodor-Wolff-Preis aberkannt. Hätte er bloß das Seminar von Astrid Geisler besucht.

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