Für die Zukunft sensibilisiert

Foto von Olga Kapustina
Olga Kapustina: Praktikum bei Radio Paradiso.

24. März 2010
Von Olga Kapustina
Sollte ich mit dem Presseausweis kostenlos in den Zoo? Darf ich als Journalistin Geschenke annehmen? Wie gehe ich mit traumatisierten Interviewpartner/innen vor? Darf man sich über Allah lustig machen? Und über den Papst?

Viele spannende Fragen standen zur Debatte beim Seminar „Journalistische Ethik“, das am 26. bis 28. Februar 2010 in der Heinrich-Böll-Stiftung stattfand. Es entflammten heiße Diskussionen.

Die Hörfunkjournalistin und Workshop-Leiterin Gesine Dornblüth sorgte für Öl im Feuer: „Stellt euch vor, Ihr seid vor Ort bei der Geiselnahme in Gladbeck. Einige Journalisten steigen in den Bus der Täter ein. Steigt Ihr mit ein?“ Die Argumente fallen: Chance auf eine exklusive Geschichte, Verpflichtung vor dem Arbeitgeber, Zum-Mittäter-Werden, moralische Bedenken.

Gladbeck, Sebnitz, Winnenden – die Geografie der ethischen Sündenfälle der deutschen Journalisten reicht bis in die weitesten Ecken des Landes. Der Grund dafür sind oft mangelhafte Recherche und die Sensationsgier der Journalist_innen. Das zeigt die Analyse der Beschwerden, die beim Deutschen Presserat eingereicht wurden. Wir erfahren, dass eine schlampig gewählte Schlagzeile das Image einer Qualitätszeitung ausknocken kann und, dass Aperol nicht gleich Bionade ist.

„Die Zensur findet nicht statt“ – so steht es im Grundgesetz. „Die Vorzensur nicht, nachgehend kann aber ein Text verboten werden“, sagt Joachim von Gottberg, Geschäftsführer des Vereins „Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen“. Die Institution kümmert sich um den Jugendschutz im Fernsehen. Ihre Prüfer/innen entscheiden vor einer Ausstrahlung, zu welcher Zeit bestimmte Sendungen unter Jugendschutzgesichtspunkten gesendet werden dürfen. Sie nehmen DSDS (Deutschland sucht den Superstar), Popetown und Videoclips der Band „Die Ärzte“ ständig unter die Lupe. Keine einfache Aufgabe.

Umgang mit Traumatisierten war ein großes Thema des Seminars. Gesine Dornblüth, die regelmäßig als Journalistin in den Krisengebieten unterwegs ist, erzählte aus eigener Erfahrung, worauf Journalist/innen achten sollten: Blickkontakt mit den Gesprächspartner/innen, auf Augenhöhe mit ihnen sprechen und sie auf keinen Fall auf ihre „Opfer“-Rolle reduzieren. Und vor allem: Interesse am Menschen zeigen.

Ein ganz konkreter Tipp: Anstatt nach den Details des Geschehens fragen, lieber etwas über die Träume der Betroffenen erfahren wollen.

Das liebe Geld ebenfalls Zündstoff für eine heiße Debatte. Während die Vermischung von Journalismus und PR von den Stipendiat/innen eindeutig als unzulässig beurteilt wurde, waren sich die Teilnehmer/innen nicht einig, ob man von den Journalistenrabatten profitieren sollte.

Das Dilemma „Sollte ich mit dem Presseausweis kostenlos in den Zoo?“, konnten wir nicht eindeutig lösen. Jetzt wissen wir allerdings, wo wir Antworten auf diese und viele andere ethische Fragen finden – im Pressekodex. Den nahmen wir im Gepäck aus Berlin mit nach Hause. Eine Antwort finden wir auch hier: in unserem Gewissen.

Medienvielfalt, anders: Junge Migrantinnen und Migranten in den Journalismus

Mit ihrer gemeinsamen journalistischen Nachwuchsförderung ermöglichen die Heinrich-Böll-Stiftung, die tageszeitung «taz», radioeins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg – rbb, die Agentur «Zum goldenen Hirschen» und die Deutsche Welle interessierten jungen Migrantinnen und Migranten einen Einstieg in den Journalismus. mehr »

» Stipendiat/innen berichten über Veranstaltungen im Begleitprogramm

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