Abstract

Studien zur Entwicklung des Opernschaffens von Richard Strauss. Von „Elektra“ zu „Ariadne auf Naxos“. Konzeption – Form – Harmonik

Michael Lehner, Universität Zürich

30. Oktober 2012
Diese Arbeit dient dazu, eine eklatante Lücke der Forschung um einen der bekanntesten
Komponisten der „klassischen Moderne“ zu schließen: Richard Strauss. Denn trotz seiner
dominierenden Stellung im internationalen Repertoire existiert keine adäquate Studie zur
Entwicklung seines Opernschaffens. Zwar wurde die lange Jahrzehnte in der Wissenschaft gültige
Bruchtheorie, die sein Oeuvre in eine progressive erste, und ab Rosenkavalier in eine
rückwärtsgewandte zweite Hälfte teilt, in jüngerer Zeit in Ansätzen relativiert, jedoch keine
profunde alternative Deutung dieser Entwicklungsgeschichte mithilfe analytischer Befunde der
Kompositionen und schriftlichen Quellen vorgelegt. Hierfür soll der neuralgische Punkt des
Beginns der Zusammenarbeit Strauss-Hofmannsthal als Ausgangspunkt genommen werden, um die
drei ersten gemeinsamen Werke Elektra – Rosenkavalier – Ariadne zu untersuchen und zu
kontextuieren, um diesen Dreischritt eben gerade nicht als Bruch, sondern als konsistente
Entwicklung des theatermusikalischen Schaffens von Richard Strauss aufzuzeigen. Dabei werde ich
mich auf drei Ansätze konzentrieren. Erstens: „Strauss und Hofmannsthal im Labor des
Musiktheaters“; mithilfe von Ergebnissen der Hofmannsthalforschung zur Libretto-Ästhetik wird
das gleichberechtigte Ringen beider Künstler um eine Neufassung ästhetischer Konzeptionen von
Musiktheater dargestellt werden. Im zweiten Teil soll mit analytischen Befunden die formale
Dispositionierung, harmonische Anlage und die musikästhetischen Konzeptionen der drei
Kompositionen in der virtuosen Vielfalt ihrer Gestaltung ausgeleuchtet werden. Schließlich wird es
um „Strauss als Architekt einer alternativen Moderne“ gehen. Aufgrund der zuvor gewonnenen
Ergebnisse gilt es, die Kompositionen als „Möglichkeitsformen“ zu interpretieren und Strauss' Feier
des Untergangs als einen ironisch gebrochenen, „gemachten“ nachzuvollziehen. Die drei Opern
können so als ein Beitrag zu einer „alternativen Moderne“ gedeutet werden, die nicht auf Fortschritt
des Materials, sondern auf multiperspektivische Auffächerung des Möglichen zielt. 
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