Erinnerungskulturen und Konfliktdynamiken. Zur Bedeutung von Geschichtsbildern für die Entwicklung von Gewaltkonflikten am Beispiel Nordossetien-Inguschetien

Dana Jirous, Universität Leipzig

26. August 2009

In der geplanten Dissertation wird der nordossetisch-inguschetische Konflikt aus der Perspektive der Erinnerungsforschung untersucht. Die öffentliche Legitimation des Konflikts durch die politischen Eliten der beiden Republiken erfolgt insbesondere mithilfe von historischen Argumenten: Es wird vor allem auf ein vermeintliches historisches Anrecht auf das umstrittene Territorium (den Distrikt Prigorodnyj Rajon) Bezug genommen. Es soll daher untersucht werden, wie sich die Geschichtsdarstellung in Nordossetien und Inguschetien im Laufe der Zeit verändert haben und wie diese Veränderungen die Beziehungen zwischen den beiden Republiken beeinflusst haben.

Forschungsarbeiten zur Erinnerungskultur im postsowjetischen Raum haben gezeigt, dass es eine Spaltung zwischen dem „öffentlichen“ und dem „privaten“ Erinnern gibt . Die in der Sowjetunion zu beobachtende Spaltung zwischen „kollektivem“ und „kommunikativem Gedächtnis“ verhinderte die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und den zugehörigen Emotionen. Damit können historische Argumentationen als eine zentrale Mobilisierungsressource der Bevölkerung für den Konflikt genutzt werden. Auch wird in vielen Forschungsarbeiten, die ethno-politische Konflikte - insbesondere in der Kaukasusregion – analysieren, immer wieder auf die Instrumentalisierung nationaler Geschichtsbilder hingewiesen.   Eine ausführliche Untersuchung der Konflikte aus der Perspektive der Erinnerungsforschung bleibt bisher aus. In der geplanten Dissertation wird daher anhand des nordossetisch-inguschetischen Konflikts untersuchen, wie die Art des Erinnerns im Verlauf des Konflikts wirkt.

Die empirische Grundlage der Arbeit bilden Inhaltsanalysen von PolitikerInnenreden und Zeitungsartikeln. Sie sollen Aufschluss über die offizielle Darstellung und Begründungen des Konflikts in der Öffentlichkeit bieten und aufzeigen, welchen Stellenwert historische Argumentationsweisen darin einnehmen.

Mithilfe narrativer Interviews wird außerdem danach gefragt, ob die Wahrnehmungen in der Bevölkerung mit der öffentlichen Darstellung übereinstimmen. Wie sehen und begründen Menschen aus der Region den nordossetisch-inguschetischen Konflikt?

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