ABSTRACT
Metamorphose und Persistenz beruflicher Habitusformen ostdeutscher Erzieherinnen. Eine qualitative Studie zur Rekonstruktion ihrer Berufspersönlichkeit
Annett Maiwald, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
In der Kindergartenpraxis Ostdeutschlands stoßen wir auf persistente Führungs- und Kontrollmuster, die die Verhaltensweisen der Erzieherinnen überwiegend zu bestimmen scheinen und mit einem zumeist defizitorientierten Kindbild und unterschiedlich rigiden Ordnungsvorstellungen einhergehen. Es wird angenommen, dass es sich bei diesen Verhaltensmustern um den Ausdruck einer in Ausbildung und Berufspraxis während der DDR-Zeit erworbenen pädagogischen Grundhaltung handelt, die theoretisch mit dem Begriff des Habitus gefasst wird. Die Arbeit fragt nach der Struktur und nach Genese und Tradierung von habituellen Mustern zu DDR-Zeiten und insbesondere nach den Formen ihres Wandels bzw. den Gründen für Persistenzen in Zeiten der Transformation. Besondere Relevanz erhält dies aus der hohen Bedeutung, die den elementaren Bildungsprozessen im Kindergarten in der aktuellen Diskussion zugemessen wird, wobei davon auszugehen ist, dass der Habitus der Erzieherinnen die Umgestaltung des Kindergartens zu einem qualifizierten Bildungsraum für kleine Kinder behindert.Ziele der empirisch-rekonstruktiven Untersuchung sind die Erfassung von Syndromstrukturen des Habitus - Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsschemata -, die entscheidend für die pädagogische Praxis der Erzieherinnen sind, sowie die Herausarbeitung von Prozesstypen des Habituserwerbs in Ausbildung und Berufspraxis in der DDR-Zeit. Daneben sollen die Art und Weise des Umgangs der Kindergärtnerinnen mit pädagogischem Wissen geklärt und den Habitustypen als Unterkategorie Wissenstypen zugeordnet werden.
Das Forschungsvorhaben lässt in der Transformation aufgrund der Beobachtungen im Feld eine Variationsbreite von Habitusmetamorphosen erwarten, die sich durch unterschiedliche Grade von Persistenz und Wandel auszeichnen. Es sollen dringend benötigte Erkenntnisse zur Aufklärung der habituellen Phänomene und ihrer Genese gewonnen werden, die letztlich eine Basis für Bildungsprozesse der Erzieherinnen im Sinne des „professional development“ bilden werden. Theoretisches Gerüst ist hierbei das Habitus- und Kapitalsortenkonzept von Bourdieu und seine aktuellen Weiterentwicklungen. Erkenntnisse der Transformationsforschung, die die Entwicklungen nach der Wende als unabgeschlossen und ergebnisoffen begreifen und bei denen neuartige Akteurs-Institutionen-Arrangements entstehen können, betonen eine mikrosoziologische Perspektive und die Orientierung an biographischen Prozessen. Dies wurde bereits in Untersuchungen zu Habitusveränderungen in den neuen sozialen Milieus oder bei ostdeutschen Lehrern umgesetzt und muss aufgrund der Validität der Ergebnisse strukturierend für die Dissertation sein.


