Abstract

Zwischen Konfliktprävention und Kulturdialog – Interventionsmöglichkeiten Auswärtiger Kulturpolitik in den ‚Krisenregionen’ Balkan und Nahost

Jens Adam, Humboldt-Universität zu Berlin

6. Oktober 2009
Die Auswärtige Kulturpolitik (AKP) Deutschlands ist etwa seit 1998 durch konzeptionelle und strukturelle Wandlungsprozesse geprägt. Diese spiegeln sich u.a. in der Aufnahme von „Konfliktprävention“ und „Wertedialog“ als Zielsetzungen der AKP im Grundlagenpapier  „Konzeption 2000“ des Auswärtigen Amtes wider. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 rückte die Diskussion über die Konzipierung einer AKP, die „Konfliktprävention“ und den „Dialog der Kulturen“ als ihre Kernziele betrachtet, noch stärker in den Vordergrund.
Mit dem Regierungswechsel im Jahre 2005 ist eine weitere Schwerpunktverlagerung erkennbar: Zwar wird die Zielsetzung „Konfliktprävention“ auch weiterhin verfolgt, allerdings werden die Potentiale der AKP zur Produktion und Verbreitung des Bildes von einem innovativen und weltoffenen Deutschland wieder stärker betont.

Das Dissertationsvorhaben fokussiert vor dem Hintergrund dieser Wandlungsprozesse drei Fragestellungen:
Welche Interventionsmöglichkeiten besitzt die  AKP in „Krisenregionen“?
Welches Verhältnis besteht zwischen dem politischen Diskurs zur AKP und ihrer Umsetzung in den lokalen Kontexten in Ramallah und Sarajevo?
Welche (unterschiedlichen) Vorstellungen von Kultur werden im Rahmen der AKP formuliert, angewandt und instrumentalisiert?

Das Dissertationsvorhaben setzt an den Überlegungen zu einer „Anthropology of Policy“ an, die Prozesse der Umsetzung – des „Machens“ – von Politik sowie die Wechselbeziehungen zwischen politischen Diskursen und Praktiken analysiert. Anknüpfungspunkte bieten auch kulturanthropologische Forschungen zu internationalen Förderprojekten in Transformations- und Entwicklungsländern und die in ihnen geleisteten Überlegungen zur Erforschung transnationaler Mobilitätsmuster von Personen, Ressourcen und Wissensbeständen im Rahmen internationaler ‚Politiken’. Das Forschungsvorhaben ist weiterhin eingebettet in den von George Marcus entwickelten Ansatz zu einer „multi-sited ethnography“.

Zur methodischen Umsetzung werden zwei dreimonatige Feldforschungen in Sarajevo und Ramallah durchgeführt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Handlungsfelder und Netzwerke der Akteure der AKP (Botschaft, Goethe-Institut, NGOs, politische Stiftungen, Künstler usw.). Die Erforschung des „sozialen Lebens von Projekten“ (Steve Sampson), die zur Realisierung der Zielsetzung „Konfliktprävention“ initiiert werden, bildet einen weiteren wichtigen empirischen Zugang.
Zur Umsetzung des Vorhabens kommen verschiedene Methoden der empirischen Sozial- und Kulturforschung – insbesondere teilnehmende Beobachtung, qualitative Interviews und Diskursanalyse – zur Anwendung.

Das Dissertationsvorhaben möchte einerseits die Bedeutungen und Bedingungen eines konstruktiven „Dialogs der Kulturen“ empirisch erkunden. Andererseits wird es Wissen zu kulturpolitischen Interventionsmöglichkeiten in „Konfliktregionen“ generieren.

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