Den Kampf um die Unabhängigkeit habe ich nicht selbst erlebt. Überhaupt bin ich mir des Landes, in dem ich lebte, erst dann bewusst geworden, als ich mir auch meiner eigenen Existenz bewusster wurde – in etwa nach dem Staatsstreich von 1986. Richtig aufgewacht bin ich dann erst, als ich nach Bamako kam.
Die Tatsache, dass ich schreibe, hat viel mit Unabhängigkeit zu tun. Ich schreibe, weil ich im Kopf frei bin. Das ist das Wichtigste, diese Freiheit ist in meinem Kopf gespeichert. Und wenn ich schreibe, schreibe ich wirklich frei. Die Tatsache, dass ich in einem unabhängigen Land lebe, in einer Nation mit einem Namen, mit einer Fahne, in einem Land, das in der Welt vertreten ist, das ist - wie soll ich es ausdrücken? – der Gipfel des Glücks.
Ich weiß nicht, wer ich geworden wäre, wenn ich während der Kolonialzeit gelebt hätte. Ich wäre sicher ein ganz anderer Mensch, ich wäre sicher auch ein anderer Autor geworden. Es gibt nichts Wichtigeres für mich als zu wissen, dass ich zu einem Land gehöre, das seinen Platz in der Welt hat und eine Geschichte, die bis in uralte Zeiten zurückreicht - auch wenn man ihm all das lange abgesprochen hat.
Ich habe eine Persönlichkeit, bin eine eigenständige, freie Person durch die Freiheit meines Landes.
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Ousmane Diarra wurde 1960 in Bassala, Mali, geboren. Er arbeitet als Bibliothekar im Kulturzentrum von Bamako, aber er sieht sich auch als Romanautor, Erzähler und Poet und hat eine ganze Reihe von Büchern für Kinder und Jugendliche in seiner Heimat veröffentlicht. Nach der Veröffentlichung einer Reihe von Erzählbänden hat er 2006 seinen ersten Roman Vieux lézard („Alte Eidechse“, Gallimard, Paris) vorgelegt, der viel Beachtung fand. Sein zweiter Roman Pagne de femme („Wickelrock“, Gallimard, Paris 2007) war auf der Auswahlliste für den bedeutenden Literaturpreis Prix Renaudot.


