Afghanistan - Ziviler Aufbau und militärische Friedenssicherung

Bauarbeiten in Gardez, Hauptstadt der Provinz Paktia. Foto: Gregor Enste
Bauarbeiten in Gardez, Hauptstadt der Provinz Paktia. Foto: Gregor Enste

Dossier

Afghanistan 2009 - Ziviler Aufbau und militärische Friedenssicherung

Liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

Die Heinrich-Böll-Stiftung ist seit Anfang 2002 in Afghanistan aktiv. Sie fördert die zivile und demokratische Entwicklung des Landes und unterstützt den Aufbau von Nichtregierungsorganisationen. Wir sind dieses Engagement vor allem den vielen Tausend Menschen schuldig, die sich vor Ort für Menschenrechte, Demokratie und eine friedliche Entwicklung einsetzen. Afghanistan ist auch ein Prüfstein dafür, ob der Prozess des „state building“ und des friedlichen Wiederaufbaus in einem durch Krieg und Bürgerkrieg zerrütteten Land gelingt. Das ist umso wichtiger, weil Afghanistan eine Schlüsselrolle für die gesamte Region spielt - fällt das Land wieder zurück in Krieg und Gewaltherrschaft, wird das die Destabilisierung und das Vordringen radikaler Kräfte auch in den Nachbarländern befördern.

Um Afghanistan nach Jahren der Versäumnisse vor allem im zivilen Aufbau zu stabilisieren, sind politisch, wirtschaftlich wie militärisch weit größere Anstrengungen als bisher nötig - von der Ausbildung des afghanischen Militärs und der Polizeikräfte über den Kampf gegen die Korruption bis zum Ausbau der Infrastruktur. Wir halten es für irreführend, die Gewährleistung von Sicherheit und die Abwehr bewaffneter Angriffe der Taliban durch die internationalen Truppen gegen verstärkte Anstrengungen beim zivilen Aufbau auszuspielen. Das eine kann ohne das andere nicht erfolgreich sein. Allerdings braucht es dringend einer besseren Koordination der militärischen wie zivilen Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Regierung.

Die bisherigen Fortschritte beim Aufbau demokratischer Institutionen verbesserten weder die materielle Qualität des Staatswesens noch die Lage der Bevölkerung substantiell. Seit Frühsommer 2006 führten innere Schwächen des politischen Systems vielmehr zu einem teilweise dramatischen Vertrauensverlust der Bevölkerung. Dazu kommt eine steigende Zahl ziviler Opfer aufgrund verfehlter militärischer Operationen vor allem der US-geführten „Operation Enduring Freedom“. Dies alles kann sich zu einer bedenklichen Legitimationskrise der staatlichen Institutionen und der gesamten internationalen Gebergemeinschaft auswachsen.

Vor diesem Hintergrund findet die aktuelle Debatte um die Zukunft des deutschen Afghanistan-Engagements statt. Dabei zeigt sich in großen Teilen der Bevölkerung - aber auch der Politik - ein Mangel an Informationen über die tatsächliche Lage, Herausforderungen und Bedürfnisse vor Ort. Dieses Web-Dossier soll diese Lücke schließen und ein breites Informationsangebot über die Aktivitäten der internationalen Gemeinschaft und die innere Entwicklung in Afghanistan bereit stellen.

Wir freuen uns über Ihr Interesse !

Ralf Fücks und Barbara Unmüßig
Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung


 

Hinweis: Dieses Dossier spiegelt den Stand von 2009 wider und wird nicht mehr aktualisiert.

Politische und gesellschaftliche Entwicklung Afghanistans und regionale Perspektiven

Ein Beobachtungsposten der US-Army in Afghanistan

Jour Fixe

Hiobsbotschaften vom Hindukusch

11. Oktober 2009 - Seit acht Jahren bemüht sich die internationale Gemeinschaft, in Afghanistan ein funktionierendes Staatswesen aufzubauen. Die Heinrich-Böll-Stiftung und die taz haben drei der besten Afghanistan-Kenner in Deutschland für eine kritische Bestandsaufnahme eingeladen. Von Stefan Schaaf mehr»

Zwischenruf zur aktuellen Afghanistan- Debatte

- 8. August 2008 - Auf ihrem Sonderparteitag entscheiden die Grünen über ihren künftigen Kurs in der Afghanistan-Politik. Ein Beitrag zur aktuellen Debatte von Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Von Ralf Fücks mehr»

Pakistan’s Role in Afghanistan

- 8. August 2008 - Um Pakistan stärker in die Stabilisierung Afghanistan einzubinden sind vertrauensbildene Maßnahmen nach dem Vorbild des Dialogs zwischen Indien und Pakistan notwendig, meint Gen (R) Talat Masood. Lieutenant General Talat Masood, Pakistan Army, Retired mehr»

Zur wirtschaftlichen Entwicklung in Afghanistan

- 8. August 2008 - Mit deutscher Hilfe wurde vieles erreicht, um der Privatwirtschaft ein Engagement in Afghanistan zu erleichtern. Um diese weiter zu stärken, müssten die vorhandenen Gesetze landesweit besser umgesetzt werden, fordert Wagma Mohmand Karokhail.
Von Wagma Mohmand Karokhail mehr»

The Struggle to Reform the Afghan National Police

- 8. August 2008 - Die bisherigen Ergebnisse der Polizeireform sind enttäuschend. Damit die afghanische Polizei nicht länger als Teil des Sicherheitsproblems im Land wahrgenommen wird, müssen die internationalen Akteure an einem Strang ziehen, statt sich in unterschiedlichen und widersprüchlichen Reformstrategien zu verstricken, fordert Andrew Wilder. von Andrew Wilder mehr»

Die Taleban nach Mulla Dadullah

- 8. August 2008 - Es gibt keine handlungsfähigen moderaten Taleban, argumentiert Thomas Ruttig. Man muss stattdessen versuchen, nicht-ideologische Träger des Widerstands in den Wiederaufbauprozess zu integrieren. Von Thomas Ruttig, SWP, Juli 2007 mehr»

„Zwei Ziele mit einem Steinwurf treffen“

- 15. Mai 2007 - Knapp ein Jahr nach seiner Ernennung zum Außenminister musste sich Dr. Rangin Dadfar Spanta am Samstag, den 12. Mai 2007 einem Misstrauensantrag des afghanischen Parlaments stellen, der zu seiner vorläufigen Entlassung aus dem Ministeramt führte. Dies wurde später rückgängig gemacht - aber der Machtkampf hält an. Von Marion R. Müller mehr»

Die G8 und Pakistan/Afghanistan

- 8. August 2008 - Pakistan: Ein Staat in der Dauerkrise und sein Verhältnis zu Afghanistan Von Gregor Enste, hbs-Regionalbüro Lahore, 4. Juni 2007 mehr»

Der Beitrag Deutschlands und der internationalen Gemeinschaft zur Friedenssicherung

Flüchten oder Standhalten

8. August 2008 - Wer den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zum strategischen Ziel befördert, muss auch die Konsequenzen dieses Schrittes benennen Von Timo Noetzel und Sibylle Scheipers mehr»

Stärkung der afghanischen Zivilgesellschaft

- 8. August 2008 - Die afghanische Zivilgesellschaft als Rückgrad des Wiederaufbaus ist bisher in der Strategie der internationalen Gemeinschaft zu kurz gekommen. Den zivilgesellschaftlichen Akteuren müssen mehr langfristige Mittel und vor allem auch Schutz zur Verfügung gestellt werden, um die Bevölkerung für sich zu gewinnen, fordert A. Sultan Karimi. Von A. Sultan Karimi, Leiter der Mediothek Afghanistan e.V., August 2007 mehr»

Deutschlands Verantwortung für Afghanistan

- 8. August 2008 - Schon einmal hat der Westen Afghanistan im Stich gelassen – eine Folge war der Angriff auf das World Trade Center am 11. September 2001. Wir sind es unseren Verbündeten und uns selbst schuldig sind, dieses Mal die Nerven zu behalten, meint Almut Wieland-Karimi. Von Almut Wieland-Karimi, August 2006 mehr»

The EU in Afghanistan – Growing Engagement in Turbulent Times

- 8. August 2008 - Das Engagement der EU in Afghanistan ist bisher zu wenig koordiniert und zu wenig sichtbar. Dies betrifft insbesondere die Zusammenarbeit mit der Nato bei der Polizeireform. Damit diese ein Erfolg wird, muss weitaus mehr Personal zur Verfügung gestellt werden, meint Eva Gross. Von Eva Gross, Vrije Universiteit Brussel mehr»

Canada in Afghanistan: Strategic Perspectives

- 8. August 2008 - Das Mandat der kanadischen Armee in der Provinz Kandahar läuft im Februar 2009 aus. Der verlustreiche Einsatz hat im kanadischen Parlament nicht mehr viele Unterstützer. Die Zukunft des kanadischen Einsatzes ist daher zurzeit offen; man wird sich vermutlich stärker auf die Unterstützung der afghanischen Nationalarmee als auf eine Fortsetzung des Kampfeinsatzes konzentrieren, glaubt Oberst Mike Capstick. Von Colonel M.D. Capstick, OMM, MSM, CD, Canadian Forces, Retired mehr»

ISAF ausbauen - OEF beenden

- 8. August 2008 - Um den Erfolg der Bundeswehr in Afghanistan sowie die politische Unterstützung hierfür zu sichern, müssen die bisherigen drei Mandate in einem einzigen, kohärenten Mandat für die ISAF zusammengeführt werden. Das deutsche Mandat für die Operation Enduring Freedom (OEF) sollte hingegen nicht verlängert werden, argumentiert Marcus Kaim. Von Markus Kaim, SWP, Juli 2007 mehr»

Provincial Reconstruction Teams in Afghanistan

- 8. August 2008 - Die PRTs sind trotz einiger Probleme ein taugliches Instrument zum Krisenmanagement in Afghanistan. Das Konzept sollte deshalb ausgeweitet werden mit einem besonderen Schwerpunkt darauf, Verantwortung an afghanische Akteure abzugeben, meint Markus Gauster. Von Markus Gauster, IFK, Oktober 2006 mehr»

The importance of staying the course in Afghanistan

- August 8, 2008 - Die Nato muss den Afghanen zeigen, dass sie bereit ist, die notwendigen Ressourcen für die Stabilisierung des Landes zur Verfügung zu stellen. In den kommenden Monaten müssen die Nato-Mitgliedsstaaten darüber hinaus die Rolle der ISAF in der Reform des Sicherheitssektors definieren und sich darüber einigen, in welchem Verhältnis Sicherheit und Wiederaufbau stehen, fordert Julianne Smith. by Julianne Smith, Center for Strategic and International Studies, July 2007 more»

The Netherlands’ approach to its PRT operations in Afghanistan

- 8. August 2008 - Netherlands Ministry of Defense
Eine einzige militärische Auseinandersetzung mit vielen zivilen Opfern gefährdet die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung. Das niederländische PRT in Uruzgan bemüht sich daher, die Werte der Menschen zu respektieren und wo immer möglich die lokalen Autoritäten auf Führungsebene in Wiederaufbauprojekte zu integrieren. mehr»

Das Afghanistan-Konzept der Bundesregierung

- 8. August 2008 - September 2006
Ein erneuter Zusammenbruch staatlicher Strukturen und ein erneutes Vordringen der Taliban in Afghanistan hätte verheerende Auswirkungen auf die regionale Stabilität. Dies gilt insbesondere für die Entwicklung in Pakistan, dessen Stabilisierung ebenfalls im nachhaltigen westlichen Interesse liegt. Wir können Afghanistan deshalb nicht allein lassen. Unser Interesse an regionaler Stabilität und unsere unmittelbaren Sicherheitsinteressen in der Auseinandersetzung mit dem internationalen Terrorismus verbieten das – so das Afghanistan-Konzept der Bundesregierung. mehr»

Provincial Reconstruction Teams in Afghanistan

- 7. August 2008 - Das deutsche PRT in Kunduz muss einen Ausweg aus dem grundlegenden Dilemma finden, dass das Vorgehen auf lokaler Ebene einerseits im „Wegschauen“ und damit in indirekter Toleranz des Drogenanbaus besteht, andererseits jedoch die Zentralregierung gestärkt werden soll, die sich mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft ausdrücklich verpflichtet hat, den Kampf gegen den Mohnanbau zu verschärfen, so  Julia Hett. Von Julia Hett, ZIF, April 2005 mehr»

Grüne Positionen zu Afghanistan

„Voices from Afghanistan“

Voices from the Neighbourhood, Part 1

- August 7, 2008 - This special section of “Voices from Afghanistan” wants to give those people a say whose voices usually go unheard in the debates about the reconstruction and democratisation process in Afghanistan. Interviews by Jawed Ahmad Neshat, June 7th, 2007, Kabul more»

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