Nachruf

Wir trauern um Roshan Dhunjibhoy

Foto von Roshan Dhunjibhoy während einer Konferenz
Roshan Dhunjibhoy während einer Konferenz im Auslandsbüro Lahore, Pakistan. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung.

26. April 2011
Barbara Unmüßig, Birgit Laubach, Ralf Fücks

Barbara Unmüßig, Birgit Laubach, Ralf Fücks

Unerwartet für uns alle ist Roshan Dhunjibhoy am 24. April 2011 in Chiang Mai (Thailand) verstorben. Wir trauern um eine großartige Persönlichkeit, Journalistin und ehemalige Kollegin. Erst am 30. März diesen Jahres hatte Roshan vital, lebenslustig und geistig hellwach ihren 80. Geburtstag gefeiert.

Roshan hat ihr berufliches Leben über viele Jahre hinweg einem engagierten Journalismus gewidmet. Ihre berufliche Karriere als Dokumentarfilmerin und Journalistin, u.a. für den Deutschlandfunk, den WDR und Radio Bremen, war einzigartig. Roshan Dhunjibhoy war seit den 60er Jahren das indische Gesicht im Deutschen Fernsehen. Sie war eine Pionierin und Vorbild für viele junge Frauen in der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Auftritte in Werner Höfers „Internationalem Frühschoppen“ sind legendär.

Sie war eine faszinierende politische Persönlichkeit. Wie keine andere Frau hat sie politische, kulturelle und religiöse Interessen und Sichtweisen der Dritten Welt in deutsche und internationale Debatten einzubringen vermocht. Sie war eine Kosmopolitin - geboren und aufgewachsen in Südasien, ausgebildet in den USA und Frankreich, lebte und arbeitete sie lange Jahre in Deutschland. Mehr als 50 Länder hat sie als Journalistin, Dokumentarfilmerin und Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung bereist.

Für die neugegründete Heinrich-Böll-Stiftung in Köln war es eine große Bereicherung und Ehre, dass sich Roshan entschloss, die Stiftung mit zu gründen und am Aufbau der Stiftung aktiv mitzuwirken, erst ehren-, dann hauptamtlich. Sie kehrte 1993 in ihre südasiatische Heimat zurück und baute mit aller Leidenschaft und Professionalität das erste Auslandsbüro der Stiftung in Lahore (Pakistan) auf. Von Lahore aus legte sie den Grundstein für die Südasien- und Südostasienarbeit der jungen Heinrich-Böll-Stiftung und leitete dieses Büro bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2001.

Ihr politisches Augenmerk galt der sozialen und internationalen Gerechtigkeit. Motiv ihres Denkens und Handelns war immer der Kampf gegen Unrecht und Willkür. Ganz besondere Aufmerksamkeit widmete sie dem Schutz und Erhalt kultureller und religiöser Vielfalt. Erst Ende März nahm sie sehr aktiv in Lahore an der Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung „Frauen, Religion und Politik“ teil. Sie genoss großes Ansehen und hohe Wertschätzung bei Muslimen, Buddhisten und Christen. Roshan – selbst Buddhistin – war eine einzigartige Vermittlerin zwischen den Kulturen und Religionen. Wir werden sie sehr gerade auch in dieser Rolle vermissen. Ihren Lebensabend verbrachte Roshan in Chiang Mai, im Norden Thailands, sie widmete sich ihrer letzten Lebensphase ganz dem Tierschutz und gründete eine neue Tierschutzorganisation.

Was immer sie tat - ihre Dokumentarfilme für den ARD „Weltspiegel“, ihre Tätigkeit als Journalistik-Lehrerin auf Jamaica, ihre Auftritte im „Internationalem Frühschoppen“, oder als Büroleiterin in der Heinrich-Böll-Stiftung: Sie tat es mit Leidenschaft, Toleranz, Liebe, Humor und Witz. Dafür wurde sie geliebt, geschätzt und geachtet.

Der Tod Roshan Dhunjibhoys ist ein großer Verlust für ihre Familie, der unser ganzes Mitgefühl gilt. Roshan wird uns und ihren vielen Freunden weltweit sehr fehlen.

Die Heinrich-Böll-Stiftung wird sie als poltische Gesprächspartnerin, als Vorbild, Ratgeberin und als Freundin vermissen.

Wir verneigen uns in großer Dankbarkeit und Liebe vor Roshan Dhunjibhoy.

Im Sinne von Roshan bitten wir um Spenden für Lanna Dog:
Deutsche Bank Bonn
Konto 06007 1800
BLZ 38070059

26. April 11
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Reaktionen (3)

1_ Anneliese Grau-Kummetz
27. April 2011, 15:28 Uhr

Mein tiefes Mitgefühl für Roshans Familie und ihre Freunde.
Traurig und sehr dankbar dafür, Roshan kennengelernt zu haben,
Anneliese Grau-Kummetz

2_ Gisela Hagemann
18. September 2011, 13:09 Uhr

Ich habe erst jetzt vom Tod Roshans erfahren und hätte sie so gerne noch einmal gesehen. Ich habe in Kingston Jamaica zeitweilig zusammen mit ihr in ihrem Haus gewohnt und erinnere mich mit Dankbarkeit an eine lebensfrohe, großzügige und faszinierende Frau. Mein herzliches Beileid gilt der Familie und ihren vielen Freunden weltweit. Wir haben einen außergewöhnlichen Menschen verloren.
Gisela Hagemann, Schrimpfstr. 9, Gauting, Deutschland

3_ Albrecht G. Schaefer
21. Dezember 2011, 22:34 Uhr

Mit aufrichtiger Trauer und in tiefem Mitgefühl für Frau Dhungibhoys Familie lese ich erst jetzt von ihrem Tod. Auch wenn ich sie, mein großes Vorbild für eigene Auslandsberichterstattung und interkulturelle Kommunikation, nie persönlich kennenlernen konnte, werde ich sie mit andauernder Bewunderung in bester Erinnerung behalten.

Albrecht G. Schaefer, Bingen Deutschland

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