Interview

„Die neue Welle des Widerstands geht von den Jüngeren aus“

György Konrad
Der Schriftsteller und Essayist György Konrád.
Foto: Danmay/Wikimedia Commons. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

10. Januar 2011
György Konrád

This interview is also available in English.

György Konrád, derzeit sehen wir erschrocken nach Ungarn. Wie konnte es zu dieser Entwicklung seit der friedlichen Revolution kommen?

Die vergangenen Jahre waren eine demokratische und manchmal konfuse Zeit, laut an Konflikten - man hat schöne und unschöne Wörter gewechselt und ging hart miteinander ins Gericht. Alle Seiten haben hässliche Kampagnen geführt, nicht nur die Partei Fidesz von Viktor Orbán, auch die Sozialistische Partei, die Gegenseite, war kein Engel.

Aber die politische Sprache war gemäßigt, es gab keine Gewaltausbrüche, niemand wollte die Spielregeln des Grundgesetzes ändern. Wir hatten eine demokratische Verfassung, vielleicht nicht die schönste, aber sie garantierte die Unabhängigkeit verschiedener Instanzen von der Regierung, darunter die Unabhängigkeit des Verfassungsgerichtshofs oder die Unabhängigkeit der Presse. Es gab keine Probleme, die man mit einer revolutionären Rhetorik hätte lösen müssen.

Dieses neue Mediengesetz ist ein später Treppenwitz von Herrn Orbán, als er schon längst gewonnen und etwas mehr als die Hälfte der Wähler ihm ihre Stimme gegeben hatten. Aber die Beteiligung bei den letzten Wahlen war eher gering. Nicht Zweidrittel der Wähler, sondern nur Zweidrittel aller Abgeordneten stehen entsprechend unseres Wahlgesetzes zur Verteilung der Sitze von Abgeordneten nach einer Wahl hinter Orbán.

Welche Wirkungen zeigt das neue Mediengesetz schon jetzt in Ungarn?

Dieses Gesetz ist schlau formuliert. Im Gesetzestext findet sich ein Paragraf, der besagt, dass die Strafmaßnahmen erst ab der zweiten Jahreshälfte greifen werden. Also erst ab Juli 2011, nach Ende der EU-Ratspräsidentschaft.

Wie reagieren die Menschen, insbesondere Medienschaffende und Intellektuelle, darauf?

Die Intellektuellen, Medienleute, Künstler und Schriftsteller sind unglücklich und einige auch verängstigt, weil die Regierung seit dem Wahlsieg neben dem Mediengesetz auch zahlreiche weitere Gesetze verabschiedet hat. Darunter ein Gesetz, wonach alle Staatsbediensteten ohne weitere Begründung mit einer Kündigungsfrist von nur zwei Monaten entlassen werden können. Das bedeutet, dass Menschen von einem auf den anderen Tag einen Brief bekommen und ihre persönlichen Sachen packen und gehen müssen. Viele Menschen im Staatsdienst, deren Familien von nur einem Gehalt abhängig sind, denken jetzt sorgfältig darüber nach, was sie sich erlauben dürfen, weil sie im nächsten Monat arbeitslos sein könnten.

Diese Regierung geht nicht großzügig mit den Verlierern um, also mit den Menschen, die entlassen werden. Sie dürfen, und das ist unausgesprochener Konsens, keinen anderen guten Job mehr bekommen. Abseits des Staatsdienstes sollen sie kein nettes Leben mehr führen, kein Unternehmen würde diese Leute nehmen, weil die Unternehmen ganz genau wissen, dass sie Nachteile davon haben werden.

Wohin steuert die Orbán-Regierung Ihr Land?

Herr Orbán ist ein noch relativ junger Mann, von der Universität ging er direkt in die Politik und dachte und denkt, dass er innerhalb der Europäischen Union und innerhalb der politischen Demokratie einen Einparteienstaat, einen Fidesz-Parteienstaat, aufbauen und dabei einige demokratische Institutionen als Kulisse bewahren kann.

Zum Beispiel den ungarischen Staatspräsidenten Pál Schmitt, der das Mediengesetz unterzeichnet hat. Ständig ist er Gegenstand von Spott und Satire. Pál Schmitt war ein guter Sportler, er spricht mehrere Sprachen und ist ein netter Herr mit guten Manieren. Er redet gerne davon, dass man die ungarische Sprache verteidigen sollte, aber seine Texte sind voller Rechtschreibfehler, deswegen lächelt man höflich darüber.

Aber Pál Schmitt hat keine eigene Substanz, er ist ein Parteisoldat von Fidesz - und Fidesz ist eine Organisation, bei der alle gehorsam sein müssen, sonst verlieren sie von einen auf den anderen Tag ihre Position. Fidesz ist eine One-Man-Show, Herr Orbán dirigiert sie und die anderen sind gezwungen, zu denken, dass es sich bei seinen Ideen, die meistens Schnapsideen sind, um geschichtsphilosophische oder wirtschaftsphilosophische Wahrheiten handelt.

Bislang fanden nur wenige größere Demonstrationen ungarischer Bürgerinnen und Bürger gegen die Maßnahmen der Orbán-Regierung statt. Trügt der Eindruck?

So ist es und so wird es noch eine Weile bleiben. Die älteren Leute, die schon einen Job haben, können nicht so einfach protestieren, weil sie wissen, dass sie dann morgen vielleicht arbeitslos sein könnten. So wurden die Menschen in den staatssozialistischen Jahren sozialisiert.

Aber es gibt noch eine weitere Haltung: Man denkt, wenn Herr Orbán so viel Unterstützung erhalten hat, dann sollte man ihm als Wahlsieger in einem demokratischen System auch Vertrauen schenken. Wenn wir eine Demokratie haben, sollten wir sie ernst nehmen und die Folgen respektieren.

Was glauben Sie würde die Menschen auf die Straße treiben?

Es gibt eine neue Welle des Widerstands, sie entwickelt sich langsam und kommt aus anderen, neuen Schichten: Sie geht von den Jüngeren aus, die sich schon an ihre Freiheiten gewöhnt haben. Sie wird in der zweiten Jahreshälfte stärker werden, wenn es infolge des neuen Mediengesetzes zu Bestrafungen kommt, die die Existenzgrundlage von Redaktionen zerstören können.

Wenn Leute ihren Beruf behalten möchten, etwa Journalisten, dann sind sie vorsichtig. Der Moderator Attila Mong hatte eine Schweigeminute im staatlichen Radioprogramm aus Protest gegen das Mediengesetz abgehalten und ist dafür entlassen worden. Viele Tageszeitungen erschienen mit leeren Titelblättern, die größte ungarische Tageszeitung erklärte auf ihrer Titelseite: „In Ungarn wurde die Pressefreiheit aufgehoben“.

Die EU wird also in unser Land kommen und das neue Gesetz diskutieren wollen, aber die ungarischen Behörden werden sagen: „Lesen sie dieses Gesetz bitte sorgfältig durch, bis in die Details.“ Es sind 180 Seiten Gesetzestext. Ich schätze alle Personen sehr, die diesen Text vollständig durchlesen werden.

Wie sollten Ihrer Meinung nach die EU-Partner reagieren?

Ich denke, dass es – um es mit den Worten von Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, zu sagen – ungewöhnlich grob wäre und keinen Konsens dafür gäbe, Ungarn das Ritual der EU-Ratspräsidentschaft zu entziehen. Aber man muss sich nicht zusammen fotografieren lassen, man muss kein süßes Lächeln austauschen und nicht still halten angesichts dieser Probleme. Man muss nicht alle „schlauen“ Erklärungen sofort akzeptieren.

Kürzlich hat beispielsweise ein früherer ungarischer Botschafter in Berlin gesagt, dass es notwendig gewesen sei, dieses Gesetz zu verabschieden, weil man keine antisemitischen Texte in den Medien dulden könne. Am selben Tag veröffentlichte der Chefredakteur der Zeitung Magyar Hírlap einen Artikel voll mit gemeinem, antisemitischem Vokabular. Diese Zeitung steht Fidesz nahe, und der Chefredakteur ist ein guter Freund von Herrn Orbán.

Der Westen tut gut daran, wenn er nicht alles glaubt und daran denkt, dass jedes Wort immer auch eine zweite Bedeutung hat.

Auch während der EU-Ratspräsidentschaft plant Orbán weitere Schritte: Im Frühjahr soll eine neue Verfassung verabschiedet werden.

Das könnte sehr schwer werden für dieses Land. Ich denke, man wird die Verfassung als „Parteiverfassung“ instrumentalisieren – es werden nur Fidesz-Leute die neue Verfassung formulieren, keine ernstzunehmenden Juristen werden sich daran beteiligen. Die Verfassung wird den Zwecken der Partei dienen.

Welche politischen Gestaltungsmöglichkeiten sehen Sie für die demokratische Opposition in Ungarn?

Das weiß ich noch nicht. Es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. Aber die jungen Leute fangen langsam an, sich zu bewegen. Bislang galten rechte Ideen unter Jugendlichen als modisch, sogar rechtsextremistisches Gedankengut - aber jetzt geht das Pendel in die andere Richtung. Das Mediengesetz verärgert die jungen Leute, weil es für Langeweile und blöde, falsche Texte steht.


Was erwarten Sie von der grünen Partei LMP („Lehet Más a Politika“ / „Politik kann anders sein“)?

Relativ wenig. Bislang waren sie sehr vorsichtig. Aber bei der Diskussion zum Mediengesetz haben sie eine gute Rolle gespielt. Auch die Sozialisten tun das, und sogar die rechtsextremistische Partei Jobbik ist in der Opposition. Manchmal ist Jobbik dazu gezwungen, relativ demokratische Argumente gegen die Fidesz-Vollmacht zu benutzen.

Wie sollte Ihrer Meinung nach die demokratische Öffentlichkeit außerhalb Ungarns agieren?

Sie sollte ihre Augen offen behalten, nicht blauäugig sein. Sie sollte aber auch keine Pauschalurteile haben gegen unser Land. Ein Großteil der Gesellschaft war nicht unter den Orbán-Unterstützern, und ich glaube, dass man viel lernen kann von unserem Fall. Er ist eine Art „Fallstudie“, weil es diesen unterschwelligen Populismus überall in Europa gibt, auch in Deutschland oder Frankreich. Vielleicht ist er jetzt erst mal nach Ungarn gekommen.

Herr Konrád, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Karoline Hutter.

Der ungarische Schriftsteller György Konrád wurde 1933 als Sohn einer jüdischen Familie in Ungarn geboren. Im Jahr 1944 entging er nur knapp seiner Verhaftung durch Nationalsozialisten und ungarische Pfeilkreuzler, die ihn ins Konzentrationslager Auschwitz deportieren wollten. Gemeinsam mit seinen Geschwistern tauchte er bei Verwandten in Budapest unter. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs studierte er Literaturwissenschaft, Soziologie und Psychologie und wurde in Ungarn zu einem der intellektuellen Wortführer. Seit 1969 erscheinen Romane und Essays. 1991 wurde György Konrád mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, er hat außerdem u.a. den Karlspreis 2001 und den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis erhalten. Von 1997 bis 2003 war er Präsident der Akademie der Künste in Berlin.

Reaktionen (9)

1_ Markus Deák
12. Januar 2011, 21:30 Uhr

Leider muss ich Herrn Konrád in einigen Punkten widersprechen. Im Gegensatz zu den letzten ungarischen Regierungschefs - alle ex-Banker, die wohl nicht viel mit der Politik am Hut hatten - setzt sich Viktor Orbán doch am ehesten für das Volk ein, anstatt sich selbst auf die Kosten des Staates zu bereichern. Er wurde durch eine klare Mehrheit zum Ministerpräsidenten gewählt, weil ihm das Volk vertraut. Wie in seiner ersten Regierungszeit (1998-2002) soll er dem Land nach einer langen Depression wieder den Aufschwung bringen.

Kaum glaube ich, dass Orbán ein Einparteiensystem bzw. eine Diktatur aufbauen will, siehe man mein Heimatland Bayern, wo die CSU seit 1946 fast ununterbrochen regiert und es trotzdem mit der Demokratie klappt. Außerdem ist den jungen Ungarn eher die eigene Karriere, als (irgend)ein Mediengesetz wichtig, und von einer "Bewegung" habe ich noch nichts mitbekommen, obwohl ich mich selbst oft in Ungarn aufhalte und dort viele Freunde und Verwandte habe.

Auch wenn ich die Sorgen eines ungarischen Intellektuellen, der so knapp dem NS-Regime entkommen konnte, sehr gut verstehen kann, steht es bei weitem nicht so schlecht um Ungarn, wie es hier verbreitet wird. Eher ist es traurig, dass die westlichen Medien nur aus einer Sichtweise berichten, anstatt einmal genauer ins Land hineinzusehen, um Meinung und Probleme der Mittel- und Unterschicht zu erfahren.

2_ Dr. Anat Kálmán
23. Januar 2011, 20:39 Uhr


Seit 1990 nutzt Herr Konrád jede Gelegeneheit zur Diffamierung seiner politischen Gegner. Denn Herr Konrád ist politisch keineswegs so unabhängig, wie er tut. Er ist/war Parteimitglied des liberalen SZDSZ, was immer man hier unter dem Begriff "liberal" verstehen mag. Zunächst griff Herr Konrád mit den gleichen Klischees und den gleichen "Warnungen" den ersten christdemokratischen Ministerpräsidenten József Antall an, der dann 1993 verstarb. Seit 1998 richten sich seine verbalen Ausfälle gegen den FIDESZ, mit einer Vehemenz und Impertinenz, die mir den Atem rauben. Und die internationale Presse folgt ihm wie brave pawlow'sche Hunde. Ich bin selbst Jüdin und mit Verlaub: Mich widert dieser politische Missbrauch der "Tragödie von Ausschwitz" an! Wie ungeschickt und unüberlegt das neue ungarische Mediengesetz auch sein mag - und hier warte ich lieber erst einmal auf die Analyse der Europäischen Kommission - es deutet NICHT darauf hin, dass Viktor Orban eine wie auch immer geartete Diktatur errichten möchte.

Es ist ganz im Gegenteil vielleicht nur ein ungeschickter Versuch des FIDESZ diesen nicht enden wollenden Diffamierungskampagnen ENDLICH Einhalt zu gebieten. Denn wer seit 1998 aufmerksam die deutsche, französische, ungarische und englische Presse liest, stellt fest: hier werden immer wieder nur die 4 oder 5 gleichen Personen zu Ungarn befragt. Und Viktor Orban ist dann gleichzeitig: König Viktor oder Mussolini, Jörg Haider, oder der Putin aus der Pusta.... stört das denn niemanden? Wie einfach können hier wieder Hetzkampagnen ausgelöst werden! In Ungarn gab es bislang sowieso keine großartige Pressefreiheit. Auch hier traten in den staatlichen Medien bis vor einigen Monaten immer die gleichen "Spezialisten" auf, Gesichter, die man seit den siebziger Jahren kennt. Das kümmerte niemanden und darüber machte man sich auch in Brüssel keine Gedanken.

Es ist das ewig zwilichtige Spiel zwischen Schein und Sein. Die ehemaligen Kader der Regime haben es verstanden: es genügt sich "Sozialistisch" zu nennen, im Verborgenen eine neoliberale Wirtschaftspolitik zur eigenen Bereicherung zu praktizieren und gleichzeitig alle Andersdenkenden als "Faschisten" und "Nazis" abzustempeln und der Westen wird wie gewünscht reagieren: Geblendet wird er eine Modernisierung der kommunistischen Nomenklatura fördern und keine Demokratisierung.

Dr. Anat Kálmán, Budapest


3_ Hans-Jürgen Peters
24. Januar 2011, 15:20 Uhr

Die Tendenzen in Ungarn, ob nun beim neuen Mediengesetz wie auch der geplanten Verfassung, zeigen eindeutig autoritäre Züge. Wenn hier in den Kommentare relativiert wird, finde ich das bedrückend.
4_ Anonym
24. Januar 2011, 17:25 Uhr

Sehr geehrter Herr Peters

Bitte sagen Sie uns genau, mit Textangaben und konkreten Beispielen, was am Mediengesetz und bei der geplanten ungarischen Verfassungsänderungen autoritäre Züge aufweist. Frankreich hat im Jahre 2008 seine letzte umfangreiche Verfassungsänderung vorgenommen und ist immer noch eine Demokratie !!!

mit vielen Grüßen

Dr. Anat Kálmán

5_ makar jani
25. Januar 2011, 11:48 Uhr

Sehr geährte h. Hans-Jürgen Peters!
Ich versuche seit Wochen vergeblich den Text des umstrittenen Mediengesetzes (oder eine Zusammenfassung) zu bekommen. Auch die geplante Verfassungsänderung. Ich möchte die "autoritäre Tendezen" überprüfen, da ich davon in Ungarn nicht viel gemerkt habe, obwohl ich als Rentner ein drittel des Jahres in meine ehemalige Heimat verbringe.
Die Bitte geht auch an H.Konrad und an die Redaktion.

MfG. Makarjani

6_ Dr. Anat Kálmán
20. Februar 2011, 11:38 Uhr


Hier, unter diesem Link ist der integrale engliche Text des ungarischen Mediengesetzes zu finden...

Hungarian Voice – Ungarn News Blog
hungarianvoice.wordpress.com


Dr. Anat Kalman

7_ Karl Pfeifer
23. Januar 2012, 12:46 Uhr

Man sollte auch wissen, wie Frau Dr. Kálmán sich für die Orbán-Regierung in die Bresche schlägt. Sie schreibt auf Hungarian Voice:
m 22. Januar 2012 um 13:46 | Kommentar Anat kalman

Ich hätte nie gedacht, dass es einmal Juden geben wird, die mit ihrer Herkunft politisch hausieren gehen, um politisch Andersdenkende niederzutrampeln und andere Juden ( nämlich die, die FIDESZ gewählt haben oder die zum FIDESZ gehören) zum Zwecke der politischen Nutznießung als „Faschisten“ diffamieren. Pfui Teufel…. Sie verraten das eigene Volk und missbrauchen die Toten von Auschwitz. Da würde sich ein Karl Kraus im Grabe drehen. Das wird in hundert Jahren ein wenig glorreiches Kapitel der europäischen Geschichtschreibung sein. Und solche Leute wie Konrád oder Lendvai, Schiff, Gáti und diese „Pseudophilosophin“ Agnes Heller werden in den Analysen , die in hundert Jahren publiziert werden keine gute Figur mehr abgeben. So viel ist sicher! Soweit Dr. Kálmán

Ich antwortete:Aber, aber Frau Dr. Kálmán, vielleicht spricht aus Ihnen nur der Neid?
Wahrscheinlich ist es für Sie schwer zu begreifen, warum die wichtigen Medien nicht Sie befragen, Ihre Artikel nicht publizieren. Hingegen werden die von Ihnen genannten Persönlichkeiten sehr oft befragt. Dagegen glauben Sie zum Holzhammer greifen zu müssen, wie das halt in ihrer Umgebung üblich ist.
Wenn Sie Agnes Heller vorwerfen eine „Pseudophilosophin“ zu sein, dann könnte Ihr Motiv blanker Neid sein. Denn Sie haben ja Philosophie studiert, als Philosophin sich jedoch keinen Namen gemacht, außer man beurteilt das eintrichtern der Regierungspropaganda als Philosophie.
Wenn Sie Ágnes Heller heruntermachen, dann sagt das etwas über Sie aus, was nicht sehr schmeichelhaft ist.

Dr. Kálmán internalisierte die völkische Ausdrucksweise Ihrer Umgebung: „Sie verraten das eigene Volk“. Sie fühlt sich auch berechtigt, festzustellen wer die guten und die schlechten Juden sind, so, dass sich dann Antisemiten darauf berufen können.
„So viel ist sicher“, meint Dr. Kálmán, die von ihr genannten Personen, „werden in den Analysen, die in hundert Jahren publiziert werden keine gute Figur mehr abgeben.“
Könnte es sein, dass sie eine falsche Prophetin ist, die sich für solche Orakel bezahlen lassen möchte ohne zur Prophetie berufen zu sein?
Da steht doch geschrieben: „Sehet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“
Schließlich wird von den falschen Propheten gesagt: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

8_ Karl Pfeifer
23. Januar 2012, 13:27 Uhr

Das neue Mediengesetz ermöglicht es der Regierung, im Fall wenn sie es brauchen, die unliebsamen Medien durch hohe Strafen einzustellen.
Tatsache ist, dass Viktor Orbán eine Medienbehörde, die nur aus seinen Anhängern besteht ernannt hat, und deren Chefin - eine ehemalige Redakteurin einer Pornozeitschrift - wurde auch für n e u n Jahre ernannt.
Diese Medienbehörde ist auch der größte Arbeitgeber von Journalisten in Ungarn und es wurden schon Hunderte Journalisten meistens aufgrund ihrer wirklichen oder angeblichen politischen Stellungnahme entlassen.
Tatsache ist auch, dass die EU dieses Gesetz beanstandet.

9_ D.Rohde
16. Februar 2012, 19:26 Uhr

Das Gros der westlichen Medien versucht, die Dinge einfach zu beantworten und holt sich dabei von einigen wenigen hochdekorierten Leuten Inspiration, ohne ausreichend zu recherchieren. Natürlich ist fast keiner der deutschen Berufs-Journalisten des Ungarischen mächtig. Dass Polemik in erster Linie der eigenen Eitelkeit dient, ist bekannt - und mit Beiträgen im ZDF, die an die aktuelle Kamera der DDR erinnern, wird es leider auch nicht einfacher, die ungarischen Kontrahenten an einen Tisch zu bekommen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Andreas Oplatka, Professor an der deutschsprachigen Andrássy Universität in Budapest, hat in einer Rede vom vergangenen Donnerstag in Brüssel eine Versachlichung der Auseinandersetzung angemahnt, da ansonsten die Gefahr einer Stärkung radikaler Kräfte im Land die Folge sein könnte. Der Hintergrund: Leute wie György Konrád , die neuerdings sogar zum Sturz von Orbán in der FAZ aufrufen können, haben ganz offenbar ihre Mitgliedschaft beim SZDSZ und ihre Rolle in den Jahren bis 2010 unter den Teppich gekehrt - jedenfalls konnten sie die Geschicke des Landes nicht zum Positiven wenden und sind verbittert.
Der Druck aus Brüssel, der die Regierung in einigen Punkten zum Einlenken bewegt hat, bewirkt jedoch nicht, dass dadurch die erz-konservative Richtung der Regierung, die auf einen starken Staat baut, nun eine andere Politik verfolgt. Sie wird in Ungarn von kulturellen Überzeugungen und Erfahrungen gespeist, die nicht von Tagesereignissen abhängen. Die wirtschaftliche Situation in Ungarn entscheidet vieles im Lande, aber nicht alles, zumal in Ungarn (fast) jedem bewusst ist, dass die „sozialistische“ Seite in den acht Jahren ihrer Regierung Ungarn fast zum Erliegen gebracht hat. Im Westen wird diese Tatsache von Seiten der Medien vertuscht, da sie nicht in ihr Konzept passt. Zum Teil herrscht in Sachen Ungarn jedoch schlichte Unkenntnis. Ohnehin ist der Westen gar nicht am Wohl Ungarns oder irgend eines Landes der Region interessiert. Wenn demnächst viele dringend benötigte ungarische Ärzte das Land verlassen sollten, so juckt das den selbstgefälligen Westen nicht im Geringsten. Welcher SPD-ler, welcher Grüne hat bisher auf das dadurch entstehende Leid in den betroffenen Ländern hingewiesen und wer beschäftigt sich mit den Folgen der sehr niedrigen Bezahlung osteuropäischer Arbeitnehmer, die in den Werkshallen westlicher Firmen ihr Brot verdienen ? Man sollte sich in Deutschland mal fragen, wie viele Stiefel marschieren würden , müssten wir Deutschen die Bedingungen ertragen, die hier in Ungarn in den vergangenen Jahren entstanden sind!
Ich zitiere: Die kommunistischen Systeme sind inzwischen zunächst an ihrer falschen ökonomischen Dogmatik gescheitert… Die eigentliche Katastrophe, die sie hinterlassen, ist nicht wirtschaftlicher Natur; sie besteht in der Verwüstung der Seelen, in der Zerstörung des moralischen Bewusstseins. Ich sehe ein wesentliches Problem unserer Stunde für Europa, dass… Altkommunisten ohne Zögern zu Wirtschaftsliberalen geworden sind. (Werte in Zeiten des Umbruchs, S. 83, Kardinal Ratzinger im Herder Verlag , 2005) Dass nun national gesinnte christlich-konservative Politiker das Ruder übernommen haben, ist nicht verwunderlich, sogar folgerichtig, denn die angebliche Linke hat keine nachhaltigen Lösungen der sozialen Probleme in Ungarn entwickelt. Schlimmer noch: Sie hatte Wirtschaftsliberalen die Regie überlassen. In ganz Osteuropa wird es immer schwieriger werden, echte liberale Errungenschaften Europas hochzuhalten, wenn die sozialen und moralischen Fragen nicht gelöst werden. Ungarn ist keine Diktatur. Die kontroversen Diskussionen auf allen Fernsehkanälen von ATV bis Hír-TV sind nur ein Beweis dafür. Solange jedoch der Fidesz zweideutige Gesetze schreibt, die der internationalen Kritik nicht standhalten, und Typen wie Zsolt Bayer für Fidesz werben, solange muss Fidesz damit rechnen, dass die fehlende Opposition im ungarischen Parlament durch Gegenwind aus dem europäischen Parlament ersetzt wird.
D.Rohde, Budapest und Hilden, 14.Februar 2012


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