Der ukrainische Umweltaktivist Alexei Gonatscharow, geb. 1950, wurde am 26. Mai 2009 um 12.00 Uhr von zwei Unbekannten neben seinem Haus in Kiew brutal zusammengeschlagen und starb an zahlreichen Verletzungen und Blutungen. Während die offiziellen Ermittlungen noch andauern, gehen JournalistInnen und UmweltaktivistInnen davon aus, dass der Grund für diesen brutalen Mord die aktive Tätigkeit Gonatscharow als Umweltschutzer ist.
Gontscharow kämpfte seit zwei Jahren gegen die Bebauungspläne und die illegale Sandförderung im Naturschutzgebiet „Zhukiw Ostriw“ am Rand der Stadt Kiew. Das Gebiet „Zhukiw Ostriw“ umfasst 196 Hektar, liegt auf mehreren Inseln im Fluss Dnipro und ist ein Paradies für zahlreiche Vogelarten sowie andere Flora und Fauna. Als Naturschutzgebiet ist „Zhukiw Ostriw“ zwar staatlich geschützt, doch nur auf dem Papier: Der Staat kümmert sich nicht wirklich und das Gebiet wird schleichend bebaut. Zudem wird seit etwa einem Jahr im Naturschutzgebiet Sand für Bauzwecke illegal gefördert.
Gerade der illegalen Sandförderung galten die Bemühungen Alexei Gontscharows. Er war ein Alleinkämpfer, schrieb regelmäßig warnende Briefe an sämtliche staatlichen Behörden und forderte, die Sandförderung im „Zhukiw Ostriw“ zu unterbieten. Seine Petitionen wurden nachhaltig ignoriert. Am 24. Mai 2009, zwei Tage vor seinem Tod, hat Alexei Gontscharow ein Kamerateam der nationalen TV-Sender ICTV ins Naturschutzgebiet eingeladen. Eine Reportage über die illegale Sandförderung wurde daraufhin im Fernsehen gezeigt, was auch zum Stopp der Sandförderung im Naturschutzgebiet führte. MenschenrechtlerInnen und unabhängige JournalistInnen gehen daher davon aus, dass der Mord eine Rache an einem mutigen Umweltaktivisten seitens der illegalen Sandförderer war und gleichzeitig als eine Warnung für weitere ökologische NGOs zu verstehen ist.
Dr. Kyryl Savin ist Büroleiter des Länderbüros Kiew der Heinrich-Böll-Stiftung.
- Dossier: Die Ukraine auf dem Weg zur Demokratie von Dr. Kyryl Savin - Feedback an: savin@boell.org.ua

