Peter Handke: Serbischer Nationalismus literarisch verpackt

Literarisches Stilmittel oder politisches Urteil? Peter Handkes Texte zum ehemaliegn Jugoslawien sind umstritten. Foto: Joachim S. Müller. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons-Lizenz.

21. Juli 2010
In der Rezeption der Texte von Peter Handke, die sich implizit oder explizit mit Ex-Jugoslawien, mit seinem Zerfall und mit der vermeintlichen Borniertheit des Westens in dieser Frage beschäftigen, wird gemeinhin eine Unterscheidung zwischen literarischem Text und politischem Urteil vorgenommen. Auf diese Weise soll der Irrtum des Autors in seiner politischen Parteinahme ohne jegliche Bedeutung bleiben für die ästhetische Beurteilung seiner Literatur.

Der Germanist Jürgen Brokoff zeigt erstmals in einer literarisch-ästhetischen Analyse, warum diese gängige Trennung nicht statthaft ist, ja dass sie von Handke selbst unterlaufen wird, indem dieser literarische Stilmittel zur Beförderung seiner politischen Botschaft einsetzt.

Brokoff wirft Handke vor, die muslimischen Opfer des Bosnien-Krieges zu verhöhnen. Gerade in dem subtilen Stil Handkes, der gerne auf vermeintliche Nebensächlichkeiten ausweicht, sieht Brokoff eine Gefahr. Er fordert den Leser auf, sich dessen bewusst zu werden. Handkes literarische Mittel bezeichnet er gar als die problematischste Entgleisungen eines deutschprachigen Autors nach dem Zweiten Weltkrieg.

 

Dossier

Europa und der Westliche Balkan

Wollte man im Juli 2010 ein allgemeines Charakteristikum für die Lage auf dem West-Balkan und seine Zukunftsaussichten formulieren, dann müsste man wohl von einer „alten Unübersichtlichkeit“ sprechen. Das Dossier bietet aktuelle Artikel zu Staatlichkeit, Demokratie, Bürgerrechten, Aufarbeitung und der Beziehung der Länder des westlichen Balkans zur EU.

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Reaktionen (1)

1_ Redaktion Boell.de
27. Juli 2010, 17:40 Uhr

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