Typologie: Grundeinkommenseffekte auf bestimmte Lebens- und Erwerbssituationen

24. April 2008

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Die niederländische Wissenschaftlerin Ingrid Robeyns hat in einigen ihrer Texte zum Grundeinkommen deutlich zeigen können, dass die Frage nach den geschlechtsspezifischen Auswirkungen insbesondere auf Frauen so pauschal nicht zu beantworten ist: Ein Grundeinkommen ist per se weder nur gut noch nur schlecht für Frauen. Neben der konkreten politischen Ausgestaltung hängt es vor allem vom individuellen Lebensstil ab, ob Frauen vom Grundeinkommen profitieren oder nicht. Wesentliche Variablen dabei sind erstens das individuelle Potenzial, hohe oder niedrige Einkünfte aus Erwerbsarbeit zu erlangen, was vorrangig mit der jeweiligen Qualifikation und dem Bildungsgrad zusammenhängt, sowie zweitens die „Arbeitsmarktaffinität“, also die Bereitschaft (und eventuell die Notwendigkeit), erwerbstätig zu sein. Nach Robeyns' Überlegungen sind die Auswirkungen auf Frauen in vier Gruppen einzuteilen:

Frauen mit dem Potenzial bzw. der Wahrscheinlichkeit hohen eigenen Einkommens und starker Arbeitsmarktaffinität müssten eher die Risiken fürchten.


Ihre Partizipation am Arbeitsmarkt ist bereits hoch, die Effekt eines (zusätzlichen) Grundeinkommens auf ihr eigenes Einkommen eher gering, und ihre Entscheidung zwischen Erwerbs- und unbezahlter Arbeit fällt meist auch unabhängig von finanzieller Notwendigkeit zu Gunsten der Erwerbsarbeit aus. Demgegenüber würden diese Frauen vor allem von höherer statistischer Diskriminierung und einer Verstärkung traditioneller Rollenbilder und Arbeitsteilung, also im wesentlichen von den Risiken der Effekte zweiter Ordnung negativ betroffen.

Im Gegenteil dazu würden Frauen mit geringer Erwerbsarbeitsaffinität und auch geringem zu erwartenden eigenem Einkommen vom Grundeinkommen hauptsächlich profitieren.


Vom eigenen existenzsichernden Einkommen angefangen über mehr Entscheidungsfreiheit im Lebensstil, der Aufwertung ihrer gesellschaftlichen oder familiären Tätigkeit bis hin zur innerfamiliären Verhandlungsposition, wären die positiven Auswirkungen klar überwiegen, auch wenn das Grundeinkommen keine vollständige finanzielle Unabhängigkeit herstellen würde.

Für Frauen mit hohem zu erwartendem Einkommen, aber geringer Arbeitsmarktaffinität zeigt sich ein ambivalentes Resultat.


Nachteilig wäre der wahrscheinliche Verfall von Humankapital durch Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, bedingt durch eine gesellschaftspolitisch ungünstige Kombination hohen individuellen Potenzials und vergleichsweise geringer Möglichkeiten, diese Fähigkeiten und Spezialisierungen außerhalb der Erwerbstätigkeit sinnvoll einzusetzen. So wird beispielsweise eine Ingenieurin, die sich für Familien- und ehrenamtliche Arbeit entscheidet, ihre spezifische Qualifikation in ihrem aktuellen Tätigkeitsfeld kaum zur Anwendung bringen können, auch wenn sie dort sonst wichtige und gute, aber thematisch eben anders gelagerte Arbeit leistet. Dennoch profitieren diese Frauen aufgrund ihrer wahrscheinlichen Lebensplanung besonders von den Effekten zweiter Ordnung. Andererseits bleibt zu fragen, inwiefern gerade für diese Gruppe die Wahlfreiheit tatsächlich gegeben ist.

Ebenfalls ein ambivalentes Bild ergibt sich für jene Frauen, die zwar eine starke Arbeitsmarktaffinität aufweisen, aber nur ein geringes Einkommen erzielen würden.


Kurzfristig würden diese Frauen von einem höheren Einkommen profitieren, längerfristig aber ihre Verhandlungsposition innerhalb der Familie und tatsächliche Unabhängigkeit (insbesondere im Scheidungsfall) aufgrund des relativ gering bleibenden Grundeinkommens nicht verbessern können. Fraglich wäre auch der Aspekt der Entscheidungsfreiheit für Frauen, die ohnehin im Niedriglohnsektor tätig und deshalb vermutlich auf Zusatzeinkommen aus Erwerbsarbeit angewiesen sind.
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