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11. Juli 2008

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Mit dem Online-Dossier "Bedingungsloses Grundeinkommen oder bedarfsorientierte Grundsicherung" wollen wir nicht nur über bestehende Ansätze informieren oder auf ungelöste Probleme hinweisen: Wir wollen mehr! 

Wir laden Sie zu einer Debatte im virtuellen Raum ein: Lesen Sie und kommentieren Sie die Texte oder eröffnen Sie selbst Ihre eigene Diskussion!

Reaktionen (4)

1_ Katja
11. Juli 2008, 15:30 Uhr

Vielleicht habe ich es überlesen, aber für die Frage, welche Effekte das BGE haben wird, ist die Höhe natürlich ganz entscheidend. Um tatsächliche finanzielle Autonomie zu ermöglichen und damit auch die Verhandlungsposition der weiblichen Bezieherin zu stärken, müsste BGE von der Höhe her geeignet sein, finanzielle Rücklagen aufzubauen oder (Wohn)Eigentum zu erwerben. Sonst spaltet sich die Gesellschaft in jene, die ausschließlich BGE beziehen, und jene, welche neben dem BGE durch Erwerbstätigkeit oder Erbe über weitergehende finanzielle Ressourcen verfügen. Eine Spaltung, die es jetzt auch schon gibt, die aber zurzeit dazu führt, dass generell der Zugang von Frauen zur Erwerbsarbeit als ein Weg aus der Armutsfalle gilt. Davon ausgehend, dass diejenigen für die staatlichen Mittel aufkommen, welche als Grundeinkommen umverteilt werden sollen, die über eine Erwerbsarbeit oder geerbtes Vermögen verfügen, ist nicht anzunehmen, dass das BGE eine solche Höhe erreichen würde. Insgesamt lässt sich m.E. historisch nicht begründen, warum Männer auf die zusätzlichen finanziellen Mittel und den Statusgewinn der Erwerbsarbeit freiwillig verzichten sollten, um "typisch weibliche" Familienarbeit ideell sowie finanziell aufzuwerten. Im Gegenteil vermute ich eher, dass in einer Gesellschaft, in der niemand arbeiten muss, der/diejenige, der/die trotzdem einen Job ausübt und damit den Wert der eigenen Tätigkeit durch einen Arbeitgeber bestätigt bekommt, über einen höheren sozialen Status verfügen wird. Und wenn es nur die anderen, finanziell gutgestellten Erwerbstätigen sind, die diesen Status festigen. Zumal für Frauen auch die Gefahr besteht, dass in ihre Ausbildung wieder weniger investiert wird (die bezieht ja später eh BGE). Sinnvoll ist meiner Meinung nach ein Grundeinkommen vor allem dort, wo Erwerbsarbeit keine Alternative ist: Kindheit, Ausbildung, Alter. Ansonsten sollte eine Erwerbsarbeitsgesellschaft, in der (Aus)Bildung einen hohen Stellenwert hat und die über die Ächtung von Überstunden und hohen Wochenarbeitszeiten eine work-life-balance ermöglicht im Mittelpunkt feministischer Sozialpolitik stehen. Die Veränderungen, die dazu im Denken gerade der Arbeitgeber notwendig sind, sind winzig im Vergleich zu den Umwälzungen durch ein BGE - und trotzdem ein Schritt, der noch nicht gegangen wurde.
2_ Dirk
31. Juli 2008, 15:41 Uhr

Schade finde ich folgendes:

1. Kein Verweis auf die umfangreiche Broschüre des Bildungswerks Berlin zu dem Thema:
http://www.bildungswerk-boell.de/download/Pro-Contra-Grundeinkommen-2Aufl.pdf

2. Kein Verweis oder Verwendung der Texte des Frankfurter Armutsforschers und grünen Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn:
http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/~strengma/

3. Ist es nicht richtig, dass BIEN eine existenzsichernde Höhe als Kriterium für ein Grundeinkommen verwendet, wie behauptet wird.

3_ Ludwig Paul Häußner
2. August 2008, 12:05 Uhr

Vielleicht interessiert in diesem Zusammenhang mein taz-online Kommentar zum Interview mit dem Familiensoziologen Hans Bertram aus Berlin?


http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/bei-maennern-brauchen-wir-harte-massnahmen/

23.07.2008 12:26 Uhr in taz-online:
Von Ludwig Paul Häußner:

Grundeinkommen als gemeinsames Fundament für eine sozioökonomische Gleichstellung der Geschlechter

-----------------------------------------

Ich kann Herrn Bertram in vielen Dingen beipflichten. Doch sind "härtere Maßnahmen" wirklich der richtige Weg in einer freiheitlich verfassten Gesellschaft?

Wie würde die ganze Diskussion um Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Erziehungsarbeit und Lernarbeit verlaufen, wenn wir ein bedingungsloses Grundeinkommen hätten?

Das ist keine Utopie! Wenn der u topos der jenseitige Ort ist, dann ist die Frage zu beantworten wie kommen wir von hier nach dort?

In der Tat können wir von Schweden und Dänemark lernen. Schweden und Dänemark haben heute schon einen MwSt-Satz von EU-konformen 25%.

Würden wir die MwSt schrittweise auf 25% erhöhen, so hätten wir praktisch die erforderlichen Finanzmittel, um ein substitutives und bedingungsloses Grundeinkommen realisieren zu können. Im Realtraum können wir uns schon einmal an den u topos begeben.

Mehr Infos unter: www.unternimm-die-zukunft.de


Ludwig Paul Häußer
Universität Karlsruhe (TH) –IEP



4_ Henrik Wittenberg
13. August 2008, 12:13 Uhr

Ich möchte an dieser Stelle auf eine Veranstaltung der Kölner Initiative Grundeinkommen hinweisen, die im Mai dieses Jahres stattgefunden hat und zwar unter der Überschrift: „Wie beeinflusst ein existenzsicherndes Grundeinkommen das Geschlechterverhältnis und die Lebensgestaltung von Frauen?“.
Eine Zusammenfassung der Veranstaltung nebst vorher erstelltem Thesenpapier können sie unterfolgendem Link einsehen:
http://www.bgekoeln.de/index.php?article_id=123
Herzliche Grüße
Henrik Wittenberg
Kölner Initiative Grundeinkommen

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