Gegen den Hass reden

Hass und Hetze haben im Netz Konjunktur. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat zusammen mit dem Team von Gegenargument ein Webinar entwickelt, dass einen Einstieg in die Online-Courage ermöglicht und zur Gegenrede ermutigt.

Die Bedeutung von sozialen Medien für gesellschaftliche Auseinandersetzungen nimmt zu. Doch je stärker dort politische Themen ausgehandelt werden, desto wichtiger wird die Kompetenz, sachlich diskutieren zu können. Denn Hass und Menschenverachtung haben im Netz Konjunktur – und drohen zunehmend zur Einschränkung für politisches Engagement und damit zur Gefahr für die Demokratie zu werden.

Online zu argumentieren ist zu einer ernst zu nehmenden Herausforderung für die Zivilgesellschaft geworden

Online-Kommunikation beeinflusst mittlerweile zudem erheblich, welchen Erfolg extreme Positionen in der Gesellschaft, bei Wahlen und im eigenen, privaten Umfeld haben. Umso wichtiger ist es, in unterschiedlichen Online-Situationen Farbe zu bekennen und einseitiger Demagogie den Raum streitig zu machen. Online zu argumentieren ist somit kein «Sofa-Aktivismus» mehr, sondern zu einer ernst zu nehmenden Herausforderung für die Zivilgesellschaft geworden.

Einzelne können zwar auf diese Entwicklung nur begrenzt Einfluss nehmen. Vor allem nicht ohne ein deutlicheres Engagement der Unternehmen, deren Ruf nach «Counter Speech» ohne klarere (Einhaltung der) Regeln zumindest hilflos erscheint. Mündig ist dennoch nur, wer sich den Mund nicht verbieten und sich nicht einschüchtern lässt. Also: help yourself. Nur wie?

Da beendet jemand vielleicht mal eine Freundschaft in einem sozialen Netzwerk oder beleidigt – dann aber meist inflationär – irgendwie zurück (gegen Hass als Gegenhass). Manche halten gar Ignorieren für erfolgversprechend. Vielleicht auch aus Angst, selbst zum Ziel von Angriffen zu werden.

Wir wollen Menschen dabei unterstützen, ihre Meinung zu vertreten und ihre Stimme zu behalten

Wir wollen als politische Stiftung Menschen, die im Netz Debatten führen, mit digitalen Formaten zur Gegenrede gegen Hass dabei unterstützen, ihre Meinung zu vertreten und ihre Stimme zu behalten.

Deshalb haben wir Anfang 2017 zusammen mit dem Team von Gegenargument ein Webinar entwickelt, das bereits mehrfach umgesetzt wurde und weiterhin stark nachgefragt ist Gegenargument online – Hate Speech widersprechen. Das zweistündige, ortsunabhängige Format ermöglicht einen Einstieg in die Online-Courage: Ob Diskussion mit Freundinnen und Freunden, Forumsdebatten oder regionale Facebook-Gruppen – das Webinar stellt vor, welche Kommunikationssituationen unterschieden werden können, und schärft den Sinn für geeignete Handlungsoptionen. Es werden eine Auswahl typischer Hate-Speech-Muster sowie eigene Gesprächsstrategien behandelt, die gemeinsam live ausprobiert werden können.

Ein solch kurzes Format muss sich auf die Einführung und grundlegende Sensibilisierung konzentrieren. Einen ausführlicheren Austausch bieten dann Argumentationstrainings, die unter anderem von den Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung angeboten werden.

Lizenz dieses Artikels: CC-BY-NC-ND 3.0

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