Target Malaria will Stechmücken in Burkina Faso ausrotten

Die Menschen in Burkina Faso wurden offenbar nicht über das Projekt und seine Risiken informiert – ein klarer Verstoß gegen die Bedingungen der Biodiver-sitätskonferenz der Vereinten Nationen 2018.

Böll.Thema - Straße in Burkina Faso
Bildnachweise

Eine Forschungsgemeinschaft namens Target Malaria plant, in diesem Jahr 10.000 genetisch veränderte Stechmücken in zwei Dörfern im Südwesten Burkina Fasos freizusetzen. Das ist der erste Schritt eines langfristig angelegten Versuchs, in dessen Rahmen ein sogenannter «Gene Drive» bei den Stechmücken der Art Anopheles Gambiae ausgelöst werden soll, um dann mit dieser risikobehafteten Technik den Überträger der Malaria – und damit auch die Krankheit selbst – auszuschalten.

Die Mücken werden gentechnisch so verändert, dass sie entweder keine weiblichen Nachkommen oder aber überhaupt keine Nachkommen mehr zeugen können. Über den «Gene Drive» vererbt sich die genetische Veränderung dominant und breitet sich daher auf die ganze Art aus. Das Projekt erhält einen Großteil seines Budgets (92 Millionen US-Dollar) von der Bill und Melinda Gates-Stiftung und von DARPA, einer US-amerikanischen Organisation, die Forschung für militärische Zwecke durchführt.

Target Malaria hat in Burkina Faso und weltweit heftige Debatten ausgelöst, weil es die erste Freisetzung eines «Gene Drives» sein wird. Viele der afrikanischen Staaten unterstützen das Projekt. Dennoch wurden auf der Biodiversitätskonferenz der Vereinten Nationen, die im November 2018 in Scharm El-Scheich stattfand, strenge Maßstäbe für den Einsatz von «Gene Drives» in Afrika festgelegt: Eine der Voraussetzungen ist, dass die Menschen vor Ort sowie indigene Gruppen derartigen Maßnahmen «vorab und nach erfolgter Aufklärung aus freiem Willen» zugestimmt haben.

In Burkina Faso hängt also viel ab von der Frage der Zustimmung. Delphine Thizy, bei Target Malaria zuständig für die Zusammenarbeit mit den Betroffenen, sagte kürzlich in einem Interview mit France 24, «die Mehrheit der Menschen [in Burkina Faso] unterstütze» den Versuch, den Target Malaria dort durchführe. Belege, die unlängst für einen Dokumentarfilm mit dem Titel «A Question of Consent» gesammelt wurden, widersprechen dem jedoch.


Die Dokumentation "A Question of Consent"

Die Interviews in diesem Film belegen, dass die Menschen, die in jenen Dörfern leben, wo die Stechmücken freigesetzt werden sollen, nicht richtig über das Projekt und seine Risiken informiert wurden und nicht mitreden durften. In Bana schienen nur die Dorfältesten etwas von dem Projekt zu wissen, und sie reagierten ausgesprochen feindselig, als ich und andere Journalisten dort ohne die Zustimmung von Target Malaria recherchierten. Außerhalb der Dörfer haben zivilgesellschaftliche Gruppen in Ouagadougou und Bobo Dioulasso nachdrücklich gegen das Vorhaben protestiert, da sie gravierende Folgen fürchten.

Ebendiese zivilgesellschaftlichen Gruppen wie auch Bauern und Aktivisten aus Benin, der Elfenbeinküste und dem Senegal trafen sich im vergangenen Jahr, um gegen die genetisch veränderten Stechmücken zu protestieren. Sie sehen sich bei dem Projekt von Target Malaria selbst in der Rolle von Versuchskaninchen. Die Aktivisten fordern einen Stopp der Versuche mit genetisch veränderten Stechmücken in Burkina Faso und ein Moratorium für alle Feldversuche mit «Gene Drives». Sie fordern, dass ihre Regierungen Programme zur Verbesserung der Volksgesundheit auflegen, die Abwasser- und Abfallentsorgung verbessern und sich für andere Methoden im Kampf gegen Malaria einsetzen, darunter auch für erprobte örtliche Verfahren zur Vermeidung und Behandlung der Krankheit.


Zahra Moloo ist eine investigative Journalistin und Filmemacherin aus Kenia und beschäftigt sich vor allem mit Wirtschafts- und Umweltthemen (www.zahra-moloo.de).

Lizenz dieses Artikels: CC-BY-NC-ND 4.0