Editorial

Das Auto ist nachgerade ein Synonym für den Takt unserer Industriekultur. So, wie wir sie kennen, kommt diese aber gerade an ihr Ende und mit ihr die fossile Automobilitätskultur. 

Das ist hart für alle, die zu ihrem Auto eine Beziehungskiste mit Seelenqualitäten pflegen. Aber dies hier ist kein Heft über Psychologie, sondern ein Heft über den realen, stinkenden Stillstand im Stau. Über die viel zu kleinen Stop-and-go-Fortschritte, um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen oder etwas gegen die Überlastung der Straßen oder die Gefahr für unsere Gesundheit zu tun.

Es geht um Ökonomie, Logistik, soziale Spaltung, Stadtplanung und um eine Gesellschaft, die Freiheit nicht länger mit «Freier Fahrt für freie Bürger» gleichsetzt, sondern mit Wahlfreiheit in Sachen Mobilität. Ein neues, innovativ-ökologisches Denken ist gefragt! Da argumentiere niemand mit Technikfeindlichkeit der grünen Bewegung. Bisherige Technologien müssen weiterentwickelt und neue genutzt werden: Elektrifizierung und Digitalisierung, Start-ups für nachhaltige Mobilität sind Stichworte. Fahrraddemos, Fußgängerparadiese und Sharing-Modelle beschleunigen den Wandel, der ohnehin kommt.

In diesem Böll.Thema zeigen wir Akteurinnen und Akteure des Wandels, die Ideen haben, die an Lösungen auch für schwierige Fragen arbeiten: Ist es möglich, den Einsatz von Rohstoffen in Batterien drastisch zu verringern oder gar zu ersetzen? Wie kann das autonome Fahrzeug so gestaltet werden, dass es unseren Ansprüchen an Datenschutz und Technikethik gerecht wird?

Der Wandel kommt. Wer ihn gestalten will, muss auf Erziehungsversuche und Verbote ebenso verzichten wie darauf, jede Veränderung abzulehnen. Schnelle und gute Verbindungen, attraktive, inklusive Angebote mit ökologischer Verantwortung überzeugen und bringen uns in Bewegung – wohin wir wollen.

Ihre Ellen Ueberschär, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung

Lizenz dieses Artikels: CC-BY-NC-ND 4.0

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