«Save Lamu» stoppt den Bau eines Kohlekraftwerkes

Wie eine kenianische NGO es geschafft hat, den Bau eines Kohlekraftwerks zu verhindern.

Böll.Thema_Infrastruktur «Save Lamu»

Die Umweltschutzorganisation des kenianischen Archipels Lamu, «Save Lamu», hat es geschafft – jedenfalls vorläufig –, den Bau eines Kohlekraftwerks auf der Hauptinsel zu verhindern. Sie vertritt die Menschen auf dem idyllischen Archipel, einem beliebten Ferienziel im Indischen Ozean, die sich dagegen wehren, dass ihre Umwelt weiter verseucht wird. Das Kraftwerk ist nur ein Teil eines größeren Infrastrukturprojektes, das schon bedrohliche Spuren hinterlassen hat. Sie sind davon überzeugt, dass es sowohl ihrer Gesundheit als auch der Umwelt schaden könnte. «Drei Viertel der arbeitenden Bevölkerung leben von der Fischerei, und die Abwässer einer solchen Anlage würden den Fischbestand bedrohen», sagt Walid Ahmed Ali, Generalsekretär von «Save Lamu».

Die Aktivist/innen auf der Insel hatten mit Hilfe internationaler Organisationen, unter anderem auch der Heinrich-Böll-Stiftung, den Kampf gegen AMU Power aufgenommen, das Firmenkonglomerat, das das Kraftwerk für rund zwei Milliarden Euro bauen will – finanziert von chinesischen Banken. «Save Lamu» konnte AMU Power, aber auch der kenianischen Umweltbehörde, erfolgreich nachweisen, dass sie die Bevölkerung beim Planungsverfahren nicht ausreichend einbezogen hatten. Die Richter eines speziellen Umweltgerichtes gaben der Organisation recht und zogen die Lizenz für den Bau des Kraftwerks zurück. AMU Power hat Berufung eingelegt gegen das Urteil.

«Es war ein ganz besonderer Sieg – nicht nur für die Menschen in Lamu, sondern für das ganze Land, für Afrika und die Welt.»


Walid Ahmed Ali, Generalsekretär der Umweltschutzorganisation «Save Lamu»

Aber auch «Save Lamu» hat dieses Rechtsmittel in Anspruch genommen, ihre Begründung: Bislang hätten sich die Richter noch nicht zu dem Vorwurf geäußert, dass das Kraftwerk gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden für die Region bedeuten würde. Walid Ahmed glaubt, dass der Rechtstreit noch viele Jahre dauern kann. Die Mühlen der Justiz würden in Kenia sehr langsam mahlen.

Derweil hat AMU Power der Organisation «Save Lamu» vorgeworfen, sich nicht um die Arbeitslosigkeit auf dem Archipel zu scheren, die Organisation behindere die wirtschaftliche Entwicklung. Walid Ahmet kontert: «Im Gegenteil, wir wollen die Inseln nach vorne bringen, aber nicht zur Erderwärmung beitragen. Kenia hat einen guten Ruf wegen seiner umweltfreundlichen Energieversorgung – warum jetzt auf einmal Kohle?»

AMU Power beabsichtigt, Kohle aus Südafrika zu importieren. Angeliefert werden soll diese in den neuen Großhafen, der gerade in Lamu errichtet wird. Er soll den Hafen von Mombasa entlasten und ist Teil eines noch größeren Infrastrukturprojektes, das Kenia mittels einer Autobahn und Flughäfen mit dem Südsudan und Äthiopien verbinden soll. Hunderte Familien wurden bereits umgesiedelt und oft nur mangelhaft entschädigt. Der beim Bau des Tiefseehafens entstandene Sandaushub wurde in die angrenzenden Mangrovenwälder gebracht und gefährdet dort die Lebensgrundlage der Fischer: Die Mangroven, Heimat von Krebsen und Hummer, gehen ein. Und dann ist da auch noch ein Förderband, das die Kohle auf einer Länge von fünfzehn Kilometern vom Hafen in das Kraftwerk bringen soll. An der Küste entlang.

Zumindest vorläufig aber wird auf Lamu der erste Sieg der Menschen gegen den Firmenkomplex AMU Power gefeiert. Walid Ahmed: «Es war ein ganz besonderer Erfolg – nicht nur für die Menschen von Lamu, sondern für das ganze Land, für Afrika und die Welt.»


Ilona Eveleens lebt und arbeitet als freie Korrespondentin und Medientrainerin in Kenia.

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