«Die neuen  Wege müssen verstetigt werden»

Die Corona-Pandemie hat die Verkehrswende in Berlin beschleunigt: Die neuen 11 km langen Pop-up-Wege machen die Straßen der Hauptstadt für Fahrradfahrer/innen sicherer, das Projekt bleibt dennoch weiterhin umstritten.

Neue Fahrradwege

Plötzlich ging alles schnell: Auf mehrspurigen Straßen waren gelbe Markierungen angebracht, Baustellenpoller trennten die ­äußerste rechte Fahrbahn von den anderen ab. Sie war nun den Berliner Fahrradfahrenden vorbehalten. Was laut Berliner Mobilitätsgesetz längst vorgesehen ist, aber in hitzigen Debatten zur ­Verkehrswende verschleppt wurde, gelang im April scheinbar mühelos. Viele Hauptstraßen sind seither für Radfahrende sicherer. Corona hat den plötzlichen Wandel möglich gemacht.

 

Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Berlin Friedrichshain-Kreuzberg

Die sogenannten Pop-up-Wege sind ein großer Erfolg in Sachen Verkehrswende. Auf insgesamt elf Kilometer erstrecken sie sich mittlerweile in Berlin, viele davon sind im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg entstanden. «Erneuerung kann nur mit innovativem Personal gelingen», sagt Monika Herrmann, grüne Bezirksbürgermeisterin in Friedrichshain-Kreuzberg. «Unser Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes hat in dieser Frage sehr gut mit dem Leiter der neuen Abteilung VI von Verkehrssenatorin Regine Günther zusammengearbeitet.» Beide hätten das Konzept entwickelt und mit der politischen Rückendeckung von ihr, der Bezirksbürgermeisterin, und der Senatorin umgesetzt, so Herrmann.

Die Umstände der Corona-Pandemie waren der Auslöser. Bereits im ersten Lockdown sind viele Menschen von öffentlichen Verkehrsmitteln aus gesundheitlichen Gründen auf das Fahrrad umgestiegen. Die schnelle Einführung sicherer Radwege, die mehr Platz bieten, sei eine Reaktion der Politik auf das veränderte Mobilitäts­verhalten gewesen, so Herrmann. Der Senat hat sie angeordnet, die Bezirke setzen sie nun um.

Ziel ist es, die neuen Wege auch über die Pandemie hinaus zu verstetigen. Nachdem das Berliner Oberverwaltungsgericht im Oktober 2020 einen Eilantrag gegen die Pop-up-Wege abgelehnt hatte, steht dem nichts mehr im Wege. «Temporär waren die Wege von Anfang an nur in dem Sinne angelegt, als dass wir prüfen wollten, ob sie sicher sind oder ob wir eventuell nachbessern müssen.» Diese Phase sei nun abgeschlossen. Auch bei der Frage, wie die Wege zum ausreichenden Schutz für die Radfahrenden abgetrennt werden sollen, ist man sich nach langen Diskussionen einig. Auf Betonpoller wird verzichtet, stattdessen soll es Bodenschwellen geben, die aus Mexiko geliefert werden.

Andere Städte wie etwa München haben die temporären breiten Radspuren wieder rückgängig gemacht, obwohl Studien die gestiegene Sicherheit und Lebenszufriedenheit, die mit einer Verkehrswende einhergehen, längst bewiesen haben. Für Herrmann bleibt die Umsetzung eine Frage des politischen Willens. «Ich habe den Eindruck, alle Parteien außer die Grünen opponieren dagegen.» Die spontan entstandenen Spuren sind leider auch ein gutes Beispiel dafür.


Susanne Lang lebt als freie Journalistin und Redakteurin in Berlin.

This article is licensed under Creative Commons License