«Starke regionale Wertschöpfung und soziales Engagement können im ländlichen Raum viel bewegen.»

Statement

Claudia Müller ist Mittelstandsbeauftragte der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie im Unterausschuss für Regionale Wirtschaftspolitik und ERP-Wirtschaftspläne.

Portrait: Claudia Müller

Die Wirtschaft hierzulande steht vor großen Herausforderungen: Klimawandel, Fachkräftemangel, Infrastrukturwüste – um nur einige Beispiele zu nennen. Im ländlichen Raum scheint die Liste an Aufgaben manchmal sogar noch etwas länger zu sein. Doch richtig angegangen, hat auch das Wirtschaften abseits von Metropolen jede Menge Potenzial. Gute Chancen haben vor allem die Unternehmen, die regional verwurzelt und gleichzeitig innovativ sind, und dabei sozial sowie ökologisch verantwortungsvoll mit ihrer Umwelt umgehen. In ganz Deutschland machen Betriebe vor, wie lohnenswert das sein kann. Die Geschichte des 1991 im mecklenburgischen Schönberg gegründeten Unternehmens Palmberg zeigt, dass ökologisches und regionales Wirtschaften auch ökonomisch erfolgreich sein kann. Ich habe mir den Büromöbelhersteller im August 2019 angeschaut und war beeindruckt, wie die paritätisch besetzte Geschäftsführung die Rolle der Firma in der heutigen Zeit interpretiert: nachhaltig, regional und sozial. Alle verkaufsrelevanten Produkte sind mit dem LEVEL-Zertifikat für Nachhaltigkeit gekennzeichnet, das heißt, die gesamte Lieferkette ist auf ihre sozialen, ökologischen und ökonomischen Folgen hin geprüft. Die Büromöbel werden in Mecklenburg-Vorpommern hergestellt statt in kostengünstigeren Produktionsstätten im Ausland. Eingebettet in die Herkunftsregion trägt Palmberg zudem soziale Verantwortung und fördert die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen, die in unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens in das Arbeitsleben integriert werden.

Firma Palmberg
Die Firma Palmberg fertigt Büroeinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und garantiert soziale, ökologische und ökonomische Standarts in ihren Zulieferketten.

Außerdem vermeidet der Hersteller lange Wege, vermindert so effektiv Treibhausemissionen und kann die Produktion nachhaltig gestalten. Bei uns in der Bundestagsfraktion verfolgen wir schon länger den Ansatz, regionale Wertschöpfungsketten stärker in den Blick zu nehmen, auch über einzelne Hersteller hinaus. Neben den klimafreundlicheren kürzeren Wegen können auch die Regionen wirtschaftlich von dem Modell profitieren. Die Gewinne fließen weniger ab, außerdem können so langfristig Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden. Unternehmen, die in den Regionen bereits ansässig sind und ökologisch oder auch digital in die Zukunft gehen wollen, sind nicht selten sogar Motor für wirtschaftlichen Aufschwung. Gepaart mit Neugründungen können effektive Wirtschaftsnetzwerke und -cluster entstehen. Deshalb sollten Innovation und Kooperationsmodelle – insbesondere bei verwurzelten Betrieben – unterstützt werden. Außerdem kann es lohnen, die aktiven Unternehmen in relevante Entscheidungen zur weiteren Entwicklung der Regionen einzubeziehen. Dazu zählen auch Investitionen in die Bildungs- und Kulturlandschaft oder den Ausbau anderer Infrastrukturen. Um neue Mitarbeiter*innen erst einmal von einer Stelle im ländlichen Raum zu überzeugen, müssen Unternehmen mitunter auch andere, kreativere Wege als in den Großstädten gehen. Seit Jahren unterstützt Palmberg zum Beispiel die Kulturszene von Schönberg. Im Wettbewerb um Talente im ländlichen Raum reicht es nicht mehr aus, als Arbeitgeber zu punkten. Die Attraktivität des Wohnorts ist gerade für junge Familien ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Arbeitsplatzes. Eine dynamische Kulturszene und vielfältige Freizeitangebote können hier maßgeblich zu einem positiven Lebensgefühl beitragen.

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