Liebe Leserinnen und Leser,
viele Bürgerinnen und Bürger in unserem Land blicken mit Sorge in die Zukunft. Die Krisen sind zu zahlreich, die Entwicklungen zu widersprüchlich und die Unsicherheiten zu groß. Rechtsextreme und autoritäre Kräfte gewinnen an Einfluss, während demokratisches Engagement unter Druck gerät – sei es durch Anfeindungen im Alltag oder durch gezielte Angriffe auf Institutionen. Gleichzeitig erleben viele Menschen ganz konkret, was strukturelle Krisen bedeuten: steigende Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Umbrüche und Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz. Hinzu kommen internationale Konflikte und eine geopolitische Lage, in der vertraute Gewissheiten brüchig geworden sind – nicht zuletzt eine entkernte transatlantische Partnerschaft mit den USA, deren demokratische Zukunft nach 250 Jahren auf der Kippe steht.
Zweifel, Frustration und Erschöpfung sind nachvollziehbare Reaktionen. Und doch wäre es ebenso verkürzt, daraus nur Ohnmacht abzuleiten. Denn gerade in dieser Situation zeigt sich, was Demokratie im Kern ausmacht: Sie ist kein statisches Gefüge, sondern ein offener Prozess. Einer, der davon lebt, dass wir uns einmischen, Position beziehen und Verantwortung übernehmen.
Wir sind ja nicht nur Betroffene der Geschichte, sondern auch ihre Mitgestalter:innen. Aus den Rechten, die uns die demokratische Ordnung garantiert, erwächst auch Mitverantwortung – nicht als Last, sondern als Chance. Die Möglichkeit, darüber zu streiten, wie wir leben wollen. Die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven produktiv aufeinanderprallen zu lassen. Und die Möglichkeit, aus dieser Auseinandersetzung heraus gemeinsame Wege zu entwickeln.
Dieses Heft versteht sich als Beitrag zu diesem Prozess. Es betrachtet die Krisen unserer Zeit nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Handlungsauftrag. Als Aufforderung, neu darüber nachzudenken, was unsere liberale Republik ausmacht, wie wir sie stärken und damit auch einen neuen Gemeinsinn entwickeln können und wie wir unsere Rolle in Europa und der Welt gestalten wollen. Die Beiträge versammeln unterschiedliche Stimmen und Ansätze, um den Raum möglicher Antworten sichtbar zu machen. Demokratischer Streit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Lebendigkeit, solange wir uns als Teil eines gemeinsamen Projekts begreifen: einer vielfältigen, offenen und solidarischen Republik.
Lassen Sie uns diese Herausforderung gemeinsam annehmen! Es liegt an uns Bürgerinnen und Bürgern, zu neuer Kraft zu finden, um unsere Freiheit zu verteidigen und den Blick auf eine gute Zukunft zu richten. Denn die Republik, das sind wir alle.
Ihr Jan Philipp Albrecht