Petra-Kelly-Preis 2014 an vier entführte Menschenrechtsaktivist/innen in Syrien

Barbara Unmüßig, Amir Kazkaz, Ralf FücksV.l.n.r.: Barbara Unmüßig, Amir Kazkaz, Ralf Fücks bei der Preisverleihung am 27. Nobember 2014 in Berlin. Urheber: Stephan Röhl. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Pressemitteilung

Der Petra-Kelly-Preis der grün-nahen Heinrich-Böll-Stiftung geht in diesem Jahr an vier Menschenrechtsaktivist/innen des Violation Documentation Centers in Damaskus. Razan Zeitouneh, Samira al-Khalil, Wael Hamadeh und Nazem Hammadi wurden am 09. Dezember 2013 von Unbekannten im Damaszener Vorort Douma entführt und werden seitdem vermisst. Der Preis wird bei einem Festakt am 27. November 2014 in Berlin überreicht.

In der Begründung der Stiftung heißt es:

„Die Heinrich-Böll-Stiftung würdigt mit der Entscheidung für Razan Zeitouneh, Samira al-Khalil, Wael Hamadeh und Nazem Hammadi ihr mutiges Engagement für die Menschenrechte inmitten des dramatischen syrischen Bürgerkriegs.

Mit der Verleihung des Petra-Kelly-Preises an die vier verschleppten Menschenrechtler/innen bekräftigt die Stiftung die Forderung nach ihrer sofortiger Freilassung und unterstützt die Arbeit all jener, die sich unter Lebensgefahr für die Einhaltung der Menschenrechte und ein Ende der Gewalt einsetzen.

Zugleich wollen wir mit dem Preis die Arbeit des Violation Documentation Center hervorheben. Das Zentrum hat seinen Sitz in Douma, einem Vorort von Damaskus und selbst Schauplatz brutaler Kampfeinsätze des Regimes und aufständischer Gruppen. Es verkörpert mit seiner Arbeit zur Dokumentation von Menschenrechtsverstößen und Verbrechen der Konfliktparteien zentrale Anliegen der demokratischen Bewegung in Syrien: Die Achtung von Menschenwürde, Freiheit und Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person, des Geschlechts, der Herkunft und der Konfession.

Wir appellieren mit dieser Preisverleihung zugleich an die internationale Gemeinschaft, angesichts der Zuspitzung der Gewalt in Syrien und dem Irak ihrer Schutzverantwortung für die bedrohte Zivilbevölkerung nachzukommen und die Kräfte zu unterstützen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Dazu gehört auch eine Aufstockung der humanitären Hilfe für die Menschen in der Region und eine großzügigere Aufnahme von Flüchtlingen in der Bundesrepublik und Europa.“

Das Violations Documentation Center wurde im April 2011 von der Rechtsanwältin Razan Zeitouneh gegründet, um Informationen über Verstöße gegen das Humanitäre Völkerrecht in Syrien öffentlich zugänglich zu machen. Seitdem überwachen, sammeln und dokumentieren über 30 Mitglieder der unabhängigen NGO unter ständiger Gefährdung Menschenrechtsverbrechen in Syrien, von wem sie auch begangen werden.

Damit schafft die Organisation unter schwierigsten Umständen ein Gedächtnis der syrischen Zivilgesellschaft, das den Grundstein für eine  kollektive Aufarbeitung von Menschenrechtsverbrechen in der Zeit nach dem Konflikt darstellt.
 

 

Der Petra-Kelly-Preis

Die Heinrich-Böll-Stiftung verleiht den mit 10.000 Euro dotierten Petra-Kelly-Preis seit 1998 alle zwei Jahre an Personen oder Gruppen, die sich in herausragender Weise für die Achtung der universellen Menschenrechte, für gewaltfreie Konfliktlösungen oder den Schutz der natürlichen Umwelt einsetzen.
 

Die Preisträger/innen

2012: Ales Bialiatski, Menschenrechtsaktivist, Belarus (Weißrussland)
2010: Marianne Fritzen, Symbolfigur der Anti-Atom-Bewegung, Deutschland
2008: Zhang Sizhi, Anwalt, China
2006: Juri Schmidt, Menschenrechtsanwalt, Russland
2004: Wangari Maathai, Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin, Kenia
2002: Ingrid Betancourt, Grüne Politikerin, Kolumbien
2000: Berta und Nicolasa Quintreman Calpán, Umweltaktivistinnen, Chile
1998: Unrepresented Nations and Peoples Organization, UNPO
 




Pressekontakt:
Michael Alvarez Kalverkamp
Pressesprecher
Tel.: +49-(0)30-285 34-202 | 0175 5221 811 / 0160 365 7722
E-Mail: alvarez@boell.de
 

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