Dossier: Syrien vier Jahre nach Beginn des Aufstands

Dossier: Syrien vier Jahre nach Beginn des Aufstands

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Vor vier Jahren begann in Syrien der Aufstand gegen das Regime von Baschar al-Assad. Im März 2011 gab es erste friedliche Proteste, die vom Regime gewaltsam unterdrückt wurden. Seitdem militarisierte sich der Konflikt zwischen dem Regime und den Aufständischen immer mehr. Mittlerweile sind diesem Konflikt Schätzungen zufolge mehr als 100.000 Menschen zum Opfer gefallen; Millionen von Syrerinnen und Syrern sind auf der Flucht. Glaubhafte Lösungsansätze zur Befriedung sind noch immer nicht in Sicht. Was bewegt die Menschen vor Ort? Was für Auswirkungen hat der andauernde Konflikt auf die Nachbarstaaten Syriens, besonders auf den Libanon, aber auch auf Israel? Wer solidarisiert sich mit den Menschen der syrischen Revolution, wer tut es nicht?

Unser Dossier vereint analytische Artikel und Interviews, die die Geschehnisse in Syrien aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Durch Videos unserer Projektpartner/innen im Libanon erlaubt es auch einen Einblick in die Perspektive syrischer Aktivistinnen und Aktivisten, die ihrer Hoffnung auf eine bessere Zukunft künstlerisch Ausdruck verleihen. Darüber hinaus dokmumentiert das Dossier unsere Konferenzen und Veranstaltungen zum Thema.

Dokumentation der Konferenz: Syrien in der Sackgasse?

US-Außenminister John Kerry und Österreichs Außenminister Sebastian Kurz im Gespräch, während der Syrien-Konferenz in Wien (Okt. 2015).
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Der Syrienkonflikt spitzt sich zu. Gleichzeitig wächst mit den Verhandlungen in Wien die Hoffnung auf eine politische Lösung. In Berlin diskutierten Experten/innen und Politiker/innen über die Intervention Russlands, deren mögliche Folgen für das Völkerrecht und die mangelnde humanitäre Hilfe für die Leidtragenden vor Ort.

Wladimir Putin
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Russlands Eingreifen in Syrien wird Diktator Assad nicht retten. Trotzdem kann es die Gewichte verschieben - zum Nachteil des Westens.

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Am 21. August 2015 jährt sich der Giftgasangriff nahe Damaskus zum zweiten Mal. Trotz der 2013 beschlossenen Zerstörung der syrischen Chemiewaffen sterben in Syrien weiterhin Menschen durch den Einsatz von Gas.

Gefängnis
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Circa 200.000 Menschen wurden schon entführt und ihre Familien erpresst: Willkürliche Verhaftungen können in Syrien jeden treffen. Sie sind Teil des politökonomischen Kalküls der Geheimdienste.

Kloster in Maalula
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Der Assad-Clan schlägt Kapital aus der Multireligiosität des Landes und hält Minderheiten in fataler Abhängigkeit.

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Im Gedonner des "Islamischen Staats" gehen alle anderen Akteure in Syrien unter. Bei der Konferenz "Syrien in der Sackgasse?“ wurde über sie gesprochen und über die Rolle Deutschlands und Europas im Konflikt.

Ar Raqqua, Syrien
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Trotz Dschihad-Propaganda - der "Islamische Staat" sei eine rational agierende Bürgerkriegsmiliz, sagt Christoph Reuter. Am Rande der Konferenz "Syrien in der Sackgasse?" hat der Journalist sein neues Buch vorgestellt.

Konferenz: Syrien in der Sackgasse
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Auf der internationalen Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung diskutierten Expertinnen und Experten die Rolle der Regionalmächte im Syrienkonflikt. Kaum jemand in der Region hält noch ernsthaft an Baschar al-Assad fest – und trotzdem ist ein Ende nicht in Sicht.

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Daesh kann man nicht besiegen, ohne das Machtvakuum und den Mangel an Legitimität in Syrien und im Irak zu beenden, und in den Gegenden, in denen sich Daesh breit macht, legitime Machtstrukturen aufzubauen. Wie aber kann in Syrien eine solche politische Legimität entstehen?

Barbara Unmüßig während der Eröffnungsrede
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Der Aufstand in Syrien geht nunmehr in sein fünftes Jahr und noch immer ist kein Ende in Sicht. Bis heute fehlen ernst zu nehmende Initiativen für politische Lösungen des Konflikts, so Barbara Unmüßig in ihrer Begrüßungsrede zur internationalen Syrien-Konferenz.

Frederic C. Hof
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Der „Islamische Staat“ darf nicht weiter Wurzeln schlagen, sagt Frederic C. Hof, ein ehemaliger Berater der US-Regierung. Er fordert eine Stabilisierungstruppe für Syrien, die wenn nötig auch gegen das Assad-Regime kämpft.

Hintergründe & Perspektiven

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Kürzlich dekorierte die Londoner Vertretung Moskaus einen Tweet über angebliche Lieferungen von Chemiewaffen an syrische Rebellen mit einem Bild aus dem Videospiel „Command and Conquer“. Solche fiktiven Bilder zur Illustration des Unfassbaren verbreiten sich wie ein Lauffeuer.

von

In einem offenen Brief fordern zahlreiche Parlamentarier/innen aus Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland ihre Regierungen auf, die von Versorgungsblockaden betroffenen Menschen aus der Luft zu versorgen.

Russische Kampfjets auf dem Flughafen Basil al-Assad in Latakia
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Diese Nachricht kam für viele überraschend: Wladimir Putin ordnet den Abzug russischer Truppen aus Syrien an. Dies ist als Botschaft an Bashar al-Assad zu lesen. Über die Auswirkungen und Hintergründe.

Flüchtlingscamp in der Türkei
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Es begann mit einer Revolution. Mittlerweile sind fast eine halbe Million Menschen im Syrienkrieg gestorben. Ist das alles die Schuld der Revolutionäre? Haid N. Haid über das Überleben und die Frage nach Schuld.

Der Tahrir-Platz in Kairo im Juli 2011
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Fünf Jahre nach dem Beginn des Arabischen Frühlings ist die Aufbruchsstimmung der Ernüchterung gewichen. Angesichts der nicht enden wollenden Gewalt, der Wiederkehr autoritärer Herrschaftsformen oder gar des Staatszerfalls gilt die „Arabellion“ als gescheitert.

Geflüchteter in Damaskus
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Seit dem 26. Februar herrscht weitestegehend Waffenruhe in Syrien. Bislang gibt es aber kaum Verbesserungen der humanitären Situation. Die Menschen hungern weiterhin. Das ist Teil der Kriegsstrategie.

Flüchtlingscamp im Libanon
von

Libanesische Bürokratie, traumatisierte Menschen, wenig internationale Hilfe: Die Alltagsprobleme in syrischen Flüchtlingscamps im Libanon sind groß. Majd Chourbaji hilft, sie zu lösen.

von

Der Westen sollte Syriens Opposition nicht unter Druck setzen - im eigenen Interesse.

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Alle Jahre wieder wird von Genf aus ein Plan für die Machtübergabe in Syrien gefordert. Auch die Gespräche, die am 29. Januar beginnen sollen, sind nur ein öffentlichkeitswirksamer Ersatz dafür, endlich das humanitär Notwendigste zu tun. Assad kann mit seinem Krieg gegen die Opposition fortfahren.

von

Solange Rebellen in Syrien sich gegen ISIS und Assad gleichzeitig zur Wehr setzen müssen und sie durch die fortgesetzten Angriffe des Assad-Regimes daran gehindert werden, all ihre Kräfte gegen die Dschihadisten einzusetzen, so lange werden westliche Luftangriffe der Terrormiliz keinen entscheidenden Schlag beifügen können. Bente Scheller kommentiert.

von

Ein starker UN-Sicherheitsrat kann helfen die notwendigen Trennlinien zu ziehen zwischen inneren Gegnern im Bürgerkrieg und den Aggressoren des IS, die die Staatenordnung der UN generell negieren, sagt Joscha Schmierer.

von

Keine militärische Streitmacht wird den Islamischen Staat ohne eindeutige Strategie und ohne Unterstützung der lokalen Bevölkerung besiegen. Luftangriffe ohne eine partizipative Strategie, die dem Schutz der Zivilbevölkerung die höchste Priorität einräumt, werden nur das Leiden der Zivilbevölkerung vergrößern.

Stadtwappen Paris
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Das Parlament hat die Verlängerung des Ausnahmezustands um drei Monate beschlossen, außenpolitische Koordinaten verschieben sich seit dem Anschlag rasant. Was passiert da gerade in Frankreich?

Polizist vorm Louvre
von

Mit den Anschlägen von Paris steigt der Druck auf die Regierungen, sich mit ISIS auseinanderzusetzen – doch wie? Noch scheint der Westen keinen Plan zu haben. Ein Kommentar.

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Welche Ziele verfolgt Russland in Syrien, inwieweit verknüpft die russische Regierung Außen- und Innenpolitik, und wie sind die hohen Zustimmungswerte für Präsident Putin angesichts der kritischen wirtschaftlichen Lage zu erklären - darüber haben Experten aus Russland und Deutschland Anfang November in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin diskutiert.

Publikation

Millionen Syrer sind von ihrem Wohnort geflüchtet, entweder im Land selbst oder manchmal sehr fern der Heimat. Das Magazin beleuchtet einige Schwerpunkte der syrischen Flüchtlingsproblematik durch Betroffene, die diese Tragödie leben.

Stimmen aus der Region

Mohammad al-Attar, syrischer Dramatiker und Theatermacher
von
Das Regime darf für den Einsatz chemischer Waffen nicht ungestraft bleiben. Wenn die USA und ihre Alliierten nicht handeln, werden sich die Menschen noch isolierter fühlen als zuvor und sie werden erfahren, dass es keine Grenzen der Brutalität gibt.
von
Der Appell des syrischen Schriftstellers und Systemkitikers Yassin al-Haj Saleh, veröffentlicht Anfang Juli in Le Monde, ging um die Welt. In seinem Aufruf bittet Saleh die Weltgemeinschaft, im Syrienkonflikt Stellung zu beziehen und die syrischen Revolutionäre zu unterstützen.
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Auch nach zwei Jahren Blutvergiessen haben die Syrer das Regime noch nicht gestürzt und ihre Freiheit erlangt. Welche Faktoren die Revolution beeinflussen und welche geostrategische Rolle die involvierten Staaten dabei spielen, erklärt der libanesische Professor und politische Autor Ziad Majed im Interview.
von
Größere Unterstützung in der globalen Zivilgesellschaft zu gewinnen, gelingt der syrischen Revolution in den täglichen Medien nicht. Islamophobie, eine herablassende Perspektive auf die arabische Welt, Verschwörungstheorien und Geopolitik verstellen den Blick auf den Kampf syrischen Bevölkerung gegen ein tyrannisches Regime.
von
Vielen Menschen in Deutschland ist klar, dass es um einen echten Befreiungskampf gegen eine brutale Diktatur und für Demokratie und Menschenrechte geht. Hier könnte ein Ansatz zu einem neuen Internationalismus liegen, der danach fragt, wofür die Menschen kämpfen und sie nicht erst einmal in ein geopolitisches Geflecht einordnet.

Special

Sechs syrische Aktivistinnen und Aktivsten waren im Jahr 2012 zu Gast im Heinrich-Böll-Haus Langenbroich, dem ehemaligen Sommerhaus Heinrich Bölls. Zu ihrer persönlichen Situation, auch zu ihren Erwartungen an die internationale Gemeinschaft und an Organisationen wie die Heinrich-Böll-Stiftung sprachen sie mit Nevin Ekinci.

Video: "Transitional Justice"

Video: "Minorities"

Weitere Artikel

Flugzeug der Russsichen Luftwaffe und ziviler Airbus.
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Russlands Militär bombardiert Ziele in Syrien. Doch Beobachter/innen bezweifeln, dass eine Kooperation mit Russland ein geeignetes Mittel beim Kampf gegen den IS ist.

Homs, Juni 2014
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Als die staatliche Nachrichtenagentur SANA ihre Kampagne #SummerInSyria lancierte, rechnete sie nicht mit der Reaktion syrischer Aktivist/innen. Statt Partybilder lieferten diese nämlich die Realität.

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Mit einer Flugverbotszone lässt sich der Konflikt in Syrien nicht lösen, dennoch ist sie ein wichtiger Schritt, auf dem Weg dies zu erreichen.

Syrische Flüchtlinge im Libanon
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1,1 Millionen Syrer/innen sind in den Libanon geflohen. Ein großer Teil der Bevölkerung sieht deshalb die Sicherheit des Landes bedroht. Welche Maßnahmen müssen der Libanon und die internationale Gemeinschaft zum Schutz der Geflüchteten jetzt ergreifen?

Syrische Kurd/innen fliehen in die Türkei.
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Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es auf der Welt über 50 Millionen Flüchtlinge. Wesentlicher Grund dafür ist der Krieg in Syrien und die Zunahmen der gewaltsamen Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent.

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Damit weniger Syrer ins Land kommen, wurde im Libanon die Visumspflicht eingeführt. Eine absurde und auch gefährliche Aktion.

Keine Bomben in Syrien
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Improvisiert, wahllos, tödlich: Die meisten Zivilisten sterben in Syrien durch Fassbomben. Bereits vor einem Jahr haben die Vereinten Nationen Fassbomben verboten. Nun fordern Aktivisten eine Umsetzung der Resolution. Ein Plädoyer.

Assad Porträt
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Wenn man einen Tyrannen nicht stürzen kann, muss man eben mit ihm kooperieren. Diese Schlussfolgerung ist in ihrer Schlichtheit so bedrückend wie unausgereift. Ein Kommentar.

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Der Krieg in Syrien und die wiedererstarkte Diktatur in Ägypten werfen den Friedensprozess auf den Haufen der Geschichte. Ein Kommentar.

Einführung

Die Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet im Nahen Osten und Nordafrika mit Büros in Beirut, Ramallah, Tel Aviv und Tunis und ist mit  Partnerprojekten in Libanon, Syrien, Irak, Palästina, Jordanien, Israel, Ägypten und Tunesien präsent. Von Berlin aus erfolgt die Arbeit zum Iran. 

Veranstaltungen

26. Mai.
Asyl- und Flüchtlingspolitik in Europa
Berlin

Kontakt

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Nachrichten und Analyse

Unser monatlich erscheinender Iran-Report von Bahman Nirumand bietet einen Überblick über die innenpolitische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Iran und der iranische Außenpolitik.

Dossier

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Das englischsprachige Webdossier "Tough Love? The Future of US-Israel Relations" unseres Büros in Washington beleuchtet die Beziehungen zwischen USA und Israel.

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