Klima und Wandel in Amazonien

Wirtschaft und Regenwald – Geht das zusammen?

Forum 5: "Politische Steuerungsoptionen für Amazonien"

2. März 2008
Von Torsten Arndt

» Auftakt der Konferenz Klima und Wandel in Amazonien am 27.2.2008
» Zweiter Tag der Konferenz

Ein völliger Stopp der Abholzung des Regenwaldes ist unmöglich und gehört auch nicht zu den Zielen der brasilianischen Regierung. Diese nüchterne Feststellung von Umweltrechtler José Benatti vom Institut für Landfragen Pará stellte sich zum Abschluss des Entwicklungspolitischen Forums am Freitag als ein Leitmotiv des Vormittags heraus. Denn eines wurde in der Diskussion über "Politische Steuerungsoptionen für Amazonien" sehr schnell deutlich: Ein effektiver Schutz des Regenwaldes wird ohne Richtlinien für dessen Bewirtschaftung kaum zu erreichen sein.

Kontrolle, Bestrafung und Landreform

Entwaldung ist nicht gleich Entwaldung. Der Vertreter des brasilianischen Umweltministeriums Jorg Zimmermann stellte klar, dass seine Regierung mit ihren Maßnahmen zum Schutz des Regenwaldes in erster Linie die illegale Abholzung ins Visier nehme. Der Erfolg dieser Strategie hänge davon ab, ob es dem Staat gelingen wird, im Amazonasgebiet wirksame Überwachungs- und Sanktionsmechanismen zu etablieren.

Neben der Verfolgung von Umweltverbrechen will Brasilien eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes durch die bisher vernachlässigte traditionelle Bevölkerung fördern. Genau zugeschnittene Nutzungslizenzen und die Vergabe von langfristigen Krediten sollen wichtige Werkzeuge dieser Politik werden. Im Bundesstaat Pará verpflichtet bereits heute ein Gesetz die Käufer von Waldgebieten dazu, 80 Prozent des erworbenen Landes nur nachhaltig zu bewirtschaften.

Die Regulierung des Landbesitzes ist in Brasilien angesichts der regelmäßigen Vertreibung von ansässigen Kleinbauern und Pächtern zugleich ein Kampf für Umweltschutz, Demokratie und Menschenrechte. Leticia Tura beklagte, dass die bisherigen Gesetze es der traditionellen Bevölkerung im Amazonasgebiet erschweren, eigene Landrechte geltend zu machen. Darüber hinaus gebe es mittlerweile eine Art "grünen Kolonialismus", bei dem Unternehmen sich großer Waldgebiete bemächtigen, um Handel mit Umweltprodukten zu betreiben oder sich für den internationalen CO2-Markt zu rüsten.

Was kann Deutschland tun?

Offenbar eine ganze Menge. Die Bundesregierung setzt sich auf multilateraler und bilateraler Ebene gegen die Entwaldung im Amazonasgebiet ein. Bei den internationalen Verhandlungen über das Übereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD [Link: http://www.cbd.int/]) spielt Deutschland Jochen Flasbarth vom Bundesumweltministerium zufolge eine Vorreiterrolle. Dabei sei die deutsche Delegation allerdings regelmäßig von zahlreichen "Blockierern" umgeben, zu denen leider auch Brasilien gehöre.

Die direkte Zusammenarbeit zwischen der deutschen und brasilianischen Regierung ist anscheinend positiver geprägt. Dorothea Groth vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung lobte das "Pilotprogramm zur Bewahrung der tropischen Regenwälder Brasiliens" (PPG7) das in diesem Jahr ausläuft. Bei einem Folgeprogramm müsse darauf geachtet werden, dass die Kooperation mit den anderen Staaten Amazoniens und den engagierten Nichtregierungsorganisationen verstärkt wird. Auch mit den vermeintlichen "Feinden" des Regenwaldes müsse verhandelt werden. Dazu gehören beispielsweise die Weltbank und das brasilianische Agrobusiness.

Groth appellierte auch an die deutschen Verbraucher. Damit rückte das Problem der Nachfrage nach den Produkten der Entwaldungsindustrie in den Vordergrund. Die riesigen Rinderfarmen Amazoniens sind letztlich nur deshalb profitabel, weil das billige Fleisch in aller Welt gekauft wird. Appelle an ein verantwortungsbewusstes Kaufverhalten werden allerdings angesichts der komplexen Zusammenhänge kaum ausreichen. Regine Rehaag vom Kölner Institut für angewandte Umweltforschung "Katalyse" war überzeugt, dass es niemandem zuzumuten sei, vor dem Kauf von Lebensmitteln aufwändige Nachforschungen für eine "private Masterarbeit" über deren Herstellung anzustellen. Die Einführung überzeugender Label und konsequente Informationskampagnen seien effektivere Mittel, die allerdings auch entsprechend finanziert werden müssten.

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