Trotz aller Euphorie sind vielerorts kritische Stimmen zu vernehmen. Die neuesten medizinisch-technischen Entwicklungen stellen unser Wertefundament, unser Menschenbild insgesamt in Frage: Wird angesichts des technologischen Fortschritts noch länger von einer »Natur« des Menschen die Rede sein können? Was überhaupt ist menschliches Leben? Wann beginnt und wann endet es? Wie definiert sich sein »Wert«? Was wird aus den Idealen Freiheit, Verantwortung, Selbstbestimmung und Würde, wenn der Mensch zunehmend als genetisch oder hirnphysiologisch determiniertes »Objekt« gedacht wird? Was geschieht, wenn der Mensch zur manipulierbaren »Ressource« einer entfesselten Biotech-Wirtschaft verkommt? Welche moralische Verantwortung haben die Wissenschaften gegenüber dem Leben? Und darf der Mensch alles, was er kann?
Gefragt wird nach einer bislang unzureichenden Verzahnung der Geistes- und Naturwissenschaften: Wo verlaufen die humanmedizinischen, ethischen, verfassungsrechtlichen, politischen etc. Grenzen zwischen Fortschrittsoptimismus und Machbarkeitswahn, zwischen der Verfügbarkeit und der Unverfügbarkeit menschlichen Lebens?
Die Veranstaltungsreihe "Grenzgänge" soll eben diese Demarkationslinien ausloten. Gemeinsam laden die Grüne Akademie der Heinrich-Böll-Stiftung und das MenschenRechtsZentrum der Universität Potsdam dazu ein.