Trotz aller Euphorie sind vielerorts kritische Stimmen zu vernehmen. Die neuesten medizinisch-technischen Entwicklungen stellen unser Wertefundament, unser Menschenbild insgesamt in Frage: Wird angesichts des technologischen Fortschritts noch länger von einer »Natur« des Menschen die Rede sein können? Was überhaupt ist menschliches Leben? Wann beginnt und wann endet es? Wie definiert sich sein »Wert«? Was wird aus den Idealen Freiheit, Verantwortung, Selbstbestimmung und Würde, wenn der Mensch zunehmend als genetisch oder hirnphysiologisch determiniertes »Objekt« gedacht wird? Was geschieht, wenn der Mensch zur manipulierbaren »Ressource« einer entfesselten Biotech-Wirtschaft verkommt? Welche moralische Verantwortung haben die Wissenschaften gegenüber dem Leben? Und darf der Mensch alles, was er kann?
Gefragt wird nach einer bislang unzureichenden Verzahnung der Geistes- und Naturwissenschaften: Wo verlaufen die humanmedizinischen, ethischen, verfassungsrechtlichen, politischen etc. Grenzen zwischen Fortschrittsoptimismus und Machbarkeitswahn, zwischen der Verfügbarkeit und der Unverfügbarkeit menschlichen Lebens?
Die Veranstaltungsreihe "Grenzgänge" soll eben diese Demarkationslinien ausloten. Gemeinsam laden die Grüne Akademie der Heinrich-Böll-Stiftung und das MenschenRechtsZentrum der Universität Potsdam dazu ein.
- Was wird aus der Natur, dem Wesen und der Identität des Menschen, wenn dessen organisches Substrat zunehmend durch nanotechnische Implantate und Prothesen ersetzt wird? mehr»
Spritzensport. Die (un-)heimliche Komplizenschaft mit dem Doping – - Warum gilt ein Wettbewerbsvorteil durch ein besseres Sportgerät als legitim, nicht aber ein pharmakologisch erzeugter Vorsprung? Und wie kommt es, dass trotz aller Skandale der Vergangenheit noch immer ein weit verbreiteter Widerwille gegen eine tiefgreifende Bekämpfung des Problems zu spüren ist? mehr»
Demenz und DemografieWege aus der Hysterie einer alternden Gesellschaft – - In Deutschland leben derzeit etwa eine Million Menschen mit einer mitelschweren bis schweren Demenzerkrankung. Im Jahre 2050 werden es bereits doppelt so viele sein. Man wird also die Frage gar nicht nüchtern genug stellen können: Wie lässt sich die derzeitige Hysterie in einen verantwortungsbewussten, gerontologischen Diskurs über Vor- und Nachteile einer unumkehrbar älter werdenen Gesellschaft überführen? mehr»
Leben im Internet. Realität und Virtuelle Verdopplung – - Jenseits der Diagnose von Suchtpotenzial und jenseits einer "Angstindustrie": Wie greift diese Online-Zukunft in unsere Wirklichkeit, unser Bewusstsein, unser Zusammenleben ein? Wie verändert die voranschreitende Online-Virtualität unsere Gesellschaft und die öffentliche Kommunikation? mehr»
Das Hirn ist schuld. Wieviel Verantwortung hat der Mensch? – - Wir sind Wesen aus Fleisch und Blut mit Bedürfnissen, Trieben und Gewohnheiten. Unsere biologische Abstammung programmiert uns zum unser Überleben. Gene bestimmen die körperliche und geistige Grundausstattung. Unbewusste Sehnsüchte und Triebe lenken unsere Psyche. Sozialisation prägt unsere Reaktionen und Geschmäcker. Sprache und Gefühle erlernen wir im sozialen Gebrauch. Was heißt da noch Freiheit?
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Der Kampf um Gesundheit. Über Nieren, künstliche Hüftgelenke und andere knappe Ressourcen – - Die volkswirtschaftliche Entwicklung hält mit den Fortschritten in der modernen Humanmedizin kaum Stand. Die wachsenden diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten überfordern das Budget der Gesundheitsversorgung. Medizinisch Machbares, Notwendiges und Sinnvolles klaffen zunehmend auseinander. mehr»
Konsumromantik. Lieben und Leben im Kapitalismus – - Es scheint, als könne man die Frage nicht pathetisch genug formulieren: Was nur wird aus der Liebe, wenn der spätkapitalistische Alltag zu Profanität, Mobilität und Oberflächlichkeit, kurz: zur Lieblosigkeit zwingt? mehr»
No Body is Perfect. Der Umbau des menschlichen Körpers – - Schönheitschirurgie, Anti-Aging-Programme und medizinische Techniken, die eine nicht-krankheitsbezogene Behandlung und Manipulation menschlicher Natur bewirken, nehmen auffallend zu: Das menschliche Streben nach Perfektion schlägt ins Monströse um. mehr»
Das erschöpfte Selbst. Spätmodernes Leben zwischen Depression und Prozac – - Nach Angaben der WHO ist die Depression, weltweit gesehen, die Volkskrankheit Nr. 1. Allein in Deutschland leiden bis zu vier Millionen Menschen an depressiven Störungen. Tragen die modernen Lebensverhältnisse zu dieser dramatischen Entwicklung bei? mehr»
Das Ende der Endlichkeit? Leben und Sterben heute – - Mit dem medizinischen Fortschritt unserer Tage hat die Auflehnung des Menschen gegen die eigene Vergänglichkeit eine neue Dimension angenommen: Zell- und Hormonforscher kommen dem Alterungsprozess auf die Schliche, Genfahnder wollen Krankheiten "im Keim" ersticken. Die Apparate-Medizin dehnt die Lebensspanne des Menschen nahezu beliebig aus. Der Kampf um "Unsterblichkeit" geht in eine neue Runde. mehr»