"Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört"

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Fischer in Dakar: Etwa 600.000 Menschen verdienen in Senegal ihren Lebensunterhalt in diesem Sektor. Urheber/in: IFPRI. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Der Großteil der Fluchtursachen liegt nicht in den Ländern des Südens, sondern in Europa: Wegen Überfischung und Landgrabbing sehen immer mehr Menschen im Senegal keine Perspektive mehr und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand.

Verfolgt man die aktuelle Diskussion um Flucht und Migration, vor allem aus Afrika, bekommt man schnell den Eindruck, alle Migrationswege weltweit führten nach Europa. Das immer wieder bemühte Bild von „Flüchtlingsströmen“, die Europa zu „überschwemmen“ drohen, ist jedoch ein Zerrbild. Der Großteil weltweiter Migration findet innerhalb der Herkunftsländer der Flüchtenden beziehungsweise Migrant/innen statt oder hat die Nachbarländer als Ziel.

Die Aufrufe deutscher und europäischer Politiker, die Ursachen von Migration und Flucht zu bekämpfen, verschweigen einen entscheidenden Aspekt: Ein Großteil dieser Ursachen ist nicht in den Ländern des Globalen Südens zu finden, sondern in Europa. „Es ist nicht einfach, hier zu bleiben und nichts zu tun zu haben. Also habe ich Verantwortung übernommen und bin [mit dem Boot] aufgebrochen. Aber ich bin nicht gegangen, um zu sterben, sondern um erfolgreich zu sein“, erzählte mir Mamadou 2009 auf die Frage, warum er sein Glück mit der Bootsmigration auf die Kanaren versucht hatte.

Um zu verstehen, warum vor allem junge Menschen keine Perspektive im Senegal sehen und emigrieren, muss man sich in Fischerei und Landwirtschaft umschauen. Die Fischerei spielt für die Wirtschaft und Ernährungssicherheit des Senegal eine bedeutende Rolle. Zirka 600.000 Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt in diesem Sektor, gleichzeitig hat er mit illegaler Überfischung durch ausländische Flotten und mit senegalesischen Fischern zu kämpfen, die nicht zugelassen sind. Nach dem Regierungswechsel 2012 löste der neue Präsident Macky Sall zunächst sein Wahlversprechen ein und hob internationale Fischereiabkommen auf, die zu Überfischung geführt hatten.

Landnahme in großem Stil durch ausländische Investoren

Im Mai 2014 jedoch schlossen Senegals Regierung und die Europäische Union ein Fischereiabkommen, das diese Schritte des Präsidenten wieder zunichtemachte und von den senegalesischen Fischern massiv kritisiert wurde. Die EU hat sich in diesem Abkommen verpflichtet, innerhalb von fünf Jahren 15 Millionen Euro an den Senegal zu zahlen, und bekommt dafür die Rechte, 14.000 Tonnen Thunfisch pro Jahr vor der senegalesischen Küste zu fischen.

Adama Lam, Vizepräsident des Groupement des Armateurs et Industriels de la Pêche au Sénégal (GAIPS), greift diese Vereinbarung scharf an: „Die Senegalesen, die sich auf Thunfischfischerei spezialisieren möchten, bekommen keine Genehmigung, während wir eben diese Genehmigungen den europäischen Fischereiflotten erteilen. Wir verscherbeln unsere Ressourcen und erlauben die Rekolonisierung durch Europa in diesem [Fischerei-]Sektor.“ Bezeichnend ist, dass zum ersten Mal seit 1980 die senegalesischen Fischereiverbände nicht in die Verhandlungen einbezogen wurden.Urheber/in: Heinrich-Böll-Stiftung. All rights reserved.

Ein weiteres Problem, das die Wirtschaft und vor allem die Ernährungssouveränität der Senegalesinnen und Senegalesen massiv beeinflusst und so in Zukunft vor allem interne Migrationsbewegungen auslösen könnte, ist „Landgrabbing“, Landnahme im großen Stil durch ausländische Investoren. Verlässliche Zahlen, wie viele Hektar Land bereits zum Anbau von Biokraftstoffen, Reis, Erdnüssen oder anderen Lebensmitteln für den Export nach China oder Saudi-Arabien an ausländische Investoren vergeben sind, liegen derzeit nicht vor. Die Nichtregierungsorganisation ENDA Tiers Monde und andere wehren sich jedoch mit dem Slogan „Touchez pas ma terre, c’est ma terre.“ (dt. „Fasst mein Land nicht an, das ist mein Land.“) gegen den Ausverkauf ihres Landes.

Dieser aktuelle Kontext senegalesischer Migration muss auch vor der langen Migrationsgeschichte des Senegal und der Region gesehen werden. Erst wenn man sie vor Augen hat, versteht man, warum Menschen dort oft eher eine Perspektive im Ausland als im Senegal sehen. Das Land ist, wie die gesamte Region Westafrika, seit jeher von Mobilität und Migration durch Arbeit, Handel und familiäre und soziale Bindungen jenseits nationaler Grenzen geprägt.

Vor allem die Migration nach Europa wurde zum Inbegriff des Erfolgs. Da die Einreise in die EU immer schwieriger wurde, ergriffen ab 2005 vor allem junge Männer ihre Chance, mit Pirogen, den senegalesischen Holzfischerbooten, die Kanarischen Inseln zu erreichen. Zuvor war der europäische Grenzschutz immer weiter ausgebaut und damit der Landweg von Westafrika über Marokko und die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla erheblich erschwert worden. So entstanden alternative Migrationswege über das Mittelmeer.

Migration als Protest gegen neokoloniale Ausbeutung

Bei der Migration aus dem Senegal, egal ob auf legalen oder illegalisierten Wegen, handelt es sich also auch aus der Geschichte des Landes heraus nicht um Flucht vor kriegerischen Auseinandersetzungen oder anderen akuten Katastrophen. Betrachtet man die gesamte westafrikanische Region, ist Senegal seit der Unabhängigkeit ein politisch stabiles Land, das stolz auf seine demokratische Tradition ist.

Die demografische Entwicklung mit einer vorwiegend jungen Bevölkerung, fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven und zu wenigen Arbeitsplätzen birgt jedoch genug Spannungspotenzial – das sich immer wieder Ventile sucht wie 2006 in der riskanten Bootsmigration oder der Protestbewegung beim friedlichen Regierungswechsel 2012 gegen ein drittes Mandat des damaligen Präsidenten Abdoulaye Wade. Vor diesem Hintergrund können Überfischung oder Landgrabbing das Fass zum Überlaufen bringen und zu Migration führen.

„Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört“ – dieser Slogan der Flüchtlingsorganisationen Karawane und The Voice in Deutschland und die Proteste der Geflüchteten zeigen deutlich, wovor die Menschen aus dem Senegal fliehen: fortbestehende Ausbeutung durch neokoloniale Strukturen wie Überfischung oder Ausrichtung der Landwirtschaft auf den Export statt auf Ernährungssouveränität im Land. Die Anthropologin Jayne O. Ifekwunigwe betont die Eigeninitiative der senegalesischen Migranten und sieht Migration als Protestform. Anstatt tatenlos im Senegal zu bleiben, wo sie keine Perspektive sehen, werden die Migranten aktiv und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand.

Ein Beitrag aus dem Böll.Thema 3/2014 "Niemand flieht ohne Grund".

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Kommentare

Danke dafür. Schade dass sich die deutsche Medienwelt dieser Argumentation bzw. diesen Hintergründen verschliesst. Ja, ich weiß, es ist zu unpopulär und würde u.a. die Werbeeinnahmen reduzieren.

Vielen Dank für diesen Artikel. Diese Zusammenhänge müssten endlich viel mehr Menschen begreifen und entsprechend handeln!

sowas Pauschales hab ich auch lange nicht gehört... natürlich: Deutschland hatte ja die meisten Kolonien überhaupt, was ? und was den Neokolonialismus angeht, weil die Ärmsten der Armen, was vom Wohlstandskuchen mithaben wollen und es ihnen ja durch TV und Internet schmackhaft gemacht wird, sind sie bereit FÜR die Billigketten zu arbeiten. Sie möchten keine Reispflücker und Selbstversorger mehr sein. In Asien wird ja alles dafür getan, dass die Leute ihr Landleben aufgeben, um für Westkonzerne zu schuften. Sie müssen es aber nicht ! und wer ist denn die grösste Billigschleuder ? CHINA... die wollen die Flüchtlinge aber auch nicht haben, stattdessen besetzen sie Amerika und überfluten die Afrikaner mit ihrem Billigschrott... natürlich kaufen wir das Zeug, weil es angeboten wird. Da muss die Politik dafür sorgen, dass Firmen wie H&M und Primark gar keine Filialen eröffnen dürfen. Also wer ist Schuld ? Das hier ist oberflächlicher Blödsinn !!

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Artikel glänzt durch pauschale idiologische Aussagen. Bitte beantworten sie bzw. stellen sie sich diese Fragen.

Wurde die Regierung im Senegal gezwungen zum Fischereiabkommen?
Wird das Land enteignet oder aufgekauft?
Wird hier Druck auf den Verkäufer ausgeübt?
Erhält der Besitzer den Erlös?

Weshalb werden mit den 15 Millionen für das Fischereiabkommen keine Infrastruktur aufgebaut?

Weshalb ist Deutschland/EU für die Verhältnisse vor Ort verantwortlich?

jetzt reicht es aber langsam. Nicht wir Deutschen zerstören die Länder Afrikas, sie wird zerstört von Konzernen aus den USA und vor allem durch die Bevölkerungsexplosion. Die Menschen fressen ihr eigenes Land leer. Warum ist es so schwierig, dieses größte Problem einmal offen auszusprechen?

Danke dafür. Schade dass sich die deutsche Medienwelt dieser Argumentation bzw. diesen Hintergründen verschliesst. Ja, ich weiß, es ist zu unpopulär und würde u.a. die Werbeeinnahmen reduzieren.

stimmt die reichen Nationen verhalten sich wie Raubritter.nicht nur die deutschen.sondern auch China 2x,korea,russ.,europa, und so weiter.
aber die schlimmsten sind doch die eigenen korupten localen Politiker die ihre Landsleute ausbeuten.

Vielen Dank für diesen Bericht. Ein weiterer Faktor spielt im Senegal und anderen Ländern eine ebenfalls große Rolle, die zur Verarmung der Bevölkerung beiträgt: Lebensmittel aus subventionieren Überproduktionen der EU werden zu Dumpingpreisen auf den Senegalesischen Markt geworfen und machen somit die heimische Wirtschaft kaputt. Belgisches Huhn, holländische Tomaten u.s.w. habe ich selber schon in Dakar auf den Wochenmärkten gesehen. Milchpulver. Billiger als Frischmilch von heimischen Bauern sorgt für Mangelernährung der Kinder. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Ich verweise auf den Film "we feed the world" wo diese Missstände erläutert werden. Zitat: "wenn Ihr (Europäer) uns uns selbst ernähren lassen würdet, bräuchten wir eure Hilfe nicht"
Das sollten sich all jene mal vor Augen führen, die hier gegen Asylbewerber wettern: der Kolonialismus wird heutzutage mit anderen Mitteln fortgesetzt und begründet unseren Wohlstand! Da ist es nur Recht, einen Teil dieses Wohlstandes solidarisch zurück zu geben! Von dem menschlichen Aspekt mal ganz abgesehen.
Habe Familie im Senegal und kenne die Problematik aus erster Hand.

Dieser Beitrag beschreibt nur einen Aspekt der ganzen Wahrheit.

Ein viel größeres Problem als der Verkauf von Fischereirechten stellt der Abbau von subventionierten EU-Überproduktionen in Afrika dar: Sie bekommen in Dakar und sonstwo in Westafrika Tomaten aus Holland, Hähnchen aus Belgien und Milchpulver aus der EU. Diese Waren werden dort zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen, mit denen die heimischen Bauern nicht mithalten können.

Ich verweise hier auf den Film "we feed the world" (Erwin Wagenhofer), der diese Zusammenhänge anschaulich darstellt. Zitat einer Rinderzüchterin: "lasst uns die Chance, uns selbst zu ernähren, dann brauchen wir eure "Hilfe" nicht.
Auf diese und andere Weise (Stichwort Altkleider, Elektroschrott...) findet in der Tat noch immer eine perfide Form von Kolonialismus statt, der sehrwohl auch zu unserem Wohlstand beiträgt. Da ist es nicht mehr als Recht, einen Teil solidarisch davon wieder zurückzugeben, vom humanitären Aspekt mal ganz abgesehen.

Nur weil da irgendjemand irgendeinen Scheiss erzählt,muss man sich in Europa kein Büsserhemd anziehen. Landgrabbing und Überfischung geschieht hauptsächlich durch China.Aber, wie hier ja auch andere posten,gebären gebären ,gebärenohne jegliche Nachfrage , ob man den Nachwuchs auch ernähren kann. Wenn ich 2000 qm.Land habe ,kann ich nicht erwarten,damit 7 Kinder zu ernähren. Die Schwarzen sind doch nicht entmündigt, oder alle schwachsinnig---das Fehlverhalten der Leute brauchen wir uns nicht aneignen.

So ein Blödsinn! Deutschland ist noch nicht einmal ein souveränes Land, sondern selber eine Kolonie der USA. Die USA hingegen zettelt überall auf der Welt Kriege an. Früher haben die Grünen den US-Imerperialismus noch beim Namen genannt, aber inzwischen sind sie wohl auch schon gekauft worden. Da bleibt ihnen nicht mehr viel, außer der guten alten anti-deutschen Tour.

Sorry aber wenn die leute zu "dumm" bzw. zu faul sind selbst exportwirtschaft zu betreiben, sie dann ihr land an leute verkaufen die daraus profit schlagen, die leute dann auswandern weil sie im eigenen land versagt haben und wir dann hier ein problem haben da sie weder an integration noch am arbeit interessiert sind und man das ganze dann als "protestwelle in form von emigration" bezeichnet, finde ich das nur noch lachhaft... baut euch doch ein eigenes land auf und führt eure eigene ach so gute planwirtschaft ein. Mal schauen wie gut es euch dann geht wenn jeder denkt der andere macht also muss ich nicht.

Um einmal ein paar landwirtschaftliche Grundkenntnisse zu bemühen, die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland hat sich auch auf wenige Prozent der vielen Kleinbetriebe reduziert, die es noch vor hundert Jahren gab. Entsprechend hat sich (Kaufkraft-bereinigt) übrigens auch der Erlös pro Wareneinheit reduziert.
Meine Großeltern konnten noch von 10hektar Ackerland, 4 Kühen und dem üblichen Kleinvieh leben. Heute würde ein Landwirt so einen Betrieb mehr oder weniger für den Eigenbedarf betreiben und ansonsten einer Erwerbsarbeit nachgehen oder mit HARTZIV aufstocken. Mit dem Senegalesischen Kleinbauern verhält es sich genauso: Er bestellt seinen Acker für den Eigenerwerb und die Söhne gehen zum Aufstocken nach Germany.

wer hat denn die Regierungen gezwungen dieses Fischereiabkommen abzuschließen. Und was ist mit den anderen Ländern in Afrika - haben die auch alle ein Fischereiabkommen - oder ein Rosenabkommen - oder ein Schürfabkommen.
Wie steht es um die Aktivitäten anderer nichteuropäischer Länder z.B. China, haben die nicht schon halb Afrika aufgekauft?
Was ist mit afrikanischen Diktatoren, die ihre Länder runterwirtschaften?
Afrika ist groß und schön, es könnte sich leicht selbst ernähren. Fragen Sie mal Herrn Mobutu warum das nicht geht.
Die Stellungnahme des Artikels ist einseitig und daher ärgerlich. Bleiben Sie seriös, berichten Sie ausgewogen, dann bekommen Sie auch Unterstützung - so nicht.

Danke für diesen guten Artikel, der im Übrigen nur einen Teil des neokonolialistischen Verhaltens der "reichen" Nationen benennt. Die Realität ist ja noch viel schlimmer und die Liste der Vergehen ist lang und unmenschlich. Leider sind derartige Wahrheiten nicht besonders populär, was sich am Verhalten der Verantwortlichen (Politik und Wirtschaft), der üblichen Berichterstattung (TV und Internet) und auch der Reaktion des "einfachen Volkes" (eines Teils, wie zu lesen ist) zeigt. Ist halt unangenehm derartige Wahrheiten anzunehmen, allerdings macht das Verleugnen die Probleme nur größer. Und "unser" Verhalten wird uns zwangsläufig auf die Füße fallen - leider...

Naja... IHRE Regierung hat dem Abkommen zugesagt. Schlussendlich sind Sie genauso Schuld

"Der französische Staat kassiert von seinen ehemaligen Kolonien jährlich 440 Milliarden Euro an Steuern. Frankreich ist auf die Einnahmen angewiesen, um nicht in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit zu versinken, warnt der ehemalige Präsident Jacques Chirac. Der Fall zeigt: Eine gerechte Welt ist schwer möglich, weil die ehemaligen Kolonialmächte von der Ausbeutung selbst abhängig geworden sind." Europa kann sich nicht aus der Verantwortung ziehen! http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/03/15/frankreich-kann-se...

und nicht vergessen:

"...Eine Untersuchung über die Verbindung zwischen italienischer Mafia, somalischen Piraten und schmutzigen Giftmüllgeschäften..."

Somalia und die Giftmüllmafia
https://youtu.be/j4r1DZvU9es

So einen ideologischen Blöd sinnhabe ich lange nicht gelesen!

Ein Artikel der so einiges auf den Punkt bringt, allerdings auch keine wirklich neuen Aspekte zur Diskussion beisteuert.
Wie sich an den Kommentaren ablesen lässt, reicht diese Ansammlung lang bekannter und hinreichend belegter Zusammenhänge aus, um den Unmut der Rassisten/Pegida- und Stammtischfraktion hervorzurufen.
Die meisten dieser Kommentare verdienen es nicht, durch eine Antwort legitimiert zu werden. Irgendwie fühlt man sich im Glauben an die menschliche Fähigkeit zur Erkenntnis dennoch dazu gedrungen, auf einige Fragen zu reagieren. Auch wenn der Fragende sich der Antworten schon sicher wähnt.
Daher wende ich mir hier explizit an Herrn Nowatzke:

"Wurde die Regierung im Senegal gezwungen zum Fischereiabkommen?"
Sie dürfen davon ausgehen, dass dieses Vorhaben bedingend an andere Maßnahmen der "wirtschaftlichen Zusammenarbeit" geknüpft wurde. Davon abgesehen ist es kein Geheimnis, dass eurpäische/amerikanische Großunternehmen von den schwach ausgeprägten staatlichen Strukturen und der Korruption in Ländern außerhalb der ersten Welt profitieren.

"Wird das Land enteignet oder aufgekauft?"
Das hängt ganz davon ab, wie Sie Eigentum definieren. Da mag es Landbevölkerung geben, die das Land traditionell nutzte, lange bevor der Staat Senegal überhaupt existierte. In der Regel werden diese Leute nicht gefragt, wenn ein solcher "Aufkauf" stattfindet.

"Wird hier Druck auf den Verkäufer ausgeübt?"
Die Frage ist im Prinzip mit den vorherigen Antworten abgehakt.
Der Verkäufer ist in den meisten Fällen wohl niemand, den man als rechtmäßigen Besitzer bezeichnen könnte.

"Erhält der Besitzer den Erlös?"
Wieder stellt sich die Frage nach dem "Besitzer"...

"Weshalb werden mit den 15 Millionen für das Fischereiabkommen keine Infrastruktur aufgebaut?"
Ist diese Frage Ihr Ernst oder ist das eine besonders widerliche Form von Hohn? Was glauben Sie, was man mit 15 Mio. Euro (in 5 Jahren!!!) an Infrastrukturmaßnahmen realisieren kann??? Davon abgesehen möchte ich Ihnen den Tip geben, mal den Marktwert von 14.000t Thunfisch (pro Jahr!) zu recherchieren und das dann mal ins Verhältnis zu setzen

"Weshalb ist Deutschland/EU für die Verhältnisse vor Ort verantwortlich?"
Ich würde Ihnen dringendst empfehlen, sich ein wenig mit geschichtlichen Zusammenhängen und den Zusammenhängen in einer globalisierten Wirtschaft zu beschäftigen.

Ich habe Ihnen nun einige Anreize gegeben, sich tiefer gehend mit der Thematik auseinander zu setzen. Natürlich habe ich keine erschöpfenden Antworten gegeben. Aber falls Sie gewillt und fähig sind eigenständig zu denken, können Sie sich vielleicht mit ein wenig Recherche (dafür rate ich nachdrücklich von der BILDzeitung als Quelle ab) ein unabhängiges Bild von den Zusammenhängen verschaffen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Vergnügen und reichhaltigen Erkenntnis-Gewinn!

MfG

60 Mio kg Thunfisch haben einen Verkaufswert von ~ 18 Mrd. Euro.
Bei einer Investition von 15 Mio. Euro ein Schnäppchen.
Oder anders gerechnet:
Die EU zahlt für fünf Jahre jedem Senegalesen 1 Euro und bekommt von ihm 4 kg Thunfisch. Die Metro verkauft das Kilo für 30 €.
Soll das fair sein?
Denke mal in der EU wissen sie echt nicht mehr den Unterschied zwischen Millionen und Milliarden.
Kein Wunder bei unserer einfältigen Schulbildung.
Um was geht es also der Friedensnobelpreisträgerin EU?
Menschenrechte oder Profit?

Hier wird doch nur das typische traditionelle Afrika-Bild bedient, dass hilft auch nicht weiter.
Nun, ich habe mir die Situation dort unten in Westafrika mit eigenen Augen angesehen. Es gibt dort unten viele Low-Budget Möglichkeiten um Geld zu verdienen. Leider fehlt es der Jugend an Unternehmergeist und eigenständigem Denkvermögen - woher soll dies auch kommen bei deren streng hierarchischen Familien Strukturen. Dazu kommt, dass nur der Erstgeborene alles erbt und der Rest ein Bleiberecht erhält, was einer Knechtschaft gleichkommt.

Täglich verbreitet Radio Dschihad Propaganda, fordert von Frauen viele Kinder zu gebären, damit eines Tages die Ungläubigen überrannt werden können. Auf dem Land hat jeder Bauer drei Frauen. Familien mir 30 Kindern sind keine Seltenheit. Doch kümmert sich niemand darum seine landwirtschaftlichen Methoden effizienter zu gestalten, damit alle satt werden - überhaupt scheint sich keiner über die Zukunft Gedanken zu machen, Eigen initiative ist eher selten. Doch Eigeninitiative wird benötigt, sonst kann nicht geholfen werden.

Bis es soweit ist mit der Eigeninitiative, der Einigung in der EU Politik, wird China Afrika längst aufgekauft haben und sich der Jugendüberschuss (die Zweitgeborenen) nach Europa aufgemacht haben.

Dabei gibt es dort unten so viele Möglichkeiten! Statt der Förderung von Entwicklungshelfern und Forschern sollte man Jungunternehmern eine Möglichkeit bieten sich in diesen Ländern ansiedeln zu können, dass hat einen deutlich höheren Impact.

Aha "Wir" zerstören also diese Länder?
Ich habe meinen Heimatort nicht verlassen. Ich habe dort gar nichts zerstört. Ich habe noch nicht mal diese Scheindemokraten der EU und der BRD legitimiert.
Zerstört wurden viele Nordafrikanische Länder unter Beifallklatschen und Befürwortung der Grünen (Farbenrevolutionen, "Demokratisierung" von Irak und Libyen). Eure heißgeliebte EU war auch immer ganz vorn dabei. Nun sollen "Wir" das heißt nicht Ihr sondern wirklich wir die Suppe auslöffeln. Nein Danke.

Kann denn Deutschland was dafür dass die Regierung von Senegal das Geld behält und nicht an die Bürger abgibt bzw irgendwas sinnvolles für die Menschen damit macht? Ich glaube kaum.

Nicht die Tatsachen verdrehen. Der grossteil der f luechtlinge sind Kriegsflüchtlinge von den amis angezettelten kriegen. Sie verdienen Milliarden daran und uns in Europa schiebt man die f luechtlinge unter.sind wir schon ganz verbloedet.....

Ich finde es witzig, wie manche Probleme sehen und lösen möchten.
Wenn ein Eimer tropft und es soll aufhören zu tropfen, dann schlagen welche weitere Löcher in den Eimer, oder sie schütten das Wasser gleich aus, aber das eigentliche Ziel ist, dass das Wasser im Eimer bleibt.
Die einzig richtige Lösung ist, den Eimer abzudichten, dass das Tropfen aufhört.

Was bedeutet das für Afrika?

Nun Entwicklungshilfe einstellen, Handel einstellen, und Personenströme einstellen.
Von Afrika nichts nehmen und geben!
Kein Technologie Müll, keine Hunger Almosen wie Entwicklungshilfe oder Spenden jeglicher Art und keine Entwicklungshelfer, die nicht Entwickeln.

Ich sags mal so, Afrika ist wie ein Kind, durch das Ganze falsche Betüddeln, bleibt es ein Kind, es soll selbst zum Erwachsenen heran reifen.

Denn selbst ist der Mensch, Selbständigkeit und Eigenverantwortung für das Eigene Leben, sollte gegeben werden.

Dies kann man durch Bildung, Bildung, Bildung Bildung erreichen.

Führt in Afrika Kosten lose Schulen ein, es wäre günstiger, alle Schulkinder zu unterrichten und mit Nahrung zu versorgen, als es die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge hier in Europa wäre.

Es bedarf Aufklärung (nach Kant), und Bildung (nach Humboldt).

Diejenigen mit Helfersyndrom, ihr helft nicht, sondern macht es manchmal schlimmer.

Die Menschheit muss mal was richtiges machen!

Gutes tuen wollen bewirkt nicht immer Gutes.

Es ist verdammt schade, dass die Grünen wie aich andere Parteien scheinbar über solche Zusammenhänge informiert sind, aber dennoch nur Teil des Problems und nicht der Lösung sind. Krieg, Waffenexporte, eine bestimmte Art der Wirtschaftspolitik....an diesen Formen der Unmenschlichkeit sind die Grünen nicht nur beteiligt sondern auch gerne mal ganz vorne mit dabei!

Also Leute,
wenn ihr es wirklich mit Afrika gut meinen sollten, dann verzichtet auf den Fisch. Gibt den Leuten die Bildung die sie brauchen und hört herum zustochern. Afrika hat nie eine chance bekommen sich zu entwickeln, ständig stochert jemanden rum. Wenn ich jetzt in der Geschichte zurück blicke hat sich nix geändert, sondern nur die Herangehensweise.

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