Preis für Verwirklichung von Geschlechterdemokratie: Anne-Klein-Frauenpreis

Anne Klein
Zu Ehren Anne Kleins vergibt die Heinrich-Böll-Stiftung den Anne-Klein-Frauenpreis. Anne Klein hat als kämpferische Juristin und offen lesbisch lebende Politikerin feministische Pionierarbeit geleistet. Sie war die erste feministische Frauensenatorin in Berlin. Mit dem Preis fördern wir jährlich Frauen, die sich durch herausragendes Engagement für die Verwirklichung von Geschlechterdemokratie auszeichnen.
Der Preis ist mit 10.000 € dotiert.

Mit dem Anne-Klein-Frauenpreis würdigen wir das Lebenswerk Anne Kleins (1950 – 2011) und ihren Kampf für die Durchsetzung von Frauen- und Freiheitsrechten. Anne Klein war Feministin. Sie war Anwältin und Notarin, Senatorin im ersten rot-grünen Senat Berlins und in all diesen Tätigkeiten immer Kämpferin für Geschlechterdemokratie, Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung und Gewalt. Sie hat sich als Pionierin für feministische und frauenbewegte Angelegenheiten engagiert, Jahre bevor diese Themen im Mainstream angekommen waren. So hat Anne Klein als erste Frauensenatorin im Berliner Senat mit der Einrichtung des Referats für gleichgeschlechtliche Lebensweisen ebenso Meilensteine gesetzt wie mit ihrem Engagement für Frauenhäuser und gegen die Bagatellisierung von sexueller Gewalt in der Ehe.

Der Preis wird an Frauen aus dem In- und Ausland verliehen, die sich herausragend für die Verwirklichung von Geschlechterdemokratie, gegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes oder der geschlechtlichen Identität engagiert haben. Die Preisträgerinnen sollen sich vor allem durch Zivilcourage, Mut und Widerstand auszeichnen und sich im Rahmen ihrer Aktivitäten für Frauen und Mädchen engagiert haben.

Anne Kleins großzügige und dankenswerte Schenkung ermöglicht es der Heinrich-Böll-Stiftung, das Engagement von Frauen für Menschenrechte, Gleichberechtigung und sexuelle Selbstbestimmung mit diesem Preis zu unterstützen.

Anne-Klein-Frauenpreis 2013

Ausschreibung

Anne-Klein-Frauenpreis 2013

- 17. August 2012 - Der Anne-Klein-Frauenpreis zeichnet herausragende Frauen aus, die sich mutig und hartnäckig für die Geschlechterdemokratie und gegen die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der geschlechtlichen Identität einsetzen. Die Nominierungsfrist für die Kandiatinnen für das Jahr 2013 ist abgelaufen. Die Preisverleihung wird am 1. März 2013 in Berlin stattfinden.

Fotogalerie der Preisverleihung 2012

Preisverleihung 2012

Kurzbiografie Nivedita Prasad

- Dr. Nivedita Prasad ist 1967 in Madras/Indien geboren worden. Sie hat an der Freien Universität Berlin Sozialpädagogik studiert und an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zum Thema: „Gewalt gegen Migrantinnen und die Gefahr ihrer Instrumentalisierung im Kontext von Migrationsbeschränkung“ promoviert. mehr»

Ansprache

Verleihung des Anne-Klein-Frauenpreises an Dr. Nivedita Prasad

- 2. März 2012 - Unrecht abschaffen, den Zugang zu Recht möglich machen, Rechtsetzung prägen, das war wohl Annes größtes Anliegen. Ganz wie Anne Klein nimmt Nivedita Prasad Diskriminierungen nicht nur wahr, sie mischt sich ein und verändert so die Welt. Klug, mutig, furchtlos – das würde Anne Klein gefallen. Ansprache von Barbara Unmüßig mehr»

Laudatio

Verleihung: Anne-Klein-Frauenpreis

- 2. März 2012 - Nivedita Prasad bekommt den Anne-Klein-Frauenpreis, weil sie sich seit vielen Jahren mutig und entschlossen für Frauen- und Menschenrechte einsetzt. Sie macht Frauenhandel und Gewalt gegen Frauen öffentlich und streitet für Strafverfolgung und Rechtsetzung. Sie kämpft  gegen Rassismus und vor allem gegen Gewalt gegen Migrantinnen. Laudatio von Prof. em. Dr. Birgit Rommelspacher mehr»
Piktogramm: Migrantinnen

Dossier

Weltwirtschaft ganz privat

Am 2. März 2012 vergibt die Heinrich-Böll-Stiftung den ersten Anne-Klein-Frauenpreis an Nivedita Prasad. Sie greift Tabuthemen wie "moderne Sklaverei" und Ausbeutung von Frauen in "haushaltsnahen Dienstleistungen" auf. Passend dazu gibt es in unserem Dossier Texte, die sich mit den Thema "Transnationale Care-Ökonomie" in Verbindung mit Menschenrechten, Menschenhandel, Frauenhandel und Arbeitsmigration auseinandersetzen. mehr»

Anne-Klein-Frauenpreis

Die Jury

  • Renate Künast, MdB – Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
  • Prof. Dr. Michaele Schreyer – Vize-Präsidentin des Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland
  • Barbara Unmüßig – Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung
  • Jutta Wagner – Rechtsanwältin, ehemalige Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes
  • Thomas Herrendorf – Inneneinrichter

Anne Klein (1950-2011)

Kurzbiografie

Anne Klein: Kämpferin für Frauenrechte und gleichgeschlechtliche Lebensweisen

8. Dezember 2011 - Anne Klein wurde 1950 im Saarland geboren. Noch während ihres Jurastudiums schloß sie sich 1975 der Berliner Frauenbewegung an. Für die Grünen war sie u.a. als Bundestagsreferentin des Arbeitskreises "Frauen, Antidiskriminierung, Soziales" tätig. Als parteilose Senatorin setzte sie sich in der Berliner Koalition unter Walter Momper für die Stärkung der Frauenrechte ein. Im April 2011 erlag sie einem Krebsleiden. mehr»

Links

Frauenrechtlerin Anne Klein: Texte, Reden und Dokumente

- 8. Dezember 2011 - Die Wikipedia beschreibt Anne Klein als deutsche Juristin und Senatorin des Landes Berlin. Als politische Vorkämpferin engagierte sie sich besonders für Frauenrechte und die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen. Eine Sammlung von Texten und Reden für und über sie. mehr»

Kontakt

Ulrike Cichon
cichon@boell.de
(030) 285 34-112

Wenn Sie das Anliegen des Anne-Klein-Frauenpreises teilen, freuen wir uns über weitere Spenden:
Stichwort „Anne Klein“
Konto 307 67 02
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 100 200 500

Reaktionen (6)

1_ Reinhard Wartenhorst
24. Oktober 2011, 00:12 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerade weil ich als Mitglied der Grünen mich für Geschlechtergerechtigkeit einsetze, halte ich es für bedenklich, dass der Preis ausschließlich für Frauen ausgelobt wird.

Hier wird aufgrund des Geschlechts präjudiziert. Dem Anschein nach bedient dieser Preis lediglich einen feministisch geprägten Chauvinismus.

Das ist schade und wird im Zweifel der Namensgeberin des Preises nicht gerecht.


Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Wartenhorst

2_ wiltrud Schenk
16. Dezember 2011, 09:57 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,
Frau Dr. Nivedita Prasad leistet auf dem Gebiet gegen Frauenhandel hervorragende Arbeit.Trotzdem bedaure ich es, dass wieder einmal jemand für ein Engagement geehrt wird, das zu ihren / seinen beruflichen Verpflichtungen gehört; schade, mit dem Preis hätte ehrenamtliches Engagement geehrt (und somit gefördert) werden können.
mit freundlichen Grüßen
Wiltrud Schenk

3_ Ulrike Cichon
16. Dezember 2011, 11:58 Uhr

Sehr geehrter Herr Wartenhorst,
vielen Dank für Ihren Einwurf. Wie Sie sicherlich wissen, ist Geschlechtergerechtigkeit eine Querschnittsaufgabe in der Stiftungsarbeit und liegt uns allen sehr am Herzen. Im Falle des Anne-Klein-Frauenpreises ist es aber so, dass der Preis und seine Ausgestaltung durch die Schenkung der namensgebenden Anne Klein an die Heinrich-Böll-Stiftung festgelegt wurden. Es war der ausdrücklicheWunsch Anne Kleins, den Preis ausschließlich an Frauen zu vergeben, die sich vorbildhaft für Frauen und Mädchen, Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit engagieren.
Mit herzlichen Grüßen
Ulrike Cichon

4_ Reinhard Wartenhorst
3. Januar 2012, 19:00 Uhr

Sehr geehrte Frau Cichon,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Wenn der Preis in dieser Weise ausschließlich Frauen gewidmet ist, hätte aus meiner Sicht die Schenkung durch die Böll-Stiftung nicht angenommen werden dürfen:

Eine Eingrenzung auf ausschließlich Frauen widerspricht dem Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit. Es geht um einen gleichberechtigten Zugang ungeachtet des Geschlechts!

Ich halte deshalb diesen Preis - bei aller Hochachtung vor den Preisträgerinnen - für einen Ausdruck einer chauvinistisch geprägten Anschauung und im Sinne einer Geschlechtergerechtigkeit für bigott.

Mit feundlichen Grüßen
Reinhard Wartenhorst

5_ H.-M. Helmerding
14. März 2012, 21:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Wartenhorst,
ich kann der von Ihnen geäußerten Kritik nur auf Schärfste widersprechen.
Die von ihnen geäußerte Kritik missachtet zum einen die historischen Fakten, die bestimmt auch Anne Klein zu dieser Eingrenzung der möglichen Preisträger bewegt haben und wird zudem der Person von Anne Klein in keiner Weise gerecht. Man kann doch nicht einfach die historischen Fakten über die Unterdrückung der Frauen, die bis in die jüngste Vergangenheit reichten und teilweise immer noch nicht überwunden sind, bei dieser Frage außer Acht lassen. Rein unter rechtlichen Gesichtspunkten hat sich die Ungleichbehandlung sogar noch bis Mitte des letzen Jahrhunderts hingezogen haben. Wenn man berücksichtigt, dass die juristische Gleichstellung der Frauen nicht einmal 50 Jahre alt ist, also eine Zeitspanne ausmacht, die, wenn man die Gesamtdauer der Existenz der menschlichen Koexistenz berücksichtig, fast zu vernachlässigen ist.
Der wesentliche juristische Schritt zur Durchsetzung der Gleichberechtigung von Mann und Frau vollzog sich, wie wohl viele nicht wissen oder bewusst verdrängen, erst am 3. Mai 1957 mit der Neuordnung der Gesetze, die im Widerspruch zum Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau standen. Erst an diesem Tag beschloss der Deutsche Bundestag das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts, wobei die Unionsparteien mit ihren Gegenstimmen gegen die Mehrheit nur äußerst knapp unterlagen. Erst seit 1977 darf die Frau ohne Einverständnis ihres Mannes erwerbstätig sein und es gilt das Partnerschaftsprinzip, nach dem es keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung in der Ehe mehr gibt.
Wer dies, wie auch Sie dies leider tun, außer Acht lässt, negiert die historischen Fakten und schädigt das Andenken an eine herausragende Persönlichkeit wie Anne Klein sie war, die vielen ein Vorbild seien sollte. In unserer durch Unmoral und Gier geprägten Zeit, in der sogar Politiker - wie als bestes Beispiel unser ehemaliger Bundespräsident - sich trotz offensichtlicher Geldgier schamlos an unserem Volksvermögen bereichern und sogar eine „Ehrensold“ erhält, vermisse ich Anne. Wenn ich zudem daran denken, wie z. B. Thilo Sarazzin, der mit seinen rassistischen Äußerungen Millionen verdient hat, aber von diesem „schmutzigen“ Geld keinen Cent zumindest an die spendet, auf deren Rücken er diese Gelder eingenommen hat – die unterdrückten „Kopftuch-MÄDCHEN“ des türkischen Obsthändlers-, dann befremdet es mich doch sehr, dass Sie es sogar kritisieren, dass die Böll Stiftung diese Schenkung überhaupt angenommen hat. Ich kann mich nur schämen, ein Deutscher in dieser Republik zu sein, in der Amoral und Gewinnstreben geachtet und belohnt wird und vermisse solche aufrechten Personen, wie Anne Klein, die man leider nur noch sehr selten findet.
Ich hoffe, Sie denken noch einmal kritisch über Ihre Äußerungen nach und verbleibe
mit freundlichen Grüssen
H.-M. Helmerding

6_ Dr. Claudia Mayr
15. September 2012, 12:02 Uhr

Wenn bei allen Preisen, Veranstaltungen und Foren Frauen und Männer entsprechend ihres Bevölkerungsanteils vertreten sind, wird der Anne-Klein-Frauenpreis sicher auch für Männer geöffnet werden…
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