Infiziert und ausgezeichnet

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Still aus dem Video „Most Shocking Second a Day Video"Von Geburtstag zu Geburtstag: Das Video zeigt aus der Perspektive eines kleinen Mädchens, wie ein Krieg in Europa aussehen könnte. Urheber/in: Richard Beer . All rights reserved.

Sie überraschen, schockieren, faszinieren: Videos mit einer klugen Idee, die auf originelle Weise eine Botschaft vermitteln, verbreiten sich im Internet rasend schnell. Zum siebten Mal wurden an diesem Wochenende die besten Virals des Jahres ausgezeichnet.

Was ist nötig, um viele Menschen auf einen Skandal aufmerksam zu machen, von dem sie noch nichts gehört haben und der ihnen vermutlich sogar ziemlich egal ist? Sechs Küken, ein großer Blecheimer und eine gute Idee - fertig ist das virale Video.

Also ganz so leicht ist es nicht, im Netz einen Hit zu landen. Doch die 21 Videos, die in diesem Jahr der Jury vorgelegt wurden, zeigten, was so alles möglich ist. Zum siebten Mal wurde am 14. November der Viral Video Award verliehen. Ausgezeichnet wurden im Rahmen des 30. Internationalen Kurzfilmfestivals Berlin die besten viralen Videos des Jahres. Über 380 Videos aus fast 50 Ländern sind in diesem Jahr eingereicht worden. Virals sind für das Internet produzierte Kurzfilme, die eine Botschaft vermitteln oder ein Produkt bewerben.

Demonstrierende Bienen, ein Waffennarr, der Überwachungsdrohnen abschießt, Kinder, die in der Schule gemobbt werden und dabei von ihrer späteren Rache singen. Inhaltliche Vielfalt und eine originelle wie überraschende Umsetzung zeichnen die nominierten Videos aus. Produziert wurden die Videos von Nichtregierungsorganisationen und privaten Unternehmen.

Den Publikumspreis gewann "Little Chickens Take Their First Flight". Milliarden männliche Küken werden jedes Jahr als Abfallprodukt getötet und entsorgt. Die Tierschutzorganisation Peta lenkte mit diesem Viral zu Ostern die Aufmerksamkeitauf dieses Thema. Der Filmemacher Djawid Hakimyar erhielt für "Little Chickens Take Their First Flight" den mit 1.000 Euro dotierten Preis.

Dahinter landeten im Onlinevoting "The Auteurs of Christmas" der kanadischen Filmproduktionsfirma Fourground Films und "Unseen", in Auftrag gegeben vom WWF. Knapp 10.000 Nutzer/innen beteiligten sich an der Abstimmung.

Neben dem Publikumspreis vergab die Heinrich-Böll-Stiftung, den mit ebenfalls 1.000 Euro dotierten Preis für das beste politische Viral zu den Themen Klima, Demokratie und Gerechtigkeit. Die Auszeichnung erhielt der Film „Most Shocking Second a Day Video" von Richard Beer (Großbritannien). "Das Viral im Auftrag der Nichtregierungsorganisation "Save The Children" holt bildmächtig den syrischen Bürgerkrieg direkt nach Hause auf den Bildschirm. Durch den geschickten Perspektivwechsel schafft das Video Betroffenheit und Sensibilität für Kinder in Not", heißt es in der offiziellen Jury-Begründung.

Mehr als 45 Millionen Menschen weltweit haben sich "Most Shocking Second a Day Video" bisher angesehen. Mit einem gut gemachten politischen Viral kann man sehr viele Menschen auch mit schwierigen Themen erreichen und im besten Fall dafür sensibiliseren. Das "Most Shocking Second a Day Video" ist übrigens auch für den Golden Radiator Award nominiert. Mit diesem Preis werden jährlich die besten Spendenkampagnen ausgezeichnet, die nicht auf Armuts-Stereotype setzen, um Spenden einzutreiben.

Den mit 1500 Euro dotierten Green Screen Award des interfilm Festivals gewann der Film "Food".

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