Landtagswahl Nordrhein- Westfalen

Landtagswahl Nordrhein- Westfalen

Ergebnisse und Analysen
Analyse zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017
Heinrich-Böll-Stiftung
Kostenlos
Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: Mai 2017
Seitenanzahl: 14
Lizenz: CC-BY-NC-ND
Alle Ausgaben: Schriften zur Demokratie
  • Nach sieben Jahren in der Landesregierung erreichen Bündnis 90/Die Grünen 6,4 Prozent der Zweitstim-men. Sie liegen damit etwa auf dem Niveau von 2005 (6,2 Prozent). Im Vergleich zur Wahl 2012 verlieren die Grünen deutlich (-5,0 Prozentpunkte). Verluste in der Wählerwanderungsbilanz gehen gleichermaßen an CDU/FDP und SPD sowie in geringerem Umfang an die Linke. Die Zahl der Parlamentssitze reduziert sich auf 14 (-15 Sitze).
     
  • Ausschlaggebend für die Verluste der Grünen wie auch der SPD sind vorrangig landespolitische Gründe. Die Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung war gering. Insbesondere in den im Wahlkampf zent-ralen Feldern Verkehrspolitik, Schul- und Bildungspolitik, Bekämpfung von Kinderarmut und Bekämpfung von Alltagskriminalität konnte die rot-grüne Landesregierung die Wähler/innen nicht von ihrer Regierungsbi-lanz überzeugen. Es ist CDU und FDP im Wahlkampf gelungen, die allgemeine Regierungsunzufriedenheit mit diesen Die Wahlentscheidung der Grünen-Wähler/innen fiel überdurchschnittlich spät. 18 Prozent legten sich erst am Wahltag, 24 Prozent in den letzten Tagen vor der Wahl fest. Die Grünen-Wähler/innen nutzen häufig die Möglichkeit des Stimmensplittings. 35 Prozent der Grünen-Zweitstimmenwähler/innen haben mit ihrer Erst-stimme für den SPD-Wahlkreisvorschlag gestimmt. 51 Prozent der Grünen-Wähler/innen stimmten jedoch mit beiden Stimmen „grün“. Sachthemen sind für 61 Prozent der Grünen-Wähler/innen der maßgebliche Grund, die Grünen zu wählen. Wahlentscheidend ist die Umwelt- und Energiepolitik, gefolgt von Fragen der sozialen Gerechtigkeit sowie an dritter Stelle Schul- und Bildungspolitik.
  • Mit ihrem Spitzenkandidaten Armin Laschet gewinnt die CDU deutlich (+6,6 Prozentpunkte) und erreicht 33,0 Prozent. Sie ist damit klar stärkste Kraft, zugleich ist dies jedoch das zweitschlechteste Ergebnis der CDU-Landesgeschichte. Damit vereinen wie bereits 2012 die beiden Großparteien weniger als 2/3 der gültigen Stimmen.
     
  • Die SPD erzielt das schlechteste Ergebnis ihrer Landesgeschichte (31,2 Prozent/-7,9 Prozentpunkte). Maß-geblich für diesen hohen Verlust sind wie bei den Grünen vor allem landespolitische Gründe und die Unzu-friedenheit mit der Regierungsarbeit.
     
  • Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Lindner erzielt das beste Ergebnis ihrer Landesgeschichte (12,6 Prozent / +4,0 Prozentpunkte) und ist nun die dritte Kraft im Landtag. Die nordrhein-westfälische FDP ist damit mit ihrem dem Bundes- und Landesvorsitzenden Lindner der parlamentarisch stärkste Landesverband der FDP.
     
  • Die AfD ist künftig ebenfalls im Parlament vertreten (7,4/+7,4). Die Linke scheitert mit 4,9 Prozent knapp an der Sperrklausel. Die Piraten sind nicht mehr im Landtag vertreten.
     
  • Absolute Zugewinne (Zweitstimmen) verzeichnen insbesondere CDU (+746.763) und die erstmalig ange-tretene AfD (+624.552), aber auch die FDP (+395.127). Verluste verzeichnen neben den Piraten (-528.237) die bisherigen Regierungsparteien SPD (-400.470) und Grüne (-345.239).
     
  • Im Parlament sind wie bisher fünf Parteien vertreten: CDU (72 / +5), SPD (69 / -30), Grüne (14 / -15), FDP (28 / +6), AfD (16 / +16). Mit 199 Abgeordneten ist das Parlament deutlich kleiner als zuvor (-38). Die CDU gewinnt 72 der 128 Wahlkreismandate (+43), die SPD 56 (-43).
     
  • Die Wahlbeteiligung ist auf 65,2 Prozent gestiegen und liegt damit über dem Durchschnitt der Bundeslän-der. Die CDU profitiert am stärksten von der Mobilisierung vormaliger Nichtwähler/innen.
     
  • Koalitionsoptionen: Die rot-grüne Landesregierung verliert gemeinsam fast 13 Prozentpunkte und ist im Ergebnis mit 83 von 199 Sitzen weit von einer parlamentarischen Mehrheit entfernt. Jenseits einer – nach der Wahl von der SPD jedoch abgelehnten – großen Koalition aus CDU und SPD (141 Sitze) ist eine Koalition aus CDU und FDP (100 Sitze) möglich.

Inhaltsverzeichnis: 

  1. Zusammenfassung
  2. Amtliches Wahlergebnis
    2.1 Wahlrecht & Wahlsystem
    2.2 Stimm- und Sitzverteilung (Amtliches Endergebnis)
    2.3 Parlamentarische Mehrheiten & Koalitionsperspektiven
  3. Wahlverhalten
    3.1 Wahlmotive und wahlentscheidende Themen
    3.2 Zeitpunkt der Wahlentscheidung
    3.3 Stimmensplitting
    3.4 Wählerwanderung
    3.5 Bevölkerungsgruppen im Vergleich
  4. Anhang: Wählerwanderung

 

Neuen Kommentar schreiben