Corona in Marokko
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Corona in Marokko

Sozial Benachteiligte im Gesundheitsnotstand
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In Marokko hat der Gesundheitsnotstand Ungleichheiten innerhalb des sozialen Gefüges hervortreten lassen. In prekären Verhältnissen lebende und häufig marginalisierte Migrantinnen und Migranten sehen sich unvermittelt ohne jegliche Einkünfte und abgeschnitten von den traditionellen Solidarnetzwerken, die ihnen bislang das Leben (und Überleben) ermöglichten. Tagelöhner sind, wenn nicht ihrer Arbeitsmöglichkeiten gänzlich beraubt, so doch in ihrer Bewegungsfreiheit und ihren Arbeitszeiten beschränkt. Menschen mit Behinderung werden durch ihre geringere Mobilität zusätzlich benachteiligt, während Obdachlose in die Risikokategorie eingestuft und in Behelfsunterkünften unterbracht werden, die sie nur schwer wieder verlassen können, um ihr tägliches Brot zu verdienen. In den ärmsten Wohnvierteln haben die neuen Regeln zur Nutzung des öffentlichen Raums zudem Handel oder Dienstleistungen ebenso stark eingeschränkt wie die Versorgungswege: Einige der Märkte wurden geschlossen, in anderen wurde das Personal reduziert.

Diese gesellschaftlichen Gruppen sind weitgehend unsichtbar: Weder in der Politik
noch in den Medien sind sie entsprechend repräsentiert, außer als Chiffren, denen man
vage formulierte Probleme oder Bedürfnisse zuschreibt. Ohne öffentliche Stimme,
ohne dass ihre Forderungen von den Gewerkschaften oder den Medien aufgegriffen
werden, bleibt ihnen in Zeiten des Gesundheitsnotstands nur die Zivilgesellschaft, die
allerdings kaum Gehör findet.

Haben die neuen Auflagen im Gesundheitswesen bei den am stärksten benachteiligten
sozialen Schichten, die meist im Freien ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen, bereits einen
großen Tribut gefordert, so beschränken sich ihre Folgen jedoch nicht allein darauf.
Verstärkt hat sich mit ihnen auch die körperliche, psychische und symbolische Gewalt,
die auf die verletzlichsten Gruppen und Einzelpersonen, insbesondere auf Frauen
ausgeübt wird. Infolge der Ausgangs- und Kontaktsperre nimmt häusliche Gewalt
signifikant zu. Frauen drohen an der erhöhten körperlichen und mentalen Belastung
zu zerbrechen - die Aufgabenteilung im Haushalt ist alles andere als paritätisch.
Arbeiterinnen, unter ihnen vor allem die Saison- und Fabrikarbeiterinnen, sind noch
stärker als sonst Verletzungen des Arbeitsrechts und Gesundheitsrisiken ausgesetzt.

Produktdetails
Veröffentlichungsdatum
Mai 2020
Herausgeber
Heinrich-Böll-Stiftung RABAT - Marokko
Seitenzahl
23
Sprache der Publikation
Deutsch
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