Grußwort zur Verleihung des Friedensfilmpreises 2010

Grußwort zur Verleihung des Friedensfilmpreises 2010

Grußwort zur Verleihung des Friedensfilmpreises 2010

21. Februar 2010
Von Ralf Fücks
Von Ralf Fücks

Ich habe mir zur Einstimmung auf den Friedensfilmpreis heute die Retrospektive des englischen Fotografen DON McCULLIN im Postfuhramt an der Oranienburger Straße angesehen – Fotos von den Krisen- und Kriegsschauplätzen dieser Welt vom Bau der Berliner Mauer bis heute.

Wer diese Bilder gesehen hat, weiß, weshalb es den Friedensfilmpreis geben muss.

Sie rufen noch einmal die Geschichte des Schreckens in Erinnerung, die sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt hat: in Vietnam und Kambodscha, Biafra und Bangladesch, in Zypern, Afghanistan, Nordirland, Irak und im türkischen Kurdistan.

McCullin zeigt den Alltag des Krieges diesseits aller Propaganda – Tote und Verwundete, Flucht und Vertreibung, Zerstörung und Elend.

Wir mögen unterschiedlicher Auffassung sein, wenn es um die Frage friedenserzwingender Militäreinsätze im Rahmen der Vereinten Nationen geht.

Aber es kann keine Differenzen darüber geben, dass jeder Krieg eine menschliche Katastrophe ist und wir alles daran setzen müssen, die Eskalation von Gewalt schon im Vorfeld zu verhindern.

Der Friedensfilmpreis wird in diesem Jahr zum 25. Mal verliehen, und die Heinrich Böll Stiftung ist seit 1995 mit an Bord, wenn man unseren Vorläufer, den Stiftungsverband Regenbogen, mit einbezieht.

Ruft man sich die preisgekrönten Filme aus diesen 15 Jahren in Erinnerung, ergibt sich ein Archiv der Zeitgeschichte, in dem ähnlich wie bei McCullin die Gewalterfahrungen unserer Zeit eingefangen sind: die Balkan-Kriege Anfang der 90er Jahre, die Situation von Flüchtlingen aus Afghanistan oder dem Irak, das Apartheidregime in Südafrika oder der Militärputsch gegen einen progressiven Präsidenten in Guatemala.

Die meisten dieser Filme erzählen sehr persönliche Geschichten, viele haben dokumentarischen Charakter, oft geht es um Menschen, die mit traumatischen Erfahrungen leben müssen.

Zugleich zeigen sie das Ringen um Menschenwürde und um historische Wahrheit, die einen Neuanfang nach den Schrecken von Krieg und Bürgerkrieg erst möglich machen.

Sie rütteln nicht nur auf, sondern machen Mut, dass Gewalt nicht das letzte Wort sein muss; dass es sich lohnt, für Menschenrechte, für das Völkerrecht und für zivile Konfliktlösungen zu streiten. Dafür leistet der Friedensfilmpreis seinen Beitrag, und dafür möchte ich dem Trägerverein und der Jury danken.

Es ist in der Regel kein Vergnügen, die preisgekrönten Filme zu sehen, aber es sollte auch nicht Aufgabe von Filmemachern sein, uns eine heile Welt vorzuspiegeln, wo keine ist. Insofern ist der Friedensfilmpreis auch ein Beitrag zur Filmkultur, der die Tradition des engagierten, aufklärerischen Kinos hoch hält.

Ich bedanke mich für die gute Zusammenarbeit, gratuliere dem Team des diesjährigen Preisträgers und bin gespannt auf den Film.

Ralf Fücks ist Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung

Er publiziert in großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen, in internationalen politischen Zeitschriften sowie im Internet zum Themenkreis Ökologie-Ökonomie, Politische Strategie, Europa und Internationale Politik.

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