Heinrich Böll: Leben und Werk

Sie befinden sich in "Kapitel 5: Der Kritiker des deutschen Katholizismus (1959 - 1966)".

1960 gibt Heinrich Böll zusammen mit Werner von Trott zu Solz, Walter Warnach und HAP Grieshaber die Zeitschrift Labyrinth heraus. Das Anliegen der Zeitschrift war, auf christlicher Basis einen Gegenentwurf zum bestehenden gesellschaftlichen und politischen System zu formulieren. Die Zeitschrift wurde 1962 nach 6 Heften eingestellt.

Heinrich Böll über die von ihm mitgegründete Zeitschrift "Labyrinth"

"Ich habe vor Jahren mit Freunden eine Zeitschrift herausgegeben, die aus verschiedenen Gründen dann plötzlich nicht mehr zu machen war; wir vier Herausgeber schrieben jeder ein, zwei Seiten, um uns das Scheitern der Zeitschrift zu erklären: Wir publizierten diese kurze Erklärung, ohne sie mit unseren Namen zu zeichnen; aus meiner kurzen Erklärung wurde dann der Roman »Ansichten eines Clowns«, dessen mythischer »plot« die Sage vom Labyrinth - so hieß die Zeitschrift - ist.

D i e s e n Zusammenhang weiß ich zufällig und kann ihn Ihnen so erklären, viele andere Zusammenhänge - Fortschreibungen - kenne ich nicht: In diesem Sinne verstehe ich Fortschreibungen, und in diesem Sinne ist alles weniger fortentwickelt als fortgeschrieben, auch im Sinne von »weitergeschrieben«; der Roman »Ansichten eines Clowns« war die Fortschreibung der Zeitschrift. Ein simpler »plot«, eine einfache »story« - Theseus als Clown, Ariadne als Marie und der politische und theologisch-gesellschaftliche Katholizismus im Nachkriegsdeutschland als vom Minotaurus beherrschtes Labyrinth.

Wie gesagt, in diesem Falle war mir der Fortschreibungszusammenhang klar. - Da nur sehr wenige die letzte Nummer der Zeitschrift gelesen haben, wahrscheinlich kaum jemand die gemeinsam-anonyme Abschiedserklärung der Herausgeber, hat auch niemand den Zusammenhang erkannt. Man knüpft bei einem Autor immer viel zu sehr beim letzten Buch an, um sein nächstes zu erklären. Irrtum. Manchmal ist es eine Winzigkeit, sozusagen ein Schmetterling oder eine Mücke. Vielleicht sehe ich morgen in einem Café eine Handbewegung, die Anlaß zu einem Roman wird."

(Auszug aus einem Gespräch mit Ekkehart Rudolph, 1971)

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