Der digitale Tellerrand - Netztheater im asiatischen Raum: Singapur, Hongkong, New Delhi

Kommentar

Die örtliche Entgrenzung ist eine der Stärken der darstellenden Kunst im Netz. Während der Pandemie konnten wir Theater in aller Welt erleben. Die Theaterautorin Ulrike Syha hat in Singapur, in Honkong und in New Delhi eindrückliche Beispiele gefunden. Und musste dafür nicht ins Flugzeug steigen.

Pressefoto: Allegedly

Wir stecken immer noch in einer Krise globalen Ausmaßes – oder fangen gerade an, sie zumindest teilweise hinter uns zu lassen. Es kommt wohl auf die Perspektive an. Oder darauf, wo man sich auf unserem Planeten befindet, mit welchem Pass in der Hand.

Die Pandemie hat uns alle ziemlich gebeutelt.
Aber zum Glück hatten wir noch das Internet, digitale Replikation unserer globalisierten, vernetzten Welt mit ihren unablässigen Datenströmen. Im Normalfall. Denn es gibt natürlich immer Funklöcher und weiße Flecken auf dieser virtuellen Landkarte.
Aber im Durchschnitt, doch, im Durchschnitt kann man schon sagen: Zum Glück hatten wir noch das Internet.

Auch der Kulturbetrieb und sein Publikum sind in die digitale Welten umgezogen. (Wenn sie dabei auch manchmal an unterschiedlichen Orten angekommen sind.)
Unter den Theatermacher/ innen haben sich einige mit viel Enthusiasmus dieser neuen Aufgabe gewidmet, andere eher mit Zähneknirschen, was mich – zugegebenermaßen – oft ein bisschen erstaunt hat.
Da wurde von digitalen Experimenten gesprochen und im Unterschied dazu vom echten, wahren Theater, das ja wohl kaum im Internet stattfinden kann. Denn das echte Theater ist analog. Es liebt sein Publikum. Es muss sein Publikum im Festspielhaus schwitzen sehen können. Das erst macht es echt. Teile des Publikums vertreten offenbar die gleiche Meinung: Auch sie möchten echte Schauspieler/ innen auf der echten Bühne eines echten Festspielhauses schwitzen sehen.
Und: warum auch nicht.

Für mich steht dennoch außer Frage, dass Theater in Zukunft auch digital stattfinden wird.

Was natürlich nicht heißt, dass niemand mehr „echtes“ Theater machen soll. Auch für digitale Formen gibt es Expert/innen. Und vielleicht sind das andere Leute, vielleicht haben da andere die Nase vorne, nicht die, die im Festspielhaus vor, auf oder hinter der Bühne schwitzen.
Und: warum auch nicht.

Eine Gelegenheit haben wir aber tatsächlich ungenutzt verstreichen lassen.
Die Gelegenheit, endlich mal ein klein wenig über den Tellerrand zu schauen. Über den kulturellen Tellerrand. Wir hätten während der Pandemie durchaus Zeit gehabt, unsere eingefleischten Sehgewohnheiten zu hinterfragen – und das sogar ganz bequem vom Sofa aus. In Eigenregie. Ohne Vorauswahl.

Tendenziell haben wir aber etwas Anderes gemacht.
Wir haben zunächst einmal geschaut, was das Theater so digital macht, das wir normalerweise besuchen, weil es in der Nachbarschaft liegt oder in der Stadt, in der wir gerne essen oder einkaufen gehen. Fair enough, jeder Kulturbetrieb brauchte in der Krise Unterstützung und Solidarität.
Wer danach etwas abenteuerlustiger wurde, hat sich wahrscheinlich durch den digitalen Spielplan von Nachtkritik geklickt – ein durchaus hilfreicher Kompass – und ein wenig das überregionale Theater erkundet, wo man sonst so schlecht hinkommt, schon allein aus Zeitgründen.
Danach hat man sich vielleicht auf den sozialen Kanälen dazu verleiten lassen, auch mal abwegigere Projekte auf Zoom, Telegram oder Instagram zu verfolgen, vielleicht sogar eine englischsprachige Produktion. Vor allem im VR-Bereich ist das einleuchtend, da hat der angelsächsische Raum einfach deutlich mehr zu bieten als Deutschland.

Aber, Hand aufs Herz: In den allermeisten Fällen haben unsere digitalen Reiseaktivitäten da auch schon aufgehört.

Was ist also mit den übrigen Kontinenten, mit all den Ländern und Kulturregionen, die auf unserem Reiseplan nicht auftauchten? Digital sind die ja eigentlich nicht weiter weg gewesen, von uns aus betrachtet, als jede beliebige Stadt in der Bundesrepublik.
Reales Reisen war während der Pandemie nicht möglich. Aber warum haben wir es dann nicht wenigstens auf virtuellem Weg versucht, wo uns keine Quarantäne, kein klimaschädlicher Langstreckenflug, keine Visaregularien im Weg stehen? Auch in Südamerika, Afrika und Australien wurde während der Pandemie weitergearbeitet und weitergedacht.

Deswegen schlage ich vor, wir verlassen unsere digitale deutschsprachige Probebühne und unsere deutschsprachigen Sehgewohnheiten mal für einen Moment und werfen einen Blick in den asiatischen Raum.

The bride always knocks twice - Singapur

In Singapur begeistert THE THEATRE PRACTICE das Publikum mit THE BRIDE ALWAYS KNOCKS TWICE – KILLER SECRETS, einem aufwändig gemachten, multi-lingualen Murder-Mystery-Projekt, das weit mehr ist als ein Zeitvertreib für Krimi-Fans.

Basierend auf dem Erzählkosmos einer früheren (nicht-digitalen) Produktion versammeln Regisseurin Kuo Jian Hong und die Autoren Jonathan Lim und Liu Xiaoyi sieben Frauenfiguren in einem Haus, in dem die Gesetze von Zeit und Raum außer Kraft gesetzt zu sein scheinen.
Die Frauen gehören alle unterschiedlichen Generationen an und stehen stellvertretend für die vielen kulturellen Einflüsse und Sprachen Singapurs. Außerdem hat sie alle dasselbe Schicksal ereilt: Sie alle sind am Ende ihres Lebens spurlos verschwunden.
Da ist die Konkubine von Sultan Iskandar Shah, die bereits im 13. Jahrhundert verschwand; eine Soldatin des Rani-Jhansi-Regiments, die seit 1945 niemand mehr gesehen hat (Und nochmal Hand aufs Herz: Wie viel wissen wir eigentlich über den 2. Weltkrieg in Südostasien?); eine Studentin, deren Spur sich in den 50er Jahren während der Proteste an den chinesischen Schulen verliert; eine wahrscheinlich schon zu Lebzeiten vergessene Samsui-Frau (Arbeitsmigrantinnen vom chinesischen Festland, die hauptsächlich in den 1920er bis 1940er Jahren nach Singapur kamen); eine chinesischstämmige Film-Schauspielerin, die in den 80ern verschwand, als sie ihren Zenit wohl bereits hinter sich hatte; eine Braut, die sich seit 2013 auf der Flucht befindet; und schließlich eine Polizistin, deren Schicksal sich erst in der Jetztzeit entscheiden wird.
Die Frauen sprechen eine Mischung aus Mandarin, Englisch, Malayisch und Kantonesisch, Untertitel werden in Mandarin und Englisch angeboten. Und das funktioniert mit einer Leichtigkeit und Lebendigkeit, die wirklich beeindruckt.

Courtesy of The Theatre Practice

Das Zusammentreffen der Frauen in dem mysteriösen Hotel beginnt harmonisch; es wird gemeinsam gebacken, ein bisschen gelästert, sich einfach die Zeit vertrieben.
Doch dann droht die Studentin plötzlich damit, die Geheimnisse der Frauen zu enthüllen, die jeweils zu ihrem Verschwinden geführt haben. Einige sind, wie wir später erfahren, eher privater Natur, andere eher politischer.

Aber noch bevor es zu diesen Enthüllungen kommen kann, wird die Studentin, wie es sich für einen echten Murder-Mystery-Fall gehört, tot aufgefunden. Eine der anderen Frauen muss die Täterin sein.
Die Polizistin – und wir als Publikum – sind gebeten, die Schuldige zu finden.

Die Produktion besteht aus insgesamt vier Teilen, die im Laufe einer Woche an zwei Abenden gezeigt werden. Im ersten Teil wird das Publikum in die Handlung eingeführt, im zweiten kann es die Verdächtigen live in Zoom-Gesprächen befragen. (Wer sich nicht als Spürnase versteht, kann auch einfach nur zuschauen, wie die anderen das machen.) Im dritten Teil hat das Publikum die Gelegenheit, die virtuelle Crime Scene zu untersuchen, um am Ende ein Votum abzugeben, wer nun die Schuldige war. (Die Nicht-Spürnasen überspringen diesen Teil einfach.) Im vierten Teil wird dann die Auflösung präsentiert, wieder eingebettet in eine szenische Handlung.

The Theatre Practice

Das Team um Kuo Jian Hong hat für die Produktion mit Künstler / innen aus der Film- und der Musikbranche zusammengearbeitet. Entstanden ist eine farbenprächtige Geschichte, die Spaß macht, ohne dabei ihr Ziel aus den Augen zu verlieren: Die (oft) vergessene Rolle von Frauen in der Geschichte Singapurs in den Fokus zu rücken.
Die Macher/innen von THE THEATRE PRACTICE deuten in Interviews an, dass sie weiter an digitalen und hybriden Formaten arbeiten wollen, auch nach der Pandemie. Sie sehen darin eine Bereicherung ihrer Arbeit – und die Möglichkeit, geographische Grenzen zu überwinden (sic!).

ZU HAUSE PROBEN: DIGITALTHEATER MIT STUDIERENDEN - Hongkong

Schon im Mai 2020, noch relativ am Beginn der Pandemie, haben sich in Hong Kong die Schauspiel- und Regie-Studierenden der Hong Kong Academy of Performing Arts unter Leitung ihrer Dozentin Janice Poon einer Adaption von Simon Stephens‘ PORNOGRAPHY gewidmet.
Wir erinnern uns: Stephens setzt sich in dem Stück mit den Attentaten 2005 in London auseinander, denen damals über 50 Menschen zum Opfer fielen.

Hong Kong Academy of Performing Arts

Geplant war die Produktion als normale Hochschulproduktion, dann kam kurz vor Probenbeginn die Pandemie, und auch in Hong Kong wurde auf Online-Unterricht umgestellt.

Die Akademie entschloss sich, die Produktion mit den Studierenden trotzdem durchzuführen, wenn auch digital. Die Studierenden hatten vorab auf diesem Gebiet keinerlei Erfahrungen.
Mit seinen Monologen und Zweierszenen bot der Text sich aber für eine digitale Umsetzung an, auch wenn alle Beteiligten von zu Hause aus proben mussten. Und das häufig unter sehr beengten, unruhigen Bedingungen, denn die in Hong Kong meist ohnehin sehr kleinen Wohnungen waren zeitgleich ja auch noch mit anderen Familienangehörigen bevölkert, die vermutlich ab und an ein wenig gestaunt haben, was da in ihrem Wohnzimmer so alles passierte.

Gezeigt wurde die Produktion dann online in sieben Episoden (entsprechend den sieben Szenen des Original-Stücks) in einer Art Mini-Serie à 30-40 Minuten pro Abend. Live, aus den Wohnungen der Studierenden.
Serien, zum Beispiel aus Südkorea, sind in Hong Kong sehr populär. Es bot sich daher wohl an, für das Theaterprojekt ein ähnliches Format zu wählen, das den abendlichen Sehgewohnheiten des Publikums entsprach.

Als Plattform entschied sich das Team für „google meets“. Zoom hatte zum damaligen Zeitpunkt noch relativ viele Sicherheitsprobleme. Das war keine willkürliche Entscheidung, so Janice Poon in einer Gesprächsrunde des International Dramaturgy Lab (IDL). Der Inhalt sollte die Form bestimmen. Bei den Zuschauer/innen sollte das Gefühl entstehen, sie würden sich auf einer Art Dating App befinden, vielleicht auf einer Porno-Seite. Oder Spy Ware benutzen. Heimliche Einblicke in das Leben anderer.
Aus diesem Grund gab es auch keinen Chat, keine interaktive Einbindung des Publikums, es hätte dem Setting widersprochen.

Die Studierenden haben erkennbar schnell gelernt, sich die Eigenheiten des neuen Mediums zunutze zu machen. Wie bekomme ich die Aufmerksamkeit der Kamera? Wie kann ich durch Geräusche oder Musik beeinflussen, dass ich genau dann im Bildausschnitt erscheine, wenn der dramaturgische Fokus auf meiner Figur liegt?
Dabei wurde die Kamera in jeder Szene anders eingesetzt, mal als Baby Cam, mal als Desktop-Kamera, manchmal auch unter Verwendung von Filtern oder Blur-Effekten. Einfache Mittel, teilweise per Hand erzeugt, die die Studierenden ohne große Technik von zu Hause aus steuern konnten.
Und obwohl es sich um ein britisches Stück handelte, das in einer anderen Zeit geschrieben wurde, unter anderen historischen Eindrücken, ermöglicht die Adaption Einblicke in das heutige, vielleicht auch das zukünftige Leben in Hong Kong, bis hinein in seine privatesten Innenräume.
Und über allem schwebt natürlich immer die Frage: Was ist privat, was ist öffentlich im digitalen Raum?

Für mich zeigt diese Produktion, dass es bei Online-Theater nicht nur um High-Tech geht.
Es stimmt zwar, dass die Macht im digitalen Raum (zunächst) denjenigen gehört, die das beste Equipment, das beste WLAN, die größte technische Expertise haben.
Aber es spricht auch nichts dagegen, Low Tech zu bleiben und einfach überlegt und kreativ mit den Mitteln umzugehen, die man hat. Solange eben der Inhalt stimmt.
Das sahen die Mitglieder der International Association of Theatre Critics in Hong Kong offensichtlich ähnlich, als sie diese Produktion mit dem Critics Award auszeichneten.

DER CHOR ALS DIGITALES KOLLEKTIV – New Delhi

Auch in Delhi / Indien hat die Künstlerin MALLIKA TANEJA ein Projekt umgesetzt, das zwar auf einem soliden Umgang mit den Mitteln der Plattform fußt (hier Zoom, also technisch auch nichts wirklich Spektakuläres mehr für uns nach gefühlt drei Millionen Zoom-Konferenzen in den letzten 12 Monaten), sondern das in allererster Linie durch seinen Inhalt besticht.
ALLEGEDLY war – eine schöne Ausnahme von der sonst eher gegenteiligen Regel – auch während der Pandemie schon in den Online-Programmen einiger Theater außerhalb Indiens zu sehen, so an der Kaserne Basel in der Schweiz und aktuell (Juni 2021) am Nationaltheater Mannheim.
Hauptsprache der Performance ist Englisch, immer wieder fließen aber auch Begriffe und Wortwechsel in anderen Sprachen und Dialekten ein.

Allegedly

ALLEGEDLY ist eine Arbeit, die sich stetig weiterentwickelt. Zunächst gab es ein Buch, dann ein Theaterprojekt, jetzt diese Online-Variante mit anschließendem Publikumsgespräch.
Dass es ein Publikumsgespräch gibt, ist essentiell, denn die Arbeit will Kommunikation herstellen und Gesprächstabus brechen. Es soll eine Auseinandersetzung über sexuelle Gewalt an Frauen angestoßen werden.

Den Kern der Performance bildet das Zoom-Gespräch zweier Frauen, das – auch wenn es mit Sicherheit geskriptet ist – überzeugend privat daherkommt. Man vergisst fast, dass man nicht heimlich einer Unterhaltung lauscht, sondern ein Ticket für diese Show erworben hat.
Die jüngere Frau (gespielt von Mallika Taneja selbst) wurde vor Jahren auf einer Party sexuell belästigt, hat den Vorfall aber nie angezeigt. Jetzt hat sie ihre Meinung geändert.
Die ältere Frau, ihre Freundin und Beraterin, hilft ihr dabei, eine Aussage bei der Polizei vorzubereiten, Erinnerungen zu rekonstruieren, Widersprüche auszubügeln. Sie nimmt dabei immer wieder bewusst die skeptische Rolle der Polizei ein, stellt unangenehme Fragen, was unweigerlich zu Spannungen zwischen den beiden Frauen führt, obwohl sie eigentlich auf einer Seite stehen.

Gerahmt und immer wieder unterbrochen wird das intensive Zwiegespräch von einem Frauen-Chor. Die Beteiligten befinden sich an unterschiedlichen Orten in Indien, wir erleben sie nur auf kleinen Zoom-Kacheln. Aber dieser Chor entfaltet in seiner Vielschichtigkeit auch digital eine immense Wucht. Ein kraftvolles Kollektiv, dem man gerne zuhört.
Einigkeit herrscht aber nicht immer unter den Frauen, nicht alle von ihnen glauben dem „Opfer“ alles, nicht alle sind der gleichen Meinung, wie weiter vorzugehen wäre.
In dieses Spannungsfeld wird auch das Publikum geworfen. Immer wieder tauchen kurze Meinungsumfragen auf, die zur persönlichen Stellungnahme auffordern. Da gibt es unpolitische Fragen nach dem Wetter oder der Qualität der Internetverbindung (Wobei: Wie unpolitisch ist die Frage nach der Qualität der Internetverbindung eigentlich wirklich?), aber es geht auch um große Themen wie Gerechtigkeit, Konsens, Deutungshoheit. Wer entscheidet darüber, was eine offizielle Wahrheit ist?

„The virus is present but the artist is not“, sagt Mallika Taneja in einem kurzen Video für die Beursschwouburg in Brüssel, das man auf vimeo anschauen kann. Ich verstehe, was sie damit meint – und dennoch: In meinen Augen ist die Künstlerin in dieser Arbeit sehr präsent. Sie, die spielenden Frauen und das (durchaus internationale) Publikum.
Trotz Pandemie entsteht hier ganz direkte interkulturelle Kommunikation.

PUBLIKUMSBINDUNG AM BILDSCHIRM

Digitales Theater kann uns Einblicke in andere Realitäten ermöglichen – auch dann, wenn es sich „nur“ um fiktionale Realitäten handelt. Eines dürfen wir beim Machen allerdings nie vergessen: Wir müssen das Publikum auch zu Hause am Rechner bei der Stange halten.
Ich habe in den letzten Monaten berufsbedingt sehr viele Online-Aufführungen gesehen.
Seitdem teile ich digitale Theaterproduktionen in zwei Kategorien ein: Produktionen, bei denen man nebenher den Abwasch macht, und solche, bei denen einem das nie einfallen würde.
Die drei hier genannten Beispiele gehören für mich definitiv in letztere Kategorie.

Wir alle sollten sehr viel mehr digital reisen.
Reisen setzt uns neuen Eindrücken aus, neuen Reizen, es fordert unsere Sehgewohnheiten heraus (Hand aufs Herz: Schauen wir manchmal nicht gerne ein bisschen herab auf die Ästhetik oder Erzählweisen, derer sich andere bedienen?), sie lotsen uns weg von dem westeuropäisch geprägten, kulturellen Zeichensystem, in dem wir es uns schon so lange so unfassbar bequem eingerichtet haben.

Daher mein Vorschlag für die nächste Pandemie:
Lasst uns Online-Spielpläne entwerfen, in denen unsere eigenen Theater nur am Rande vorkommen – und genug Freiraum bleibt, um endlich mal wirklich den Blick über den digitalen Tellerrand zu wagen.

Oder schaffen wir das vielleicht auch ganz ohne Pandemie?