Heinrich Böll. Biographie

Heinrich Böll. Biographie

Biographie
Heinrich Böll, Biografie
04. Okt. 2017 von Jochen Schubert
Heinrich-Böll-Stiftung / Theiss-Verlag - WBG
29,95 €
Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: 04. Oktober 2017
Seitenanzahl: 344
Lizenz: All rights reserved.
Language of Publication: deutsch
ISBN: 978-3-8062-3616-3

Vorwort von René Böll

Mein Vater hatte ein bewegtes Leben. Geboren noch im Kaiserreich, erlebte er bewusst die Weimarer Republik, das Dritte Reich und als Soldat den Zweiten Weltkrieg, vom ersten bis zum letzten Tag. Die unmittelbare Nachkriegszeit und der „Kalte Krieg“ prägten ihn. Die Fehlentwicklungen der alten Bundesrepublik hat er in vielen seiner Texte aufgezeigt.

Schon früh, noch als Schüler, begann Heinrich Böll zu schreiben, was seine Mutter zu der in solchen Fällen üblichen Frage veranlasste, was denn aus dem Jungen werden sollte. „Irgendwas mit Büchern“, lautete die Antwort, die der Sohn Jahre später im Titel seiner 1981 entstandenen Erinnerungen an die letzten Schuljahre unter der Naziherrschaft gab.

Mein Vater war zuallererst Schriftsteller – und als Schriftsteller und Künstler wollte er wahrgenommen werden. Zur Kunst gehört das Spontane, die Bereitschaft zur Kürze und zum Verzicht gerade auf die scheinbar so gelungene Passage, das Rücksichtslose und die Kälte gegenüber der eigenen Arbeit genauso wie der fast rauschhafte Zustand beim Schreiben, diese beispiellose Mischung aus Intuition und Kalkül. All das beherrschte er meisterhaft.

Um eine öffentliche Rolle, gar als „moralische Instanz“, hat er sich nie beworben. Er bekam sie zugewiesen. Doch obwohl er mit seiner Prominenz haderte, hat er sie zu nutzen gewusst. Nicht umsonst ist er Präsident zunächst des nationalen, später des internationalen PEN geworden und hat sich für die Belange von Schriftstellern, nicht nur der verfolgten, eingesetzt. Er war ein Vorkämpfer für die gerechte Bezahlung von Autoren und Übersetzern. Und sein Engagement bot oppositionellen Schriftsteller die Chance, im Westen zu publizieren. Selbst große persönliche Risiken scheute er nicht, wenn es galt zu helfen.

Bewundert habe ich an meinem Vater immer, dass er sich seine Meinung vollkommen unabhängig bildete, sich von keiner Gruppe, keiner politischen Richtung und keiner Partei abhängig machte. Er war ein Einzelgänger und im positiven Sinne eigensinnig. Es gab für ihn kein Lagerdenken, sein Eintreten für Menschenrechte war unteilbar – keineswegs selbstverständlich im „Kalten Krieg“.

Und obwohl diese Zeiten längst vorbei sind, haben sich Heinrich Bölls Denken und Haltung eine bemerkenswerte Aktualität bewahrt. Viele der Debatten von damals erinnern erschreckend an die ungelösten Probleme von heute.

Mein Vater war übrigens kein Asket, er konnte auch genießen, und Irland war für ihn ein Rückzugsort, dessen Bedeutung kaum überschätzt werden kann. Hier wurde er mit seiner Familie seit 1955 willkommen geheißen. Seine Bekanntheit sprach sich in Irland erst herum, als er 1972 den Nobelpreis erhielt, aber auch danach spielte sie nie eine Rolle. Monatelang begleiteten wir Kinder meine Eltern nach Irland und gingen nicht zur Schule. Als dies nicht mehr möglich war, weil wir inzwischen das Gymnasien besuchten, war mein Vater oft für Wochen alleine in Irland. Dort genoss er die Ruhe von all den Telefonaten und Briefen und Presseanfragen, die auf ihn einstürmten.
Wie alle Menschen hatte mein Vater Stärken und Schwächen. Ich selbst habe ihn immer als selbstkritisch, tolerant und großzügig erlebt. Wichtig ist mir deshalb heute wie früher, dass seine Bücher gelesen werden und sich die Menschen unvoreingenommen ihr eigenes Bild von seiner Person machen. Dass dies nun möglich ist, ist auch ein Verdienst der vorliegenden Biografie.

Mein großer Dank gilt deshalb Jochen Schubert, der sich der ungeheuren Mühe unterzogen hat, den umfangreichen Nachlass zu erschließen, und dem es gewohnt umsichtig gelungen ist, ein Porträt zu erstellen, das zuverlässige Informationen liefert, zur Lektüre anregt und Irrtümer und Klischees benennt, wo Korrektur geboten ist.

René Böll
Köln, im Sommer 2017

 


Buchvorstellungen und Lesetermine „Heinrich Böll“

Buchvorstellung mit Jochen Schubert in Bonn
Moderation: Prof. Werner Jung
Wann: Donnerstag, 12. Oktober, 20 Uhr
Wo: Buchhandlung Böttger, Thomas-Mann-Straße 41
Eintritt: € 8,- / Ermäßigt € 6,-


Frankfurter Buchmesse

Jochen Schubert präsentiert „Heinrich Böll“ mit René Böll im Lesezelt mit anschließender Signierstunde im Signierzelt nebenan.
Wann: Freitag, 13. Oktober, 10:00 Uhr
Wo: Lesezelt (Agora), danach Signierzelt
Signierstunde mit Jochen Schubert
Wann: Freitag, 13. Oktober, 14 Uhr
Wo: Am WBG Messestand, Halle 3.1 F 106


Buchvorstellung in Köln

Mit Jochen Schubert und Dr. Gabriele Ewenz, Leiterin des Stadtarchivs Köln
Wann: Dienstag, 7. November, 19 Uhr
Wo: Heinrich-Böll-Archiv ׀ Stadtbibliothek Köln, Josef-Haubrich-Hof 1, 50676 Köln


Erfurter Herbstlese

Buchvorstellung im Gespräch mit Dr. Gabriele Ewenz, der Leiterin der Stadtbibliothek Köln, und Autor Jochen Schubert
Wann: Mittwoch, 15. November, 19 Uhr
Wo: Erfurter Herbstlese e.V., Anger 37, 99084 Erfurt
Eintritt: € 8,- / € 6,-


Festakt in der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin (nur auf Einladung)

Mit Robert Habeck (Stellvertretender Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Bündnis 90/Die Grünen), Thomas von Steinaecker (Schriftsteller), Jochen Schubert und René Böll
Wann: Freitag, 10. November, 19-22 Uhr
Wo: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin
Fragen zur Veranstaltung beantwortet Vera Lorenz, Pressesprecherin der Heinrich-Böll-Stiftung, unter: lorenz@boell.de

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