Die Waldfrage in Durban: Hoffnung, Furcht und kleine Schritte

Die Waldfrage in Durban: Hoffnung, Furcht und kleine Schritte

Die Waldfrage in Durban: Hoffnung, Furcht und kleine Schritte

2. Januar 2012
Thomas Fatheuer

Seit der Bali-COP muss der Wald immer wieder als Hoffnungsträger in frustrierenden Klimaverhandlungen dienen.  Das war auch nach Durban nicht anders – aber die Töne werden leiser. Die Klimawunderwaffe REDD, die „win-win“-Optionen für Wald und Klima verspricht, wurde zusehends von einer einfachen, genialen Idee zum Teil eines zähen und komplizierten Verhandlungsprozesses, der seine Zeit braucht.


Streitthema REDD - ausstehende Entscheidungen


Gleichzeitig ist REDD zu einem der großen  Streitthemen der letzten COPs geworden. Da sich die Hoffnungen auf gewaltige Geldströme für  REDD  in erster Linie auf Finanzierung via Marktmechanismen (carbon markets) stützen,  sehen viele NGOs und indigene Gruppen die Gefahr der Kommerzialisierung von Gemeingütern und der Marginalisierung traditioneller Waldbewohner.

REDD hat in den  Durban-Schlagzeilen (COP 17 in Durban vom 29.11.-09.12.2011) kaum ein Rolle gespielt. Tatsächlich sind keine spektakulären Fortschritte erzielt worden und der komplexe Verhandlungsprozess ist selbst für Spezialisten kaum noch durchschaubar. Nach zähem Ringen (in der Arbeitsgruppe zu long-term cooperative action, LCA) ist die Entscheidung über die REDD-Finanzierung offengehalten worden. Die Marktfront feierte aber den §66 als Teilsieg, da hier der Hinweis auf „appropriate market-based approaches”  als eine mögliche Finanzierung von REDD zu finden ist. Weitere Entscheidungen sind auf zukünftige COPs verschoben worden.

Auch bei dem zweiten zentralen Punkt, der Vereinbarung über  Safeguards (Schutzklauseln), konnten keine substantiellen Neuigkeiten vermeldet werden. In Durban sollte verhandelt werden, wie die in Cancún beschlossen Safeguards in verbindliche Überprüfungssystem gebracht werden können. Wie selbst hartgesottene  REDD-Optimisten zugeben, ist der Text von Durban „ziemlich schwach“ (“bem fraco” – Paulo Moutinho, IPAM Brasilien). Der Durban-Text betont insbesondere die nationale  Souveränität und Verantwortung und reagiert damit auf Vorbehalte vieler Waldländer, die nicht durch ein verbindliches Monitoringsystem kontrolliert werden wollen. Ansonsten drehten sich die Verhandlungen um technische Details für die Definition von Baselines.


Keine verbindlichen Reduktionsziele


Fast schon wie jedes Jahr fallen auch die Bewertungen der COP-Ergebnisse sehr unterschiedlich aus. Die zahlreiche Gefolgschaft eines marktbasierten REDD-Ansatzes ist offensichtlich gewillt, jedes Lebenszeichen eines carbon markets zu feiern. So bezeichnet Abid Karmali von der Bank of America Merrill Lynch das Durban-Abkommen als „ a Viagra shot for the flailing carbon markets”.

Dass die CO2-Märkte zur Zeit auf historischen Tiefpunkten dümpeln, ist offensichtlich, wieso aber Durban eine Viagra-Pille sein soll, weniger. Denn die Debatte, ob nun REDD über CO2-Märkte finanziert werden soll, läuft ins Leere, wenn diese Märkte gar nicht in Sicht sind. Wo aber soll ein finanzkräftiger CO2-Markt herkommen, wenn keine verbindlichen Reduktionsziele vereinbart werden?


Ernüchterung: REDD erweist sich immer mehr als Illusion

Und so macht sich doch auch auf Seiten vieler Marktanhänger langsam Ernüchterung breit: "If there is no certainty of long-term emission reduction requirements and an international framework in which offsets could function, there is also no certainty about any market opportunity for REDD.” (Nachzulesen in einer Auswertung  des internationalen Waldforschungszentrums CIFOR)

So ist es. Verbindliche Reduktionsziele sind erst mal in weite Ferne gerückt, aber sie sind für einen funktionierenden globalen carbon market  – und damit für die REDD-Finanzierung – fundamental. Denn wer nicht reduzieren muss, wird auch keine Emissionsrechte handeln. Dass REDD schnelle und preiswerte Minderung von CO2-Emissionen ermöglicht, erweist sich damit immer mehr als Illusion.

Eigentlich wäre die Zeit für eine neue Nachdenklichkeit über REDD gekommen. Derweil aber die Karawane bereits unterwegs ist, muss der Zug wohl mit Zweckoptimismus gestärkt werden, auch wenn gar nicht mehr klar ist, ob die Karawane wirklich zu der versprochenen sprudelnden Geldquelle unterwegs ist. Wenn dennoch der norwegische Umweltminister Erik Solheim REDD als den „größten Erfolg in den bisherigen Klimaverhandlungen“ preist, ist das wohl weniger eine gute Nachricht für die REDD-Hoffer als ein Schlaglicht auf den elenden Zustand der Klimaverhandlungen.

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Zum Thema REDD siehe auch:


Thomas Fatheuer
war von 2003 bis Juli 2010 Büroleiter des Rio-Büros der Heinrich-Böll-Stiftung. Zuvor arbeitete er in Projekten zum Waldschutz im Amazonasgebiet. Zurzeit lebt er als Autor und Berater in Berlin.

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