Das Hirn ist schuld. Wieviel Verantwortung hat der Mensch?

30. September 2008
Die neuere Hirnforschung scheint zu belegen: Unser Wille ist nicht frei, unsere Handlungen sind gänzlich determiniert, uns trifft keine Schuld. Diese Thesen haben in den deutschen Feuilletons eine hitzige Debatte über die Reichweite menschlicher "Willensfreiheit" und "Verantwortung" ausgelöst.

Mit der Idee individueller Verantwortlichkeit ginge jedoch der wohl wichtigste soziomoralische Kitt verloren, der unsere Rechtsgemeinschaften zusammenhält: Was wird aus Recht und Moral, wenn wir den Menschen aus seiner Autonomie und Selbstbestimmung entlassen? Welche Konsequenzen ergeben sich im Hinblick auf gesellschaftliche Normen und Regelungen, wie sie z.B. im Strafrecht festgelegt sind? Und wie kommt es, dass eine aus der praktischen Alltagsansicht der meisten Menschen nahezu absurd anmutende Diskussion unter Intellektuellen eine derartige Resonanz erzeugt?

Manchmal mag einen der folgende Verdacht beschleichen: Nicht nur das Leben in Freiheit und Verantwortung ist anstrengend, sondern auch das Reden darüber. Die intellektuelle Ermüdung und Verantwortungslosigkeit im Rahmen der Theorieproduktion schlägt direkt in Theorien der Ermüdung und Verantwortungslosigkeit um.

  • Prof. Dr. Michael Pauen (Universität Magdeburg, Philosophisches Institut)
    Vortrag (PDF, 58 KB)