Obama: Breaking news vom Wochenende

Obama: Breaking news vom Wochenende

Obama: Breaking news vom Wochenende

3. Februar 2009
Marcia Pally
Von Marcia Pally

Am Wochenende gab es zwei einschlagende neue Nachrichten: Erstens: Die Vereinigten Staaten erlebten letzten Herbst die größte wirtschaftliche Kontraktion (Konsumrückgang um 5,1 Prozent) seit 1974 (damals 7,6 Prozent). In der Tat sind die Verkäufe seit 1947 nur in einem anderen Quartal so stark gefallen. Im April wird die Rezession die längste seit den 1930er Jahren sein.

Zweitens: Obama isst zu Mittag Cheeseburger!

Vergessen Sie Ihre Vorstellungen von gegrilltem Fisch ohne Butter, nur mit einem Stückchen Brokkoli als Beilage. Fokussieren Sie neu: ein fettiger Cheeseburger. (Bestellt er bei McDonald´s?) Das ist ein „Change“, ein Wechsel, auf den seine Anhänger nicht vorbereitet waren. Kein Wunder, dass diese Meldung Schlagzeilen machte. Ich habe es nachgeprüft: Sie wurde eindeutig von mehr Menschen angeklickt als die ausführliche Beschreibung des 800-Milliarden-Dollar Stimuluspakets, das einen tief greifenden Einfluss auf ihr Leben haben wird.

Sie meinen dennoch, Cheeseburger seien unwichtig? Dann sind Sie herablassend und versnobt. Ich werde Sie über Cheeseburger aufklären. Sie hätten Obama beinahe die Wahl gekostet. Hätten die Wähler im letzten Frühjahr gewusst, dass Obama Cheeseburger isst, dann hätten wir das ganze hässliche, dumme Gerangel zwischen Hillary und Barack um die Frage, wer der bessere Mann ist, vermeiden können.

Hillary gewann Stimmen von weißen Arbeitern, indem sie diese Männer davon überzeugte, dass sie es sei – indem sie in den Swing States, den Staaten mit wechselnder Wählerschaft, Pepperoni-Pizzen verdrückte und mit Bier nachspülte. Obama wurde beim Trinken von Café latte und Weißwein ertappt. Wäre er mit einem Cheeseburger erwischt worden, wir hätten die bitteren, polarisierenden Vorwahlen wesentlich früher beenden können.

Cheeseburger sind von großer Bedeutung

Welche Auswirkung werden sie zum Beispiel auf Obamas Wirtschaftspaket haben? Macht es ihn unternehmensfreundlicher, wenn er bei McDonald´s bestellt? Isst er nur Biofleisch von glücklichem Weidevieh? Wenn ja, dürfen wir uns dann auf Regierungsanreize für mehr hormonfreies Fleisch gefasst machen? Oder isst er ganz ordinäre Cheeseburger wie wir alle, die sich die astronomischen Kosten für chemiefreie Nahrung nicht leisten können. Wie ist seine Position zu Kühen?

Mehr noch: Wie wird der Verzehr von Cheeseburgern Obamas Pläne zur Gesundheitspolitik beeinflussen? Unter Bush wollten einige Fleischproduzenten ihre Tiere öfter auf Rinderwahnsinn untersuchen lassen, als es vorgeschrieben ist. Viele Länder haben diesbezüglich bessere Gesetze als wir Amerikaner, vor allem in Europa. Japan testet sogar jede einzelne Kuh, bevor sie geschlachtet wird. Einige US-Unternehmen wollten das auch tun, doch Bush erließ eine Order, die es für ungesetzlich erklärte. Jetzt wissen Sie, warum Amerika damals verrückt wurde.

Man könnte erwarten, dass ein Cheeseburger-Esser Bushs Order aufheben würde – aus Gründen der persönlichen Sicherheit, von der der Nation ganz zu schweigen. Ich stelle jedoch fest, dass Obama Bushs Anordnung bezüglich Guantanamo Bay samt seiner der Verfassung widersprechenden Militärtribunale außer Kraft setzte. Ich stelle fest, dass er Bushs „Knebelbefehl“ aufhob, der es verbot, Organisationen zu unterstützen, die Abtreibungen ausführen oder auch nur diskutieren, und dadurch Kliniken in Entwicklungsländern Gelder entzog. Ich stelle jedoch keine Aufhebung bezüglich Rindfleischs fest. Was bedeutet das für die Zukunft des amerikanischen Wahnsinns?

Ein Präsident ohne Jackett!

Noch mehr Nachrichten: Obama hält das Oval Office warm. Warm genug, um sein Jackett ausziehen zu können. Wow. Das Personal des Weißen Hauses geriet in Aufruhr. Ein Präsident ohne Jackett! So viel Wirbel um einen Mann in Hemdsärmeln ist seit Edith Whartons Roman The Age of Innocence (dt. Zeit der Unschuld) über die endlose Etikette der New Yorker Elite in den 1870er Jahren nicht mehr gemacht worden. In Bushs Weißem Haus war Hemdsärmeligkeit verboten. Jacketts waren Pflicht, sogar an Wochenenden. Bush stauchte einmal fünfzehn Minuten lang einen seiner Berater zusammen, weil dieser an einem Samstag ohne Jackett, in Freizeithose und Button-Down-Hemd, erschienen war. Er ließ den Anwalt nicht in sein Zimmer eintreten.

Wer nun denkt, dies sei faschistoid, mag behaupten, dass Obamas Hemdsärmeligkeit eine neue präsidentielle Offenheit ausdrückt, einen Kleidungsstil, der der Transparenz von Regierung und Finanzen entspricht und Bushs Geheimhaltung offen entgegen tritt.

Mag sein, aber ist das alles? Wie wird sich das auf Obamas Pläne für den Umweltschutz auswirken? Das Oval Office ist jetzt wärmer als früher. Es verbraucht mehr Energie als bislang. Was heißt, dass Obama, der angeblich umweltfreundliche Präsident, fossile Brennstoffe verschwendet. Sein Chefberater David Axelrod begründete dies damit, dass Obama aus Hawaii komme. Das ist natürlich Unsinn. Er lebte zwanzig Jahre lang in Chicago, und schlechter als dort ist das Wetter nur noch im Gulag.

Ich behaupte, wir haben es hier mit einem gebrochenen Wahlversprechen zu tun. Ich habe mir diese Hemdsärmel einmal angeschaut und wusste Bescheid. Ich habe auch einen Blick auf diese Arme und diesen Körper geworfen und dachte, der Mann ist es wert, ihn anzusehen – etwas, das mir bei Bush niemals in den Sinn gekommen ist. Ich freue mich schon auf noch mehr präsidentielle Offenheit.

Wissenswertes über Kleidung und Essen hinaus

Hier noch einige weitere Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Präsidenten, die Sie vielleicht erfahren möchten:

  • Obama absolviert sein Fitnessprogramm morgens um 6.45 Uhr, Bush mittags
  • Obama liest danach mehrere Zeitungen; was Bush anbelangt, so findet sich in den Akten des Weißen Hauses nichts über „lesen“ oder „Zeitungen“
  • Obama geht nach dem Mittagessen wieder an die Arbeit, um die Briefings für den nächsten Tag zu lesen; was Bush anbelangt, enthalten die Akten des Weißen Hauses nichts über „Arbeit“ oder „Briefings“
  • Obamas Besprechungen beginnen pünktlich und enden spät, weil er sich mit Details von Gesetzesvorlagen, Anträgen etc. befasst, die er zu Gesetzen zu machen hofft; Bushs Besprechungen begannen verfrüht und endeten pünktlich, da er ihnen sehr wenig Aufmerksamkeit widmete
  • Obama erhält täglich ein ökonomisches Briefing; Bush erhielt keine ökonomischen Briefings.

Und sehen Sie sich an, was wir dafür bekommen haben.

  • Obamas Lieblingsgetränk ist „Honest Tea“, ein klassischer Früchtetee. Es gibt keine Akten des Weißen Hauses über Bush, in denen das Wort „ehrlich“ vorkommt.


Übersetzung: Heinz Tophinke

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