Energiepolitik jenseits der Atomenergie

Energiepolitik jenseits der Atomenergie

Die Abwicklung der Atomenergie ist beschlossen – wenn auch nicht so rasch, wie sich das die Bündnisgrünen und die Anti-Atombewegung erhofft haben. Jetzt ist der Weg frei für eine nachhaltige Energiepolitik jenseits der Atomenergie. Wie buchstabieren sich Energiewende und Klimaschutz unter den Bedingungen liberalisierter Energiemärkte?
Im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung hat das Öko-Institut einen gründlichen Blick auf die Energiezukunft Deutschlands geworfen. Aufbauend auf den Studien verschiedener Institute werden Strategien für den Einstieg in eine neue Energiewirtschaft entwickelt und zu zwei Szenarien bis zum Jahr 2020 verdichtet.
Dazu erklärt Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich Böll Stiftung:

"Die Ergebnisse der Studie sind ermutigend. Ausgehend von den energiepolitischen Weichenstellungen, die von der rot-grünen Koalition bereits getroffen wurden oder vorbereitet werden (Förderung erneuerbarer Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung, verbesserter Wärmeschutz für Gebäude, Anreize für Energiesparen via Ökosteuer) werden Wege aufgezeigt, wie die Bundesrepublik ihre klimapolitischen Verpflichtungen einlösen und gleichzeitig eine wettbewerbsfähige Energieversorgung sicherstellen kann.

Zentrale Bausteine eines integrierten Handlungsprogramms sind:
- die Ausweitung des Anteils der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) bei der Stromerzeugung. Den Stromlieferanten sollte eine wachsende Quote für KWK-Strom vorgegeben werden, deren Erfüllung mittels handelbarer KWK-Zertifikate nachgewiesen werden kann. Eine Verdoppelung des KWK-Anteils bis 2010 ist notwendig und umsetzbar
- die umfassende wärmetechnische Modernisierung des Gebäudebestandes: Hier ist ein umfassendes Förderprogramm aufzulegen, dessen Umfang auf ca. 4 Mrd. DM jährlich veranschlagt wird
- kontinuierlich steigende wärmetechnische Standards für Neubauten
- die verstärkte Erschliessung von Stromsparpotentialen in der Industrie wie in den Haushalten
- der forcierte Einsatz erneuerbarer Energiequellen
- verstärkte Anstrengungen auf dem Feld der Verkehrspolitik, insbesondere eine stetige Verbesserung der Energieeffizienz der Fahrzeuge, eine deutliche Verkehrsverlagerung auf die Schiene sowie eine langfristig angelegte Strategie der Verkehrsvermeidung.

Wenn alle Potentiale systematisch erschlossen werden, ist eine Verminderung der energiebedingten CO-2-Emissionen im Zeitraum 1990-2005 um 25%, bis 2010 um 33% und bis zum Jahr 2020 um rd. 45% in Reichweite, und zwar zu wirtschaftlichen Bedingungen. Gerade unter dem Vorzeichen liberalisierter Energiemärkte können von der neuen Energiedienstleistungswirtschaft kräftige Impulse für Umweltschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation ausgehen."

Ralf Fücks ist Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung

Er publiziert in großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen, in internationalen politischen Zeitschriften sowie im Internet zum Themenkreis Ökologie-Ökonomie, Politische Strategie, Europa und Internationale Politik.

 

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