Grundeinkommens-Effekte auf die Situation von Frauen

Grundeinkommens-Effekte auf die Situation von Frauen

Grundeinkommens-Effekte auf die Situation von Frauen

Direkte und individuelle Effekte

13. Mai 2008

 « zu "Grundeinkommens-Effekte"

Arbeitskräfteangebot / Partizipation am Arbeitsmarkt

 
  • Chancen: Kein Zwang zu Arbeit, Flexibilität, Wahlfreiheit und Vereinbarkeit

    Ein Grundeinkommen entbindet vom Zwang zu existenzsichernder Erwerbsarbeit und ermöglicht deshalb Individuen eine freiere Wahl zwischen der Form, wie und wann sie arbeiten möchten. Dies könnte eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer bedeuten, was flexiblere Kombinationen (z.B. durch mehr Teilzeitangebote) von Familienzeit, sonstigem Engagement und der Erwerbssphäre bedeuten würde.

  • Risiken: Verdrängung vom Arbeitsmarkt, Verstärkung traditioneller Rollenmuster und Verschärfung von Einkommensunterschieden

    Die nicht mehr notwendige erwerbsbedingte Existenzsicherung nimmt den Zwang zur Arbeit und bietet die finanzielle Basis für ehrenamtliche Arbeit oder Familienarbeit. Gerade dadurch könnte sich aber der Druck insbesondere auf Frauen erhöhen, wieder primär zu Hause zu bleiben, was eine Verdrängung von Frauen vom Arbeitsmarkt und ihre erwerbsmäßige Marginalisierung zur Folge hätte. Mit der Verdrängung vom Arbeitsmarkt verbindet sich aber auch die eingeschränkte Chance zu gesellschaftlicher Teilhabe. Zudem ist eine Spaltung von Männern und Frauen und hoch- bzw. gering qualifizierten Frauen denkbar: Der Zugang zu Erwerbsarbeit stünde vor allem denjenigen zur Verfügung, die es sich „leisten“ können, neben der privaten Arbeit noch erwerbstätig zu sein. Dies dürften zunächst aufgrund traditioneller Rollenmuster zunächst Männer sein, die weniger Zeit in Familie & Haushalt investieren, und als nächstes hochqualifizierte (und dementsprechend gut bezahlte) Frauen, die sich die Auslagerung und Bezahlung bestimmter Familien- und Haushaltsarbeit leisten können. Gering qualifizierte Frauen würden dann entweder zu geringen Löhnen diese Dienstleistungen erbringen oder mehrheitlich private Arbeit leisten, weil die geringe Entlohnung nicht attraktiv genug ist. Das Resultat wäre eine geschlechtsspezifische Spaltung der Erwerbsbeteiligung.

Einkommenseffekte

 
  • Chancen: Eigenständige Existenzsicherung und Armutsminderung

    Jede Person würde über ein festgelegtes, stabiles, garantiertes Grundeinkommen verfügen, welches in der Regel monatlich ausgezahlt werden würde. Dies würde eine eigenständige Existenzsicherung einer/s jeden bedeuten, zumindest, wenn wie beim bedingungslosen Grundeinkommen vorgesehen, ein individueller Anspruch besteht und daher ggf. das PartnerInneneinkommen nicht angerechnet würde. Aus dieser individuellen finanziellen Sicherheit erwächst besonders für Frauen, die strukturell eher armutsgefährdet sind als Männer, eine hoher Autonomiegewinn, da sie selbstbestimmter leben und sich hinsichtlich ökonomischer Abhängigkeiten z.B. eher aus Gewaltzusammenhängen in Ehe bzw. Familie lösen können. Zudem könnte es sein, dass aufgrund höherer Unabhängigkeit von Erwerbsarbeit die Löhne im Niedriglohnsektor steigen, was insbesondere Frauen, die hier den größeren Teil der ArbeitnehmerInnen darstellen, zu Gute käme.

  • Risiken: Einkommensabstand zwischen Männern und Frauen bleibt gleich oder wächst, Lohndumping und größere strukturelle Benachteiligung

    Je nach der Höhe des Grundeinkommens und der möglichen Zuverdienste ist es allerdings auch denkbar, dass Frauen aufgrund ihrer flexibleren Erwerbsbiographien ein geringeres Gesamteinkommen haben als Männer und möglicherweise nur das Grundeinkommen beziehen, während Männer zusätzlich erwerbstätig sind. Damit hätten Frauen einen geringeren Anteil am Haushaltseinkommen, was ihre innerfamiliäre Verhandlungs- und Statusposition nachweislich verschlechtert. Auch könnte es sein, dass Arbeit besonders im Niedriglohnsektor billiger wird, da niemand mehr darauf angewiesen ist, zu arbeiten. Schlechtere Löhne und Lohndumping träfen allerdings vor allem Frauen, die bisher überwiegend solche Tätigkeiten im Niedriglohnsektor ausüben. Die Folge wäre eine Festschreibung von lohnmäßiger Benachteiligung. Zudem könnten aufgrund der Durchsetzung des individuellen Anspruchs manche Personenkreise zunächst finanziell auch deutlich benachteiligt werden.

Effekte auf individuelle und gesellschaftliche "Zufriedenheit"

 
  • Chancen: Entspannteres soziales Klima durch mehr Wahlfreiheit, individuelle Lebensgestaltung und Anerkennung unbezahlter Arbeit

    Ein Grundeinkommen würde den Individuen mehr Wahlfreiheit in ihrer Lebensplanung zugestehen. Ökonomische Unabhängigkeit, flexibleres Wechseln zwischen Erwerbs- und anderen Phasen, die freie Entscheidung für bestimmte Lebensentwürfe und für oder gegen bestimmte (z.B. schlecht bezahlte) Arbeiten sowie die (zunächst finanzielle) Anerkennung nicht-bezahlter Arbeit würden vermutlich insgesamt zu einem relativ entspannten sozialen Klima führen.

  • Risiken: Keine wirkliche Wahlfreiheit durch Aufwertung sozialer Zwänge

    Die Wahl des Lebensmodells ist aber nicht nur abhängig von ökonomischen Zwängen. Angesichts der mangelnden Notwendigkeit, erwerbstätig zu sein, stellt sich die Frage, ob dann nicht anstatt freier Wahl geschlechtsspezifische Sozialisation und gesellschaftliche Erwartungen an „typisch weibliche“ und „typisch männliche“ Muster von Arbeitsbiographien eine zentralere Rolle spielen werden und damit die vermeintliche Wahlfreiheit des Grundeinkommens ad absurdum geführt würde.

0 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Neuen Kommentar schreiben