Kenya Agricultural Carbon Project

Kenya Agricultural Carbon Project

Ein viel zitiertes Leuchtturmprojekt ist das Kenya Agricultural Carbon Project. Die Weltbank bewirbt es als richtungsweisend für die Verknüpfung von CSA mit neuen Kohlenstoffmärkten für die Landwirtschaft. Es wird von der schwedischen Organisation SCC-ViA durchgeführt und vom BioCarbon Fund der Weltbank und der schwedischen Entwicklungsagentur (SIDA) kofinanziert. Auf rund 45.000 Hektar sollten ursprünglich 60.000 Kleinbäuerinnen und -bauern zwischen 2009 und 2030 ihre landwirtschaftlichen Praktiken umstellen. Kurz nach Start wurde die Zielangabe auf 30.000 Personen beschränkt.

Maßnahmen beinhalten sowohl die oberflächliche Bodenbearbeitung (konservierende Landwirtschaft, siehe oben), Mulchen, Agroforstwirtschaft und Wassermanagement als auch Hybridsaatgut und Düngemittel von Syngenta. Die Bäuer/innen sollten zweifach profitieren: erstens durch höhere Erträge und zweitens durch den Erlös der verkauften Emissionsgutschriften für den im Boden gespeicherten Kohlenstoff. Aufgrund der niedrig angesetzten Preise pro Tonne CO2 machte dies jedoch lediglich eine Summe von höchstens drei Dollar pro Hektar und Jahr aus – die meisten Familien besitzen dabei nur einen Hektar Land. Die billigen Kohlenstoffgutschriften können wiederum von den Käufern dafür genutzt werden, ihre Treibhausgasemissionen zu legitimieren.

Eine wissenschaftliche Studie von 2017 kam zum Ergebnis, dass die ärmsten bäuerlichen Haushalte die Maßnahmen am wenigsten umsetzten – aus gutem Grund: Sie sehen sich zunehmend damit konfrontiert, die neuen von außen aufgedrängten klimaschonenden Landwirtschaftstechniken mit dem eigenen Überleben in Balance zu bringen. Reduzierte Bodenbearbeitung oder Bäume auf der ohnehin begrenzten Subsistenzfläche machen wenig Sinn, wenn es an Essen fehlt. Programme, die die Kohlenstoffspeicherung in den Fokus nehmen, zielen auf etwas anderes ab als auf die lokalen Bedürfnisse von sicherer und nachhaltiger Lebensmittelerzeugung. Kritiker/innen weisen zudem darauf hin, dass durch den Einsatz von Hybridsaatgut  neue Abhängigkeiten geschaffen werden. Vor allem jedoch stellt sich die Frage nach der Zielgruppe: Weshalb sollen ausgerechnet Kleinbäuer/innen zur Kohlenstoffspeicherung auf ihren Subsistenzfeldern angeregt werden, während der Großteil der Emissionen aus der industriellen exportorientierten Landwirtschaft und der Tierproduktion kommt?