Essen im Flugzeug-Tank?

Essen im Flugzeug-Tank?

Neben der Problematik der Kompensation setzt die internationale Luftfahrt zudem auf umstrittene „nachhaltige alternative Flugtreibstoffe“. Die einzige derzeit realistische Alternative zu erdölbasiertem Kerosin ist Pflanzenöl. Für die Herstellung der benötigten Mengen solcher Treibstoffe käme aus wirtschaftlichen Erwägungen nur Palmöl in Frage, das schon heute eine der treibenden Kräfte für die Abholzung von Wäldern weltweit darstellt.

Von den ursprünglich zwölf Nachhaltigkeits-Kriterien strich die ICAO 2017 zehn, inklusive derjenigen zu Landrechten, Ernährungssicherheit und Biodiversitätsschutz. Übrig blieb die Bedingung, dass die alternativen Treibstoffe mindestens 10 % weniger Emissionen erzeugen als konventionelles Kerosin. Diese Formulierung öffnete Saudi-Arabien die Tür, um einzufordern, dass auch Erdöl als grüne Alternative gewertet werden darf. Und so können sich nun Fluggesellschaften mit geringeren Reduktionsverpflichtungen belohnen lassen, wenn sie Kerosin verwenden, das in neuen effizienteren Raffinerien oder unter Einsatz erneuerbarer Energien hergestellt wurde.

Einige EU-Länder appellierten, die gestrichenen Nachhaltigkeitskriterien wieder einzuführen. Studien wie die von Changing Markets zeigen jedoch, dass auch dies unzureichend wäre. So fehlt es Nachhaltigkeitskriterien und -zertifizierungen grundsätzlich an Glaubhaftigkeit und Durchsetzungsfähigkeit. Beispielsweise hatte bisher im Palmölsektor keines der existierenden Schemata dabei Erfolg, Entwaldung, Entwässerung und Biodiversitätsverlust zu reduzieren.

In einem offenen Brief vom 11. Juni 2018 machten 90 Organisationen deutlich, dass sich die Flugindustrie wegen CORSIA zu einem neuen Treiber von Entwaldung, Landraub und Menschenrechtsverletzungen entwickeln könnte und forderten effektive Maßnahmen statt Kompensation und Agrartreibstoffe.