Claudia Maicher, Universität Leipzig
Sparen ist Handeln, welches zunehmend staatlich gefordert wird. Verbunden mit dem Umbau des staatlichen Alterssicherungssystems wird dieses Handeln zunehmend sozialpolitisch relevant. Sozialwissenschaftliche Forschung zur Alterssicherung sollte demnach bei den individuellen Überzeugungen und Einstellungen zum Sparen ansetzen. Die dominanten ökonomischen Theorieansätze – die entweder von der Einkommens- oder der Zinsabhängigkeit des Sparens ausgehen – erklären nicht das unterschiedliche Verhalten von Personen mit gleicher monetärer Ausstattung. Um dieses zu erklären brauchen wir eine Sozio-logie des Sparens, denn individuelles Sparen hängt nicht nur von materiellen Ressourcen und ökonomischen Parametern ab. Sicherheitsorientierungen, Beobachtung der Anderen, Erfahrungen im Institutionengefüge des Wohlfahrtsstaats, Zukunftsbewertungen u.a. beeinflussen das individuelle Handeln.
Ökonomische Theorien erklären Sparen reduktionistisch und daher unzureichend; soziologische gibt es nicht. Diese Lücke soll mit dieser Arbeit geschlossen werden. Es wird eine Soziologie des Sparens entwickelt. Dabei wird die Ordnung ökonomischer Spartheorien aufgenommen und erweitert. Einbezogen werden die theoretischen soziologischen Ansätze der Komplexität von Entscheidungssituationen, weil jede Handlung – ob Sparen oder Nichtsparen – in Zusammenhang mit anderen Entscheidungen getroffen werden muss.
Das Ziel der Arbeit ist, zu verstehen warum Menschen handeln (sparen oder nichtsparen), insbesondere wenn die Handlungsfolgen einen weiten Zeithorizont besitzen. Die Fragestellung lässt sich zusammenfassen: Welche Sparstrategien verfolgen die Leute und wodurch werden diese beeinflusst? Warum wird die Zukunft der Gegenwart vorgezogen oder umgekehrt? Welche individuellen Ressourcen und Restriktionen und welche Gelegenheitsstrukturen wirken auf die individuelle Orientierung?
Das methodisches Vorgehen des empirischen Teils lehnt sich an die Grounded Theory an, ist also gegenstandsbezogen. Dabei begründen sich neu zu entwickelnden Theorieansätze auf die Sozialforschung und werden aus den Daten generiert. Diese Methodik bietet sich für das vorliegende Forschungsvorhaben an, weil keine soziologische Theorie des Sparens herangezogen werden kann. Es werden qualitative Daten mittels vorstrukturierten Gesprächen erhoben, daraus Hypothesen abgeleitet, die dann die Grundlage für einen soziologisch-theoretischen Ansatz bilden. Dieser wird die bestehenden ökonomischen Ansätze des Sparens erweitern.